Melanome: Wiener Therapie wirkt!

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Erstmals seit Jahrzehnten gibt es Hoffnung auf eine deutlich verbesserte Behandlungschance für Patienten mit fortgeschrittener Melanom-Erkrankung. Die Therapie kommt aus Wien!

Das ursprünglich an der Dermatologischen Universitätsklinik am Wiener AKH entwickelte Prinzip einer Kombination von Chemotherapie mit so genannten Antisense-Molekülen zeigt Wirkung.

„Die Ansprechrate auf die Chemotherapie lässt sich damit fast verdoppeln, die durchschnittliche Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung statistisch signifikant verlängern“, sagte jetzt der Leiter der Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Wiener Klinik, Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, gegenüber der APA. Eine entsprechende internationale Phase-III-Studie mit 771 Probanden und Beteiligung der Wiener Spezialisten wurde vor kurzem (16. Oktober) in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht.

Die Vorgeschichte: Seit Jahrzehnten gibt es außer der möglichst frühzeitigen und heilenden Operation mit Entfernung des Melanoms kaum eine Behandlungsalternative. Die etablierte Chemotherapie zeigt kaum Wirkung. „Dacarbazine ist die am häufigsten benutzte Behandlung für eine metastasierte Melanomerkrankung. Die Ansprechraten betrugen üblicherweise zwischen zehn und 20 Prozent, laut jüngeren Studien sind sie aber niedriger“, schrieben Pehamberger und die übrigen Autoren der neuen Studie.

Allerdings, ab Mitte der neunziger Jahre wurde an der Wiener Universitätsklinik von Dr. Burkhard Jansen, der mittlerweile seit Jahren für ein US-Biotech-Unternehmen tätig ist, gemeinsam mit dem Dermatologen ein neues Therapieprinzip entwickelt: Die zusätzliche Verabreichung von kurzen und nur 18-Basen langen RNA-Abschnitten gegen den Tumor-Überlebensfaktor bcl-2. Das Protein Bcl-2 macht die Melanomzellen resistent gegen Chemotherapeutika. Die Antisense-Moleküle legen diesen Mechanismus aber lahm.

Eine erste Phase-I/II-Studie an Patienten wurde im Jahr 2000 im „Lancet“ publiziert. Doch der Pharmakonzern Aventis stieg schließlich aus der Entwicklung der Therapie aus.

Trotzdem wurden die Arbeiten weiter geführt. Schließlich erfolgte zwischen Juli 2000 und Februar 2003 international – auch an der Wiener Universitäts-Hautklinik – die Aufnahme von 771 Patienten mit metastasierter Melanom-Erkrankung. 385 der Probanden bekamen ausschließlich Dacarbazine, 386 Erkrankten hingegen erhielten vor jedem Chemotherapiezyklus zusätzlich noch über fünf Tage hinweg Dauerinfusionen des Bcl-2-Antisense-Moleküls.

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