Millionäre wollen nicht als reich gelten

Österreichische Millionäre sind bodenständig, bescheiden und neigen nicht zur Protzerei - das trifft zumindest auf den Großteil jener 35 Reichen zu, die in einer am Freitag vorgestellten qualitativen Studie der Unicredit-Tochter Bank Austria zu Wort kamen.

Zwei Gruppen konnte Studienautorin, Soziologin Beatrix Brauner, ausmachen: Den traditionell-bodenständigen und den etabliert-dynamischen Millionär. Insgesamt gibt es in Österreich zwischen 60.000 bis 70.000 Millionäre.

Befragt wurden 23 Personen aus Wien und zwölf aus den Bundesländern. Sieben von ihnen waren Frauen. Die befragten Millionäre waren zwischen 40 und 80 Jahre alt und hatten ein Vermögen zwischen einer und 400 Millionen Euro. “Allgemeine Aussagen kann man über ‘die Reichen’ nicht machen”, so Brauner. Dennoch ließ sich die Gruppe der Befragten in Kategorien einordnen, wobei die Hälfte die konservative Gruppe bildeten. Der überwiegende Teil war Statussymbolen, wie etwa schicken Autos, abgeneigt. Die meisten empfanden sich wegen der negativen Konnotation des Wortes “reich” nicht als solche, konnten aber mit dem Begriff “wohlhabend” mehr anfangen, so Brauner. Ihren Reichtum sahen viele als Folge ihrer harten Arbeit. Die jüngere Millionärs-Generation sei aber reich um des Reichseins willen geworden, so Brauner.

In der ersten Gruppe, den traditionell-bodenständigen Millionären, wurden vier Unterkategorien ausgemacht: der konventionelle Millionär (der Macher), die lokalpatriotische Elite (der Patriot), der versteckte Millionär (der Sparsame) und der konservative Millionär (der humanistisch orientierte Großbürger). Bei den etabliert-dynamischen Millionären ließen sich die statusorientierten Vermögenden, neue Vermögende, hedonistische/unkonventionelle Reiche und etablierte Millionäre unterscheiden. Was die Steuerdebatte betraf, so waren die befragten Millionäre dafür, ihren Beitrag zu leisten, sprachen sich aber gegen die Vermögenssteuer aus. Sie zeigten sich darüber hinaus unzufrieden damit, wie seitens der Politik mit Geld umgegangen werde. Die Befragten seien pro-europäisch und Österreich liebend eingestellt, ergab die Studie.

Die Wirtschaftskrise hat auch bei Reichen zum Vertrauensverlust in Banken geführt. Die Anlagen erfolgen jetzt breiter gestreut und konservativer, so Jürgen Danzmayer, Vorstand Private Banking der BA. Auch der Bedarf an Informationen sei gestiegen. Das Verhältnis liquides zu illiquidem Vermögen ist laut Andreas Wölfler, Vorstand der Private Banking UniCredit etwa 1 zu 5. Was nicht auf dem Konto ist, steckt in Immobilien, Aktien, Stiftungen, Unternehmensbeteiligungen und anderen Wertanlagen.

Ähnliche Ergebnisse lieferten auch Studien, die in Italien, Deutschland und Polen durchgeführt wurden, um den Bedürfnisse der vermögenden Creditanstalt-Kunden besser nachzukommen. Die Untersuchung soll in drei bis fünf Jahren wiederholt werden.

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