Metropolis

Zurück zum Ursprung: Die fehlende halbe Stunde des Science-Fiction-Klassikers "Metropolis" wurde in einem argentinischen Archiv entdeckt und in das Werk eingefügt - Filmstart am 24. Juni.
Nur selten gibt es in der Filmgeschichte solch spektakuläre Funde, wie er 2008 in dem kleinen argentinischen Museo del Cine Pablo C. Ducros Hicken gemacht wurde: Ein Großteil der verschollenen halben Stunde des Filmklassikers “Metropolis” von Fritz Lang wurde auf einem lädierten 16-mm-Negativ entdeckt. Nun wurden die nach dem Premierenflop 1927 herausgeschnittenen Sequenzen restauriert und wieder in das Science-Fiction-Meisterwerk integriert. Ab dem 24. Juni ist “Metropolis” in Österreich exklusiv im Wiener Gartenbaukino in seiner fast alten Größe zu bewundern – schließlich fehlen immer noch acht des einst 153 Minuten dauernden Films.

Die Verstümmelung des heute als unsterblich verehrten Werks begann bereits kurz nach seiner Premiere am 10. Jänner 1927 in Berlin. Lang hatte im Verlauf der eineinhalb Jahre dauernden Dreharbeiten Zehntausende Komparsen engagiert und 620.000 Meter Negativfilm belichtet, wovon 4.200 Meter Eingang in die sechs Mio. Reichsmark teure Premierenfassung fanden. Diese entpuppte sich jedoch als veritabler Publikumsflop, worauf die UFA den Streifen zurückzog und um eine halbe Stunde auf das gängige Filmmaß kürzte. Durch den argentinischen Fund ist das Werk nun mehr als 84 Jahre nach seiner Uraufführung auch in Österreich wieder zu sehen, nachdem die Weltpremiere der restaurierten Fassung bereits bei der Berlinale 2010 im Friedrichstadtpalast gefeiert wurde.

Für die Wiederherstellung zeichnete die Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verantwortlich, die das 1945 beschlagnahmte Reichsfilmvermögen verwaltet. Sie setzte “Metropolis“, der als erster Film überhaupt in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde, nahe an den Ursprungszustand zurück, wobei auch Gottfried Huppertz’ Originalpartitur neu adaptiert und vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Dirigent Frank Strobel eingespielt wurde.

Nach Argentinien war das kostbare Filmmaterial gelangt, weil Verleiher Adolfo Wilson noch vor der Verstümmelung des Werks eine Kopie erwarb, die er ab 1928 in argentinischen Kinos einsetzte. Nach der kommerziellen Auswertung gelangte diese Kopie über Umwege in das Museum in Buenos Aires, wo man von der stark beanspruchten Nitrokopie eine Sicherheitskopie auf 16-mm-Negativ zog. Dieses Negativ enthielt gut 25 Minuten, die in keiner anderen überlieferten Kopie inbegriffen waren.

Die Reimplementierung der nach wie vor sichtlich beschädigten Abschnitte in den Erzählfluss bringt zwar keine spektakulären Wendungen oder enthüllt neue Schichten der Narrationen. Dennoch ändern die wiedergefundenen Filmmeter den Charakter des Films. Meist handelt es sich nur um Sekunden dauernde Gegenschüsse oder Zwischenschnitte, die teils Sprünge im kontinuierlichen Schnitt der bis dato bekannten Fassung glätten, den Gang der Geschichte deutlich flüssiger gestalten.

Selten finden sich ganze Sequenzen neu im alten Werk, wenn sich etwa Arbeiter 11811 bei seinem Ausflug an die Oberfläche ins Nachtleben stürzt, oder die gemeinsame Vergangenheit des Metropolis-Herrschers Joh Fredersen mit dem Erfinder Rotwang näher beleuchtet wird. Auch wird die Evakuierung der Kinder aus der untergehenden Arbeiterstadt durch einige Actionmomente dramatisiert. Alles in allem gleichsam der Director’s Cut eines Epos, das vom Klassenkampf zwischen der Oberschicht und der darbenden Unterschicht handelt, von der Liebe zwischen dem wohlbehüteten Freder (Gustav Fröhlich) und Arbeiterführerin Maria (Brigitte Helm) sowie dem Kampf des Wissenschafters Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) mit seinem weiblichen Maschinenmenschen gegen den Rivalen Joh Fredersen (Alfred Abel), den Erschaffer der Megapolis Metropolis.

Allerdings fehlen nach wie vor 300 Meter des Originalwerks. Diese kleineren Lücken werden in der aktuellen Version durch Schwarzbild samt kleinerer Erklärung der Szene markiert – bis sich eines Tages eventuell doch noch ein neuer Fund in einem bis dato wenig beachteten Archiv auftut. (APA)

http://www.gartenbaukino.at

 

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