Medienlandschaft für Armin Thurnher ein Albtraum

Kritik an der österreichischen Medienlandschaft hat derzeit Hochsaison. Am Freitagabend war es "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher, der im Rahmen der Wiener Karl Kraus Vorlesung ernüchternde Bilanz über den Zustand der Medien zog: "Das Alpenland ein Albtraum".

“Die Krise der Medien in westlichen Gesellschaften besteht in einer Krise ihrer Funktion. Die Kommerzialisierung hat die Qualitätsmedien in die Krise getrieben”, resümiert Thurnher in seinem Vortrag.

Als problematisch bezeichnet der Herausgeber der Wochenzeitung “Falter” den “Zeitdruck der Rund-um-die-Uhr-Aktualität”. Verleger, “die sich mit ihren Newsrooms brüsten, in denen multifunktionale Redaktionsarbeiter ins Hamsterrad treten”, hätten an Qualität kein Interesse, glaubt Thurnher. Der Boulevard sei in Österreich übermächtig und die wenigen Qualitätsmedien haben zwar vergleichsweise hohe Marktanteile, seien aber gesellschaftspolitisch bedeutungslos. Den Privatfunk bezeichnete er als “wirtschaftlich und politisch bedeutungslos” und der ORF liege “fest an der Leine politischer Kontrolle”.

In gewissen Medien habe beim Anzeigengeschäft die Praxis der Erpressung Einzug gehalten: Will heißen Anzeigen gegen positive Berichterstattung beziehungsweise bei Androhung negativer Berichterstattung. Verschärft werde die Situation durch schlechtgemachte Medienpolitik und das Fehlen eines Presserats als Kontrollinstanz.

Einen Ausweg aus der Misere ortet Thurnher beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: “In Österreichs verhunzter Printmedienlandschaft hat der ORF die Aufgabe, das fehlende Qualitätsmedium zu substituieren.” Er müsse “sich und seinen Auftrag öffentlich artikulieren und diskutierend weiterentwickeln” und er müsste “von der Politik ständig seine Unabhängigkeit fordern”. Mit all dem müsse er “öffentlich sichtbar machen, worin die Aufgabe von Medien besteht. Tut er es nicht, betreibt er Selbstaufgabe.”

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