Minisex melden sich nach 30 Jahren Pause zurück: Neues Album "Reduziert"

Minisex-Frontmann Rudi Nemeczek im Interview.
Minisex-Frontmann Rudi Nemeczek im Interview. ©APA
Gut 30 Jahre lang hat die frühere österreichische Kult-Band Minisex auf ihr fünftes Studioalbum warten lassen. Mit "Reduziert" (Rough Trade/Hoanzl) kommt nun am 14. März das unerwartete Comeback in den Handel.

“Wir haben nicht zurückgeschaut, sondern ein Album gemacht, das von heute ist”, definiert Minisex-Frontmann Rudi Nemeczek das Motto. Nach der Veröffentlichung der Doppel-CD “Maximum Minisex” (einem “Best Of”) wurde Nemeczek von seinem Label-Chef Walter Gröbchen dazu animiert, eine Zusammenarbeit mit Produzenten Christopher Just anzudenken.

Der 1955 in Wien geborene Minisex-Frontmann erinnert sich, dass er anfangs eine gewisse Schüchternheit empfand. Notwendig war diese nicht, denn die Produzenten outete sich als Fans der 1978 gegründeten Band, die in den 80ern mit Hits wie “Du kleiner Spion”, “Rudi Gib Acht” oder “Millionen zählen nicht” ein paar Pop-Evergreens schaffen konnte, die man noch heute im Radio zu hören bekommt.

Neue Wege für Minisex im “Hier und Jetzt”

“Reduziert” will aber diese Zeit nicht noch einmal aufleben lassen. “Wir wollten eigentlich die Geschichte nicht verleugnen, diese aber gleichzeitig ins Hier und Jetzt heben”, so Nemeczek. Disco-, Sixties- und New Wave-Referenzen wurden so in zeitgemäßen Elektropop umgesetzt. Der Slogan als Textelement ist weiterhin prägend, es sind assoziative Texte, die keine eigentliche Geschichte erzählen: “Es sind gefühlsmäßige Zustände, die wir vermitteln”.

An den Grundsätzen von Minisex hat sich also nicht viel geändert, es ist eine andere Interpretation mit neuen Einflüssen durch das neue Team. “Aber ohne, dass man sich verbiegen muss. Ich bin keine Soul-Star-Chanteuse wie Rihanna”, so der bekennende Musicalhasser. Die Zusammenarbeit mit den neuen Kräften schildert Nemeczek als eine harmonische Zeit: “Im Gegensatz zu normalen Produktionen, bei denen es wie in einer schwierigen Ehe zugeht, war es wie bei den Pfadfindern am Lagerfeuer”. Großer Druck war keiner vorhanden: “Wir haben mit einem Lied begonnen und an die eineinhalb Jahre rumgebastelt”

Österreich und der Musikmarkt

Die grundsätzliche Entscheidung für ein neues Minisex-Album hatte jedenfalls keine finanziellen Gründe, denn “Geld verdienen mit Musik ist heute mehr Lotto denn je”. Eher seien es Besessenheit und Liebe gewesen, denn die ökonomischen Bedingungen für Pop wären gegenwärtig schlecht. Ganz im Gegensatz zu Volksmusik und Schlager, denen auch Hauptabendsendungen gewidmet sind, finde etwa in Österreichs Fernsehen Pop kaum statt.

Die Live-Präsentation von “Reduziert” steigt am 14. März in der hippen “Grellen Forelle”. “Dieser Club ist auf uns zugekommen, was uns gefreut hat – denn ich glaube nicht, dass man etwa zu Wolfgang Ambros mit derselben Bitte gekommen wäre”. Es wird trotzdem ein “Culture Clash”, glaubt Nemeczek. “Es wird einfach mehr Arbeit sein, aber es wird spannend”, sonst bräuchte man auch kein neues Album machen.

(Andreas Westphal/APA)

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