Megadeth machten Druck

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Die Welt ist ungerecht. Während Metallica kommende Woche in Wien vor großer Kulisse am Rotundenplatz aufspielen dürfen, rackerten sich Megadeth Donnerstagabend in der kuscheligen Arena ab.

Deren Frontmann Dave Mustaine war nicht unwesentlich beteiligt bei der Gründung der nun größten Bay-Area-Thrasher seit es Heavy Metal gibt – bis man schon früh getrennte Wege ging. Der Weg in den kleinen Rahmen machte allerdings nichts aus, die Rückkehr zur Basis tat eher gut.

Es war der Abend, an dem Klischees widerlegt wurden. Erstens: Echte Metal-Fans, so sah man es nach dem Konzert, warten, bis es Grün wird, bevor sie die Straße überqueren. Und zweitens: Dave Mustaine kann lachen, etwa wenn er Sachen wie „It’s fucking great to be here“ sagt. Viel mehr Worte an das Publikum wurden allerdings nicht verschwendet, die wurden wesentlich bedeutungsvoller in die Songs gepackt. Etwa bei „Washington Is Next“ – ganz klar, dass es sich hierbei um keine Liebeserklärung an George W. Bush handelt. Und auch sonst war viel vom gelungenen und sehr politischen neuen Album „United Abominations“ (Edel Records) zu hören.

Echte Fans – und auch nur die waren gekommen und hatten für eine ausverkaufte Arena gesorgt – brauchten aber nicht zu zittern. Zwar war bereits jede Textzeile des neuen Albums verinnerlicht, und doch ging es um die Klassiker, von denen mittlerweile einige mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben. „Peace Sells“ war ebenso zu hören wie „Hangar 18“, „A Tout le Monde“ genauso wie als Zugabe „Holy Wars“. Dazu braucht es nicht viel, um die Stimmung kochen zu lassen: Eine schlichte Bühne, ein paar Lichtspielereien und vier headbangende Relikte.

Man merkte nur selten, dass Mustaine mit einer komplett ausgewechselten Band unterwegs war. So erreichte Bassist James LoMenzo nicht ganz den knackigen treibenden Sound von David Ellefson. Dafür turnte der Neuling umso mehr auf der kleinen Bühne herum: Die geballte Faust gegen den Himmel gerichtet, eine Mähne bis zum Gesäß und Schweißbänder um die Handgelenke – wo gibt es das noch… Gitarrist Glen Drover und Schlagzeuger Shawn Drover sorgten ebenfalls für solides Handwerk.

Und während sich Hetfield und Co. Sorgen um ihre plötzliche Verarmung durch Missbrauch von Internet-Tauschbörsen machen, oder darüber, wer der nächste Band-Therapeut sein könnte, senden ihre kleineren Ableger Friedensbotschaften und Globalisierungs-Kritik in die Welt. Denn gegen Megadeth sind Bono und Sting zynische kriegsverherrlichende Kapitalisten. Dem Publikum war das wohl eher egal, das Gastspiel war laut, druckvoll und kompakt. Und Arenen könnten Megadeth nach wie vor füllen.

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