Medienmacher Stefan Aust: "Wir handeln nicht mit Holz"

Stefan Aust bei den Wiener Medientagen: "Informations-Tsunami"
Stefan Aust bei den Wiener Medientagen: "Informations-Tsunami" ©APA
Bei den Medientagen, die derzeit im Rahmen der Medienmesse in Wien stattfinden, geht es diesmal nicht nur um Richtungen und Ansätze, sondern - angesichts der Wirtschaftskrise - gleich ans Eingemachte: Wie und in welchen Strukturen werden Medien überleben? Stefan Aust, eine der größten Nummern in der Branche, gab am Donnerstag Denkanstöße.
Bilder: Medientage und Medienmesse 2009
Medienmesse 09: Online im Mittelpunkt

(Nicht nur) der zweite Tag bei den Österreichischen Medientagen war den einschneidenden Änderungen gewidmet, die der Branche zu schaffen machen: Fusionen, Rationalisierungen, dramatische Sparmaßnahmen einerseits – sinkende Anzeigenerlöse und der Versuch des Spagats zwischen Print und Online unter einem Markendach andererseits.

Dass vor allem die Finanzierung von Online-Plattformen – nicht erst seit Zeiten der Krise – schwierig ist, weiß einer, der das Geschäft von allen Seiten kennen gelernt hat: Stefan Aust. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur machte aus Spiegel-TV eine Benchmark und den Spiegel-Online zur erfolgreichsten News-Plattform in Deutschland.

Der “Absturz des Werbemarktes” habe den Medien gehörig zugesetzt. “Kürzungen im redaktionellen Bereich, Auslagerungen – warum soll es den Journalisten besser gehen, als den Automobilarbeitern, über die sie schreiben”, sagt Aust. Es sei klar, dass Verlage schwarze Zahlen schreiben müssen, sonst sei deren gesamte Operation gefährdet. Um die Zukunft der Printbranche abzusichern, seien kreative Ideen gefordert. “Keine Frage, es ist das Internet, dem die Zukunft gehört. Das bedeutet aber nicht, dass damit Printprojekte überflüssig werden.”

Klar sei, dass die Karten derzeit neu verteilt werden. Bedenken ließ Aust über die Strategie der kostenlosen Inhalte-Aufbereitung anklingen. Viele Tageszeitungen seien dazu übergegangen, ihre Inhalte gratis via Internet anzubieten, oft noch bevor die Druckmaschinen zu laufen begonnen haben. “Ob das die richtige Strategie oder Selbstmord aus Angst vor dem Tod ist, wird sich herausstellen. Wenn Zeitungen, die ihre Inhalte kostenlos anbieten, Pleite gehen, wird es danach keine kostenlosen Informationen im Internet mehr geben”, sagte Aust.

Bisher seien es die Zeitschriften, die allen Neuentwicklungen und allen Krisen zum Trotz immer noch Geld verdienen. “Informationsangebote im Internet sind eine schöne moderne Idee. Die Finanzierung ist aber immer noch sehr schwierig. Wir handeln nicht mit Holz, sondern mit Informationen. Welche davon auf welchem Wege zum Leser kommt, ist eine praktiche, nicht eine ideologische Frage”, so Aust.

Kritik übte der Ex-“Spiegel”-Chefredakteur, der derzeit die deutsche WAZ-Gruppe bei Zeitschriftenprojekten berät, an den falschen und trivialen Inhalten, die übers Internet verbreitet werden. Aust sprach von einem “Informations-Tsunami”. Hier liege aber auch eine Chance für den Journalismus – gerade in der gegenwärtigen Weltkrise. “Die Themen liegen auf der Straße. Es ist die Zeit der Recherche und der Enthüllungen.”

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