Misshandelte Dreijährige wurde regelmäßig von Kinderarzt untersucht

Die dreijährige Angelina aus Wien dürfte über Monate hinweg ein wahres Martyrium durchlebt haben - und obwohl die Mutter regelmäßig in Kontakt mit dem Jugendamt stand, hat niemand die Leiden des Mädchens erkannt.
Kleines Mädchen schwer misshandelt

Die Polizei geht davon aus, dass die Kleine im Zeitraum von Jänner bis zum Aufdecken des Falles von Wien-Landstraße am Abend des Pfingstmontages wiederholt misshandelt worden ist. War die Dreijährige schlimm, sperrte sie die Mutter sogar in einen Kasten, soll diese bei der Einvernahme gestanden haben.

Seit etwa einem Jahr betreut das Jugendamt die 28-jährige Mutter, die in einer Einrichtung von “Betreutes Wohnen” untergebracht war. Angelina war mindestens einmal pro Monat zur Untersuchung beim Arzt, betonte Herta Staffa, die Sprecherin der Wiener MAG Elf. Das war eine Vereinbarung, die im Zuge der “Unterstützung der Erziehung” zwischen Mutter und dem Jugendamt getroffen wurde. “Ob der Arzt etwas erkennen hätte müssen, kann ich nicht beurteilen”, sagte Staffa. 

Dreijährige “wegen Feuchtblattern” von Kindergarten entschuldigt

Die dreijährige Angelina besuchte auch regelmäßig den Kindergarten, nur in den vergangenen zwei Wochen nicht. Die Mutter hatte ihre Tochter wegen Feuchtblattern entschuldigt. “Das könnte eine Schutzbehauptung gewesen sein”, so die Sprecherin.

Für die 28-jährige Kindesmutter hat es ein Netz an Maßnahmen zur Unterstützung gegeben. Seit einem Jahr wird die Frau aufgrund von Verwahrlosung bei der Kindesentziehung unterstützt. Alle 14 Tage oder zumindest einmal pro Monat musste die 28-Jährige mit ihrer dreijährigen Tochter bei der Elternberatung erscheinen. Dort gab es Gespräch mit einer Sozialarbeiterin und eine ärztliche Untersuchung für die Kleine. Den letzten Termin hat die Frau allerdings nicht mehr wahrgenommen.

Ebenfalls einmal pro Monat gab es einen persönlichen Gesprächstermin mit einer Sozialberaterin, dazwischen standen die beiden in telefonischem Kontakt. Auch die Kindergärtnerinnen von Angelina hatten regelmäßigen Kontakt mit dem Jugendamt – Auffälligkeiten hat dennoch niemand bemerkt.  

Angelina mit gebrochenem Arm ins Spital eingeliefert

Das letzte Gespräch zwischen der Kindesmutter und der Sozialarbeiterin des Jugendamtes hat am 20. Mai stattgefunden. Nachdem sich die Frau ab dann nicht mehr beim Jugendamt gemeldet hat, wollte die Betreuerin nach den Pfingstfeiertagen der Mutter einen Besuch abstatten – für die kleine Angelina zu spät. Sie wurde am Abend des Pfingstmontages mit einem gebrochenen Oberarm sowie zahlreichen blauen Flecken am ganzen Körper in ein Unfallkrankenhaus eingeliefert. Die Frau rechtfertige die Verletzungen mit einem Sturz am Kinderspielplatz.

Warum man die Dreijährige trotzt der vielen Hilfsmaßnahmen, die für die scheinbar überforderte Mutter notwendig waren und obwohl der sechsjährige Sohn der Frau bereits bei der Oma untergebracht war, dennoch bei der 28-Jährigen ließ? “Die Situation war eine gute. Das Kind war gut betreut”, betonte Herta Staffa, “das gelindeste Mittel ist unser Ziel, das bedeutet so wenig Eingriff wie möglich, das ist auch vom Gesetzgeber so gewünscht. Unser Ziel ist, Eltern fit für die Erziehung zu machen.”  

Freund der Mutter schlug das Kind ebenfalls

“Es gab bisher keine Klagen. Eine Scheinkooperation kann man nicht so lange aufrechterhalten”, sagte Staffa. Ausschlaggebend für die Eskalation dürfte die neue Beziehung der Mutter zu einem 21-jährigen Wiener sein, der ebenfalls gegenüber der Polizei gestanden haben soll, das Mädchen geschlagen zu haben. Die 28-jährige beschuldigte auch ihren 28-jährigen Ex-Freund, der von der Polizei noch gesucht wird. Alle drei Verdächtigen wurden wegen schwerer Körperverletzung und Quälen sowie Vernachlässigen einer unmündigen Person angezeigt.

Zu den Vorwürfen, die postwendend gegenüber dem Jugendamt laut wurden, sagte die Sprecherin: “Wir haben ein dichtes Netz geknüpft und sowohl vom Arzt, als auch der Sozialarbeiterin und dem Kindergarten stets positive Rückmeldungen erhalten”.  

(apa)

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