Messegesellschaft: Schuld am Einsturz?

Die Staatsanwaltschaft in Kattowitz sieht Hinweise auf Nachlässigkeit der Messegesellschaft im Umgang mit der Halle, deren Einsturz mindestens 65 Menschen das Leben kostete.

Die polnischen Behörden vermuten noch weitere Todesopfer unter den Trümmern der eingestürzten Messehalle bei Kattowitz. Unter den Überresten der Messehalle lägen vermutlich noch etwa 15 Leichen, sagte ein Sprecher der regionalen Präfektur am Mittwoch. Am Vortag hatten Bergungskräfte weitere drei Leichen entdeckt. Die Staatsanwaltschaft fand mittlerweile Beweise für Nachlässigkeit als Ursache der Katastrophe.

Die offizielle Totenzahl wurde am Mittwoch erneut korrigiert, die Behörden gab sie nun mit 63 an. Die Verwirrung sei durch schlechte Zusammenarbeit mit Leichenhallen und Bestattern verursacht, sagte Staatsanwalt Leszek Golawski. Die Suche nach weiteren Opfern sollte noch mehrere Tage fortgesetzt werden.

Erste Untersuchungen des am Samstag eingestürzten Gebäudes hätten „eine Menge Fehler“ am Bau ergeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Noch sei jedoch unklar, ob sie die Unglücksursache seien. Dem Sprecher zufolge versuchte ein an dem Bau beteiligter Ingenieur zwei Tage nach dem Unglück, sich das Leben zu nehmen. Er liege im Krankenhaus und sei vernommen worden. Zeugen berichteten der polnischen Presse, schon vor vier Jahren hätten sie Risse am Dach des Gebäudes gesehen. Das Dach sei daraufhin verstärkt worden.

Die Staatsanwaltschaft in Kattowitz in Polen sieht Hinweise auf Nachlässigkeit der Messegesellschaft im Umgang mit der Halle, deren Einsturz mindestens 65 Menschen das Leben kostete. Ehemalige Mitarbeiter hätten ihre Aussagen wiederholt, dass es bereits 2002 Probleme mit der damals erst zwei Jahre alten Halle gegeben habe. Die „Gazeta Wyborcza“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, den Ermittlungen zufolge sei nur am Rand des Hallendachs Schnee geräumt worden.

In der Dachmitte dagegen sei die größte Dachfläche nicht gesäubert worden. Dort habe sich eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht gebildet. Die Ermittler gehen von einem Gewicht von etwa 2.500 Tonnen aus. Dieser Teil des Daches war am Samstag eingestürzt und hatte mehrere hundert Besucher einer Brieftaubenmesse unter sich begraben.

Einer der Architekten der Halle versuchte in einem Hotel in Oppeln (Opole) Selbstmord zu begehen. Er konnte aber von der Polizei gerettet werden, die von seiner Frau benachrichtigt worden war. In einem Abschiedsbrief begründete er den geplanten Selbstmord mit der Tragödie von Kattowitz.

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