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Metallica in Wien - Grauenvolles Ambiente, entfesselte Band

Ein kalter Wind, ein grauenvolles Gelände und Menschen im Publikum, deren trauriger Lebenshöhepunkt darin besteht, möglichst viele volle Bierbecher über die Kopfe der anderen zu schleudern - nicht gerade die besten Umstände für Open-Air-Genuss.

Aber wenn Metallica in ihrer Form von Donnerstag aufspielen, ist irgendwann der letzte Gedanke an das Ambiente „aus dem Kopf geprügelt“ (eine in Rockkreisen durchaus positiv besetzte Redewendung, Anm.). Die einzige Heavy-Metal-Band, die zu Konzerten so viele Besucher wie U2 anlockt, erwies sich in Wien einmal mehr als Meister ihres Genres.

Metallica hatten ihre Vorbilder mitgebracht: Tony Iommi und Geezer Butler, Gitarrist und Bassist von Black Sabbath, treten derzeit zusammen mit Sänger Ronnie James Dio, einst Nachfolger von Ozzy Osbourne als Frontman der Ur-Metal-Combo, als Heaven and Hell auf. Gespielt wurden ausschließlich Relikte aus der gemeinsamen Sabbath-Ära – von „Mob Rules“ bis zum Namensgeber „Heaven and Hell“. Tageslicht passte so gar nicht zum Image der Altherren in schwarzen Mänteln, die Songs aus den 80ern und der hochlagige Metalgesang sind schon ziemlich angestaubt (wie der Wüstenboden des Geländes) – dennoch: in Sachen Gitarrendruck spielen Butler und Iommi immer noch in einer eigenen Liga.

Metallica sind „Sick of the Studio“, und haben daher für eine Sommer-Tournee unter diesem Motto die Arbeiten an einer neuen CD unterbrochen. Mit Produzenten-Guru Rick Rubin, der Johnny Cash zum Comeback verholfen hat, wollen die US-Musiker zu ihren kreativen Hoch-Zeit zurückkehren. Und als hätte es die langweiligen Platten „Load“ und „Reload“ und das überwiegend stumpfsinnige „St. Anger“ nie gegeben (lediglich der Song „The Memory Remains“ war von den drei Alben an diesem Abend übrig geblieben), präsentierten sich Metallica wie zu Zeiten des Klassikers „Masters Of Puppets“ als riff- und bassgeschwängertes Monster, dem selbst die obligaten Balladen nicht die Kraft zu rauben vermögen.

„Creeping Death“ von 1984 machte den Anfang der Reise zurück in jene Zeiten, als die Haare aller Ur-Mitglieder noch lang, Kajalstriche verpönt und die Mainstream-Hitparaden noch nicht mit dem „Black Album“ erobert waren. Es folgte das schleppende und an Härte unerreichte „For Whom The Bell Tolls“. Viel über das Sterben hatte Frontman James Hetfield, wie eh und je ganz in schwarz, auch danach zu singen: „Ride The Lightning“ (über den elektrischen Stuhl) und „Disposable Heroes“ (über das Grauen an der Front) und nicht zuletzt das Kriegsdrama „One“ im Zugabenteil hörten sich mit den plakativen Texten, den Brachialsoli und dem wuchtigen Groove einfach gut an – und dank Robert Trujillo, der Ork-Krieger am Bass, spürt man sie wunderbar in der Magengrube.

Das Programm entpuppte sich als Verneigung vor den Fans der ersten Stunde, selbst „The Four Horseman“ und „Whiplash“ vom Debüt „Kill ’Em All“ fehlten nicht. Die Wimmerln im Gesicht von Hetfield, die er auf dem Rückcover jener Platte ungeniert zeigt, sind verschwunden, die jugendliche Freude am Gebolze nicht. Etwas zähe Instrumentaleinlagen waren nach entfesselten Versionen von „Master Of Puppets“ und „Enter Sandman“ rasch verdaut. Nachhaltig schmerzte dagegen die Erinnerung an das staubige Areal auf dem Rotundenplatz, dem „Ausweichquartier“ während der Stadion-Umbauarbeiten: Das geschotterte Gelände mit Blick auf eine Parkgarage und Baustellen-Charme war eine einzige Qual.

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