Migrantenlöhne als Staatsstütze

Viele Entwicklungsländer profitieren von ihren Auswanderern: Die Gesamtsumme, die Migranten vom Lohn ihrer Arbeit in die Heimatländer zurücksenden, steigt in diesem Jahr auf rund 143 Mrd. Euro.

Die Summe macht bereits mehr als das Zweifache der gesamten Entwicklungshilfe aus. Migration biete damit „das Potenzial für enorme Wirtschaftssteigerungen“, heißt es. Die ärmsten Länder sind auf dieses Geld allerdings dringend angewiesen: In Staaten wie Lesotho oder Haiti macht es rund ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. 
 
Insgesamt könne das weltweite Realeinkommen durch die Migrationsströme um 0,6 Prozent oder 365 Mrd. Dollar zulegen, heißt es in dem Bericht. Davon würden mit rund 162 Mrd. vor allem die Migranten profitieren, mit rund 143 Mrd. die Menschen in den Entwicklungsländern und mit 51 Mrd. Bürger einkommensstarker Länder wie Deutschland. Vorausgesetzt ist dabei, dass die Zahl der eingewanderten Arbeitskräfte in den Industrieländern bis 2025 um drei Prozent steigt. Auch die Europäische Union will wegen der Überalterung der Bevölkerung langfristig die Wirtschaftsmigration nach Europa steigern. 
 

Migrantenlöhne senken die Armut

Der Weltbankbericht verdeutlicht aber auch die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler verarmter Staaten von ihren Auswanderern: Er listet allein 20 Staaten auf, bei denen die Rücküberweisungen mehr als zehn Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen. Darunter sind neben den ärmsten Ländern der Welt als einzige europäische Vertreter auch die Balkanstaaten Bosnien-Herzegowina sowie Serbien und Montenegro. Sie hängen zu fast einem Fünftel am Geld ihrer Auswanderer. 
 
Die Rücküberweisungen seien auch ein wichtiges Mittel zur Armutsbekämpfung, heißt es in dem Bericht. In Uganda sei die Armut dadurch um elf Prozent gesunken, in Bangladesch um sechs Prozent und in Ghana um fünf Prozent. Das Geld ihrer ausgewanderten Angehörigen nutzen die Menschen demnach nicht nur, um ihren Konsum in Notzeiten zu sichern, sondern sie investieren es auch in Bildung und Gesundheit. 
 
Insgesamt dürften Auswanderer in diesem Jahr weltweit 232 Mrd. Dollar in ihre Heimatländer zurück überweisen. Diese Summe geht auf Wirtschaftsflüchtlinge aus armen Ländern wie El Salvador oder Uganda ebenso zurück wie auf Deutsche, die etwa in Österreich leben und arbeiten. 
 
Nach der absoluten Höhe der empfangenen Gelder stehen Indien, China und Mexiko weltweit an der Spitze. Nach Indien fließen demnach in diesem Jahr fast 22 Mrd. Dollar durch Migranten zurück, nach China gut 21 Mrd. und nach Mexiko immer noch rund 18 Mrd. Deutschland kommt nach der Höhe der Rücküberweisungen immerhin auf Platz acht weltweit: 
Deutsche Auswanderer senden in diesem Jahr voraussichtlich rund 6,5 Mrd. Dollar nach Hause. 
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