Medizin-Uni Wien: Frauen schneiden auch bei Großprüfung schlechter ab

Frauen schneiden an der Medizin-Universität Wien (MUW) nicht nur beim Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) schlechter ab, sondern auch bei der so genannten summativ-integrativen Prüfung (SIP-1) am Ende des ersten Studienjahrs.

Grund für die schlechteren Resultate der Frauen bei dieser Großprüfung dürfte der Umstand sein, dass Männer “strategischer” lernen, heißt es in einer in der “Wiener Klinischen Wochenschrift” erschienenen Studie: Den Männern gelingt es besser, die spezifischen Anforderungen der SIP-1 zu durchschauen – nämlich dass “ein den großen Stoffmengen und der Prüfungsmethode entsprechendes oberflächliches Lernen Erfolg versprechender ist als ein auf Verstehen ausgerichtetes und Zusammenhänge herstellendes”.

Die SIP-1 wird am Ende des ersten Studienjahrs abgehalten und entscheidet über den Aufstieg in den zweiten Studienabschnitt. Bei allen vier für die Studie untersuchten Prüfungszeitpunkten (2003-2006) waren die Erfolgsquoten der Männer höher als jene der Frauen. Für die Studie noch nicht berücksichtigt wurde allerdings die Situation nach Einführung des EMS im Jahr 2006, mit dem bereits vor Studienbeginn Kandidaten ausgesiebt werden und bei dem Frauen ebenfalls schon schlechter abschneiden. Derzeit sei dazu eine weitere Untersuchung in Vorbereitung, so Lukas Mitterauer (Uni Wien), einer der Studienautoren, gegenüber der APA. Die beiden Tests untersuchen aber voneinander unabhängige Faktoren: während der EMS eine Art “Intelligenztest” ist, ist die SIP-1 eine Wissensprüfung über rund 8.000 Seiten des gesamten Studienjahrs.

Die Konzeption der Prüfung entspricht laut Mitterauer eher dem Lernverhalten von Männern als jenem der Frauen. Die noch in der Schule erfolgreiche Strategie des “Lernens auf Verstehen” sei für die SIP-1 ungeeignet: “Wer bei der SIP auf Verstehen lernt, hat schon verloren.” Dafür sei der Stoff viel zu umfangreich.

Die Studienautoren (neben Mitterauer der Sozialmediziner Gerald Haidinger, Oskar Frischenschlager vom Institut für Medizinische Psychologie der MUW und die Diplomandin Evelyne Rimroth) der MUW werfen daher die Frage auf, ob dieses Lernverhalten von der Curriculumsplanung gewollt ist. Man vermute, dass es “sich um einen unerwünschten Nebeneffekt handelt”, der nur “kleiner Adaptierungen” bedarf. So wird etwa vorgeschlagen, die Gesamtprüfung auf mehrere Teilprüfungen aufzuteilen, “da wir vermuten, dass dies dem weiblichen Lernverhalten besser entspricht”. Dies zeige auch etwa die Situation an der Medizin-Uni Graz, wo es diese Teilprüfungen gibt und der Geschlechterunterschied nicht signifikant ist, während eine ähnliche Großprüfung an der Veterinärmedizinischen Universität ebenfalls geringere Bestehensraten bei Frauen zur Folge hat.

Weiters sehen die Autoren einen Widerspruch zwischen dem “fächerintegrativen Anspruch des Curriculums und unseren Ergebnissen, wonach ein auf Zusammenhänge und Querverbindungen sowie auf Verstehen ausgerichtetes Lernen nicht erfolgsträchtig ist”. Als Lösung empfehlen sie eine “Reduktion des Stoffumfangs bei gleichzeitig stärkerer Integration der Themenbereiche”.

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