Mehr Schulabmeldungen in Österreich - aber nicht überall

In Österreich gilt keien Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht.
In Österreich gilt keien Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht. ©APA
In manchen Bundesländern wurden bereits jetzt schon mehr Kinder von der Schule abgemeldet als im Vorjahr. In anderen - wie etwa auch in Wien - halten sich die Abmeldungen im Rahmen.

Die Zahl der Schulabmeldungen steigt - aber zumindest vorerst nicht überall. In manchen Bundesländern haben sich die Abmeldungen bereits rund ein Monat vor dem Fristende verdoppelt, zeigt ein APA-Rundruf in den Bildungsdirektionen. In anderen ist dagegen zumindest vorerst kein Anstieg registriert worden. Die Zahlen sind noch nicht endgültig: Abmelden kann man sich bis zum ersten Schultag, umgekehrt kann die Schulbehörde auch beantragte Abmeldungen untersagen.

Keine Schulpflicht in Österreich

In Österreich gilt keine Schul-, sondern lediglich eine Unterrichtspflicht. Kinder können also auch häuslichen Unterricht oder eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht (diese haben selbst nicht das Recht zur Vergabe von Schulzeugnissen) besuchen. Das muss der jeweiligen Bildungsdirektion bis zum Beginn des jeweiligen Schuljahrs angezeigt werden. Diese kann den Hausunterricht dann untersagen, "wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die Gleichwertigkeit des Unterrichtes nicht gegeben ist".

Am Ende des Schuljahrs ist außerdem an einer "normalen" Schule eine Externistenprüfung über den Unterrichtsstoff zu absolvieren. Schafft man diese nicht, darf man sich im darauffolgenden Schuljahr nicht mehr abmelden, sondern muss die Schulstufe an einer Schule mit Öffentlichkeitsrecht wiederholen. Nicht abmelden dürfen sich außerdem Schüler, die eine Deutschförderklasse oder einen Deutschförderkurs besuchen müssen.

Mehr Abmeldungen in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark

In Oberösterreich wurden bis Ende Juli 2021 bereits 649 Abmeldungen zum häuslichen Unterricht registriert. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 299 Kinder und Jugendliche. Für die Zahl der Abmeldungen für Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht gab es keine aktuellen Zahlen

Ebenfalls drastisch fällt der Anstieg schon jetzt in der Steiermark aus: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Anträge für den häuslichen Unterricht um mehr als 80 Prozent erhöht, von 423 auf 775. Der Großteil der Abmeldungen wegen häuslichen Unterrichts betrifft Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Volksschulklassen inklusive Vorschulen. Für den Besuch einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht wurden aktuell 36 Kinder bei der Bildungsdirektion gemeldet, diese Zahl ist laut Bildungsdirektion konstant.

Auch in Salzburg haben Eltern heuer bisher fast doppelt so viele Kinder vom Schulunterricht abgemeldet wie in den vergangenen Jahren. Das Bildungsressort des Landes nannte am Freitag eine Zahl von 240 Schülerinnen und Schüler, die zum häuslichen Unterricht angemeldet wurden. Im Schuljahr 2020/21 waren es 116, im Schuljahr 2019/20 89 gewesen. Was Anmeldungen an Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht betrifft, liegen keine Zahlen vor. Laut Bildungsdirektion spielen diese zahlenmäßig aber keinerlei Rolle.

Schulabmeldungen auch in Tirol und Niederösterreich gestiegen

In Tirol gibt es ebenfalls deutlich mehr Abmeldungen: Nach 233 Anmeldungen für den häuslichen Unterricht im Schuljahr 2020/21 sind es für das kommende Schuljahr bis dato 424. Ab Herbst wird es in Tirol zudem zwei Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht geben. Für diese Schule sind derzeit insgesamt 75 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

In Niederösterreich hat es nach Angaben der Bildungsdirektion für das Schuljahr 2021/22 bisher etwa 1.100 Abmeldungen in den häuslichen Unterricht gegeben, 2020/21 waren es noch rund 820. Für den Besuch von Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht wurden "bis jetzt 187" Kinder gemeldet, im Vorjahr waren es 251.

Kein bzw. nur ein geringfügiger Anstieg wird derzeit aus den anderen Bundesländern gemeldet, aus dem Burgenland liegen vorerst noch keine Zahlen vor.

Kein Anstieg in Kärnten, Vorarlberg und Wien

In Kärnten wurden bisher rund 200 Kinder von ihren Eltern vom Schulunterricht abgemeldet, das sind um rund 20 mehr als im Jahr davor. Wie viele davon daheim unterrichtet werden und wie viele Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht besuchen, ist nicht erfasst.

In Vorarlberg wirkt sich die Corona-Pandemie praktisch nicht auf die Anzahl der Abmeldungen vom Schulbesuch aus. Aktuell wurden für das beginnende Schuljahr 93 Kinder zum häuslichen Unterricht registriert, in den Vorjahren waren es 116 (Schuljahr 2020/21) bzw. 95 (2019/20) gewesen. Zwar könne bis Ferienende noch die eine oder andere Abmeldung hinzukommen, einen Anstieg gegenüber dem vorigen Schuljahr erwarte man aber nicht, hieß es auf APA-Anfrage aus der Bildungsdirektion. Hinsichtlich der Abmeldungen zum Besuch einer Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht gab es keine konkreten Zahlen. Es handle sich dabei aber um nur "ganz, ganz wenige Kinder", die Anzahl habe sich gegen den Vorjahren praktisch nicht verändert.

Auch in Wien wurde bisher kein Anstieg registriert - rund 190 Kinder wurden bisher abgemeldet. Das entspricht in etwa den Vorjahren. Allerdings wachse diese Zahl erfahrungsgemäß gegen Ende der Ferien noch einmal an.

(APA/red)

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