Medizin-Aufnahmetests: Auswahlverfahren umstritten

Für die Zulassung zum Medizin-Studium wird seit 2006 in Wien und Innsbruck der in der Schweiz entwickelte Eignungstest für das Medizin-Studium (EMS) eingesetzt, der innerhalb von rund sechs Stunden Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen etc. abfragt.

In Graz müssen sich die Studienwerber dagegen einem dreistündigen Wissenstest stellen.

Für Kritik an den Aufnahmeverfahren sorgte zuletzt der Umstand, dass Frauen durchgehend schlechtere Ergebnisse als Männer erzielten – das galt sowohl für den EMS als auch für den Wissenstest. In Wien betrug 2007 der Frauenanteil unter den angetretenen EMS-Kandidaten 56,6 Prozent, unter den erfolgreichen Bewerbern aber nur mehr 41,5 Prozent. In Innsbruck waren 56,7 Prozent der Kandidaten Frauen, der Frauenanteil unter den erfolgreichen Teilnehmern betrug aber nur mehr 48,8 Prozent. Ähnlich war die Situation in Graz: Dort stellten die Frauen 58,4 Prozent der Teilnehmer, aber nur 48,5 Prozent der erfolgreichen Kandidaten.

Als Erklärung nannte eine Studie die “Bildungssozialisation” durch die Erziehung der Eltern und die Schule. Demnach bewerten etwa die Lehrer in den Schulen Mädchen und Burschen nach unterschiedlichen Kriterien: Mädchen würden etwa für Fleiß und Anpassung mehr gelobt als Burschen, die Knaben dagegen in Mathe und Naturwissenschaften mehr gefordert. Außerdem würde den Mädchen häufiger vermittelt, dass Mathematik für sie nicht berufsrelevant sei. Folge: Mädchen unterschätzen ihr Potenzial in diesem Bereich und haben geringere Erfolgserwartungen, was sich in geringerem Interesse, weniger “Investment” und schließlich in schlechterer Leistung niederschlägt. Empfohlen wurde aber auch eine Überarbeitung der Tests sowie deren Ergänzung durch Alternativen zu “reinen” Testverfahren wie etwa Self Assessments.

Für heuer gibt es aber beim EMS keine Änderungen. In Graz werden dagegen die Testanteile der Physik- und Chemie-Aufgaben, wo Frauen besonders schlecht abgeschnitten haben, zugunsten der Biologie zurückgefahren.

Grund für die Einführung der Aufnahmeverfahren war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das die österreichische Uni-Zugangsregelung im Jahr 2005 aufhob, und der darauf folgende starke Andrang von deutschen Studienwerbern vor allem im Medizin-Studium. In der Folge wurde eine Beschränkung der Plätze erlaubt und eine “Quotenregelung” für das Medizin-Studium beschlossen: Demnach stehen 75 Prozent der Studienplätze Bewerbern mit österreichischem Maturazeugnis zur Verfügung, 20 Prozent für solche aus anderen EU-Ländern und fünf Prozent aus anderen Staaten – durch den Test werden die jeweils bestgereihten Kandidaten für die insgesamt 1.500 Anfänger-Studienplätze ermittelt.

Von allen Angetretenen schafft die Aufnahme in Wien und Innsbruck ca. jeder Dritte, in Graz sind es ungefähr die Hälfte.

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