Messerstich: Vier Jahre Haft

Symbolbild &copy bilderbox
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Nach einer Massenschlägerei in einem Flüchtlingsheim in Wien-Simmering mussten sich am Donnerstag, ein 36-jähriger Tschetschene und eine 49-jährige Kasachin im Wiener Landesgericht verantworten.

Der Mann hatte einem jungen Wiener, der mit mehreren Freunden vor dem Heim in Kampfhandlungen mit rund 20 Tschetschenen verwickelt worden war, heimtückisch von der Seite ein Küchenmesser in den Bauch gerammt. Die Frau, die zunächst als „Anheizerin“ aufgetreten war, hatte ihm die Waffe aus ihrer Unterkunft geholt. Der 23 Jahre alte Wiener, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Heims lebt, musste notoperiert werden.

“Kinder sollen tot umfallen”

Der Täter, der sich nicht schuldig bekannte („Alle meine Kinder sollen tot umfallen, wenn ich das gemacht habe!“), erhielt wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung vier Jahre Haft. Die Frau bekam zwei Jahre unbedingt. Richter Johannes Jilke verwies auf die besonders kaltblütige Vorgangsweise und meinte: „Das Heim war ein richtiges Pulverfass, wo immer wieder Nationalitätenkonflikte losgebrochen sind.“

Bombenalarm im Gericht

Der Prozess fand unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor der Verhandlung wurde der Saal von einem Spürhund auf Bomben durchsucht, nachdem eine Warnung des Verfassungsschutzes eingegangen war. Mehrere Beamte schirmten den Eingangsbereich ab, wovor sich einige Tschetschenen versammelt hatten. Ihnen wurde der Zutritt verwehrt. Die Belastungszeugen erhielten Polizeischutz und wurden nach ihrer Einvernahme von Uniformierten nach Hause begleitet:
Im Vorfeld hatte es gegen sie, aber auch gegen erhebende Kriminalbeamte Morddrohungen gegeben.

In dem Heim waren hauptsächlich tschetschenische Flüchtlinge untergebracht. Immer wieder kam es zu Tätlichlichkeiten zwischen dieser Volksgruppe und vor allem Schwarzafrikanern. „Eine Zeit lang waren wir mehrmals täglich dort“, meinte ein Polizist nach der Verhandlung im APA-Gespräch.

Täter hatte zuvor Buben verprügelt

Auch dem inkriminierten Geschehen war sozusagen ein interner Konflikt vorangegangen: Der 36-Jährige Tschetschene hatte im Hof einen afrikanischen Buben verprügelt, der im Zuge eines Kindergeburtstags ausgelassen herumgetollt hatte. Einige Männer – zufällig Zeugen dieser Szene – kamen dem Kind zu Hilfe, worauf Landsleute des Tschetschenen rasch als „Verstärkung“ zur Stelle waren.

Mittlerweile soll sich die Situation in dem Flüchtlingsheim entschärft haben. „Man hat darauf geschaut, dass nicht mehr eine Volksgruppe so ein Übergewicht hat wie vorher“, wusste ein Kriminalist. Sollten die Urteile rechtskräftig werden – die Verteidigung erbat Bedenkzeit -, erwartet die beiden Beschuldigten die Abschiebung und ein Aufenthaltsverbot.

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