Merlin kotzt: "König Artus" beim Tanz-house-Festival in Salzburg

Am Dienstag war die Uhraufführung von Editta Braun’s „König Artus“ im Zuge des tanz_house Festivals in der ARGEkultur in der Stadt Salzburg. Die Choreographin und Regisseurin präsentierte eine witzig-ironische Collage aus Bewegung und Sprache für drei Tänzer und Schauspieler.
"Move against it! - Meet again"!

„König Artus“, heißt das neue Stück von Choreographin und Regisseurin Editta Braun. Dienstag Abend war die Uraufführung beim Salzburger Tanz-house-Festival in der ARGEkultur.

Merlin baumelt am Trapez, klemmt sich das Schwert Excalibur zwischen die Beine, philosophiert über den Krieg und kotzt beim Gedanken an die Menschen. Und das alles im Rückwärtsgang, von der Zukunft in die Vergangenheit. König Artus und Morgaine tanzen und trampeln über die Tafelrunde, und eine Stunde turbulentes Tanztheater vergeht wie im Flug.

Witz, Mystik und sprachliche Reflexion über die normannische Krieger-Legende und einige ihrer Sub-Geschichten sind die konzeptionellen Standbeine, aus denen die international erfolgreiche Choreographin und Regisseurin ihren „Artus“ zusammengezimmert hat. Peter Thalhammer tauchte die Bühne von Arturas Valudskis in düsteres, nebeliges Licht, und drei Akteure spielten, sprachen, turnten und tanzten. Thierry Zaboitzeff hat Klassiker der Rock-Geschichte mit eigenen Klangkompositionen zu einer akustischen Klammer verarbeitet, die Brauns Arbeit Zusammenhalt und Form gibt.

Die Texte dieser Collage aus Körpern und Gedanken stammen aus den fünf Artus-Büchern von T.H. White und von Tankred Dorst sowie aus Josef Wittmanns „Merlin kotzt“. Vor allem letzteres Werk ist es, das die Brücke zum Publikum der Gegenwart schlägt und diesem actionreichen Getümmel noch halbwegs Sinn und Faden verleiht. Aber aller sprachlichen Menschheitskritik und literarischer Gattungs-Ironie zum Trotz ist Editta Braun’s „Artus“ Bildertheater. Ein wenig verwirrend erschließt sich dieses Stück nicht von selbst. Aber Kraft hat es. Genährt weniger durch Konzept, Sprache, Nacherzählen oder gar Neudenken des Stoffes, sondern durch das kreative Schmunzeln der Choreographin über sich selbst und die drei ungewöhnlich präsenten Akteure auf der Bühne.

Allen voran „Merlin“-Darsteller, Markus Kofler. Der Schauspieler ist nicht zum Tänzer ausgebildet aber seine verblüffend-sportliche Beweglichkeit und sprachlich klare Artikulation gepaart mit gestisch-witziger Verschlagenheit ergänzen sich ideal und verleiht Brauns Arbeit etwas Persiflierendes. Die Tänzer Viviana Escale und Tomaz Simatovic stehen kaum nach und beeindrucken vor allem in ihrem großen, maschinenartigen Duett mit kraftvoller Präzision.

Stilistisch gehört die neue Arbeit von Editta Braun zweifellos nicht zur Avantgarde im gegenwärtigen Tanztheater. Aber wieder einmal ist ihr ein atmosphärisch dichter Abend geglückt mit einem klein besetzten Stück, das seinen Weg zu größerem Publikum schon finden sollte.

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