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Menschen mit Behinderungen: Mit dem Rollstuhl in Wien unterwegs

Wie ergeht es Menschen, die in Wien im Rollstuhl unterwegs sind?
Wie ergeht es Menschen, die in Wien im Rollstuhl unterwegs sind? ©BilderBox.com (Sujet)
 Auch in Österreich bleiben für Menschen mit Behinderung so manche Türen verschlossen, da sie nicht barrierefrei zugänglich sind. Was es heißt, im Rollstuhl zu sitzen und in Wien unterwegs zu sein, konnten Journalisten bei einem Workshop der NGO "Licht für die Welt" erfahren.

15 Prozent der weltweiten Bevölkerung haben eine Behinderung, 80 Prozent der Betroffenen leben in Entwicklungsländern.

Bei dem Journalisten-Workshop konnten die Teilnehmer erleben, wie es ist, in Wien mit dem Rollstuhl unterwegs zu sein.

Besuch beim Juwelier ohne Rampe

Lediglich zwei Stufen hat die Stiege beim Eingang zum Schmuckgeschäft in der Meidlinger Hauptstraße. Für ungeübte Rollstuhlfahrer stellen diese wenigen Zentimeter eine unüberbrückbare Barriere da. Die Tür geht auf. “Wir haben leider keine Rampe. Kann ich ihnen etwas aus dem Geschäft holen?”, fragt die Verkäuferin.

Nun eilt auch die Geschäftsführerin heran. “Kann ich ihnen helfen?” Mit vereinten Kräften wird der Rollstuhl ins Geschäft gehoben beziehungsweise geschoben.

Drogeriemarkt-Regale schwer erreichbar

Szenewechsel in einen Drogeriemarkt. Der Eingangsbereich ist ebenerdig, zwischen den Regalen genug Platz für den Rollstuhl. Bis auf die Stellagen an der Wand sind alle Waren in den Regalen vom Rollstuhl aus greifbar.

“In der Mitte geht es gut. Aber an den Seiten bitten uns die Kunden, ihnen Waren runterzunehmen, beispielsweise vorne bei den Reinigungsmitteln”, schildert die Verkäuferin. Ebenfalls ebenerdig ist der Zugang zu einem Taschengeschäft. Der Besitzer verweist darauf, dass in diesem Geschäft ohnedies bedient wird, also die Verkäufer den Kunden die Taschen reichen. Mit dem Rollstuhl also kein Problem.

Einkaufen im Wiener Modegeschäft

“Wenn die Kundin es zulässt, helfen wir auch beim Anprobieren”, erklärt die Verkäuferin eines Modegeschäfts. “Wir wollen aber nicht zu aufdringlich sein und geben daher oft die Kleidung mit, damit die Kundin sie in Ruhe zu Hause probieren kann.” Unpassendes wird dann einfach später zurückgegeben.

Auch dieses Geschäft ist für Menschen im Rollstuhl gänzlich barrierefrei, ebenerdig zu befahren, die Kleidungsstücke leicht greifbar auf angenehmer Höhe drapiert.

Für den Rollstuhl unüberwindbare Barrieren

Doch immer wieder versperren einzelne Stufen Eingänge zu Geschäften in der Fußgängerzone in Meidling. Für geübte Rollstuhlfahrer kein Problem, für Journalisten, die den Selbstversuch wagen, quasi unüberbrückbare Barrieren. Doch lediglich ein kurzes Innehalten vor den Eingangstüren reicht aus, Angestellte herbeieilen zu lassen, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft überraschen.

Perspektive von Rollstuhlfahrern erleben

“Man zieht die Blicke auf sich”, so das Fazit der Redakteure nach rund einer Stunde aus der anderen Perspektive, mit geändertem Blickwinkel, immer von unten nach oben, nie auf einer räumlichen Ebene mit dem Gesprächspartner, sondern auf Augenhöhe mit den Bäuchen.

Wie umgehen mit Menschen mit Behinderungen?

Wie soll man richtig auf Menschen mit Behinderung reagieren? Helfen, hinschauen, nicht helfen, wegschauen? “Es gibt kein Patentrezept”, sagt Dorothea Brozek, Vorstandsmitglied von Licht für die Welt. Sie nutzt selbst einen E-Rollstuhl und in hohem Ausmaß persönliche Assistenz, ist Expertin für zeitgemäße Kommunikation und Umgang mit Vielfalt.

“Es empfindet jeder anders, wenn Sie glauben, dass jemand Hilfe braucht, fragen Sie nach”, lautet ihr Rat. Das ist besonders wichtig: “Immer fragen, nicht einfach zupacken.” Denn als Rollstuhlfahrer erlebe man “schon öfters – zwar gut gemeinte – aber dennoch Distanzlosigkeit”.

Mit dem Rollstuhl durch die Stadt

Bei der Selbsterfahrungsübung “mit dem Rollstuhl durch die Stadt” wird auch klar, welchen Stellenwert der Boden hat, auf dem normalerweise problemlos gegangen werden kann.

Als besondere Herausforderung stellt sich Kopfsteinpflaster dar, es rumpelt nur so. Nur etwa alle drei Jahre begibt sich Brozek zur Freyung in der Wiener Altstadt, dort ist der Boden gepflastert.

Unangenehme Rumpelpartie auf Kopfsteinpflaster

“Ich will, dass der Bürgermeister da drüber gefahren wird”, sagt sie. Denn es gäbe genügend Möglichkeiten, Böden so zu gestalten, dass sie auch für Rollstuhlfahrer befahrbar seien und nicht zur ständigen Rumpelpartie werden.

Brozek kritisierte auch, dass es kein bundesweites Gesetz für barrierefreies Bauen gibt. Dabei “wäre das so einfach”.

(apa/red)

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