Micmacs

Die Ausgangslage des neuen Films von Regisseur Jean-Pierre Jeunet ("Die fabelhafte Welt der Amelie") liest sich ernst: Es geht um Waffenhandel, eine Kugel im Kopf und wunderliche Außenseiter.
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Filmheld Bazil, gespielt von Frankreichs Star-Komiker Dany Boon (“Willkommen bei den Sch’tis”) verwandelt “Micmacs – Uns gehört Paris!” in ein rasantes Lustspiel. Doch vollkommen überzeugen kann die kitschig-alberne Komödie nicht. Am Freitag (8.) startet sie in den österreichischen Kinos.

Worum es geht: Waffen bringen Bazil öfter Unglück. Als er noch ein Kind ist, stirbt sein Vater durch eine Mine in der nordafrikanischen Wüste, woraufhin seine Mutter den Verstand verliert. Und als Erwachsener wird Bazil Zeuge einer Schießerei an der Videothek, in der er jobbt – und wird dabei selbst getroffen. Von da an steckt eine Kugel in seinem Kopf und er muss mit der Angst leben, dass sie ihn doch noch tötet.

Als er aus dem Krankenhaus entlassen ist, kommt Bazil eher zufällig an den beiden imposanten Hauptsitzen der Waffenfabrikanten vorbei, die für die Schicksalsschläge in seinem Leben verantwortlich sind, beziehungsweise die Werkzeuge für sie lieferten. Bazil beschließt, sich zu rächen – böse, aber irgendwie auch charmant. Der kleine Mann ärgert die großen Bosse.

Unterstützt wird Bazil von neuen Freunden, die als bunte Truppe und “Wohngemeinschaft” in einer Art fantastischen Höhle auf einem Schrottplatz am Rande von Paris leben. Es wird ein Kampf gegen skrupellose reiche Industrielle, der erst am Schluss des Films richtig unterhaltsam wird, wenn die Bösewichte von den kleinen Leuten vor allem mit der Hilfe und Macht moderner Medien wie “YouTube” besiegt werden. Davor hält man viele der 104 Minuten allerdings für recht zäh.

Nach “Delicatessen” und “Amelie” zeigt Jean-Pierre Jeunet in diesem Film erneut ein Universum voller skurriler Charaktere und üppiger Ausstattung. Dabei kommen auch wieder Bilder eines romantisierten Paris nicht zu kurz – die Stadt ist bei Jeunet immer viel menschenleerer und weniger staugeplagt als sie eigentlich ist.

Hinzu kommt, dass die konstruierte Liebesgeschichte zwischen Bazil und Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier) peinlich wirkt. Und auch die Fantasien des Protagonisten, die den Zuschauer Parallelen zu Amelie – sozusagen in männlich – ziehen lassen, sind eher albern als guter Kitsch.

Unter anderem mit Yolande Moreau (“Seraphine”) ist der Film, der seine Weltpremiere beim Filmfestival von Toronto feierte und im vergangenen Herbst in den französischen Kinos anlief, zwar großartig besetzt. Doch trotzdem bleibt er weit unter den Erwartungen zurück, die man bei den bisherigen Werken der Macher haben könnte.

Dany Boon wollte die Hauptrolle zunächst ablehnen, wie er zugibt. “Es fiel mir schwer, mich in der Rolle von Bazil wiederzufinden. Dabei war ich erfreut, dass Jean-Pierre an mich gedacht hatte und mich anrief. Ich habe seine Filme immer geliebt und weiß auch, dass er mich mag.” Fast möchte man sagen: Ach, hätte Boon doch “Nein” gesagt…!

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