Medienkrieg im Libanon auf Höhepunkt

Im Libanon steuert der Medienkrieg zwischen der antisyrischen Regierungskoalition und dem schiitisch-christlichen Oppositionsbündnis auf einen neuen Höhepunkt zu.

Für die Anhänger des vom Westen unterstützten sunnitischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora sind die radikale Schiitenbewegung Hisbollah und ihre Bündnispartner, darunter die christliche „Freie Patriotische Bewegung“ von Ex-Armeechef General Michel Aoun, „Putschisten“. Die Opposition nennt ihrerseits die Rumpfregierung „Befehlsempfängerin der US-Botschaft“.

Als “Überbleibsel“ der syrischen Vormundschaft beschimpfen die Siniora-nahen Medien den Staatspräsidenten Emile Lahoud, während die Oppositionssender den Regierungschef nur den „Gefangenen im Grand Serail“ nennen. („Grand Serail“ ist der Name des von den Demonstranten belagerten Regierungspalastes).

„Wir schwören im Namen unserer Märtyrer, dass ihr nicht mehr in den Libanon zurückkommt!“, hämmert der Fernsehsender Future-TV an die Adresse der Syrer. Der Sender befindet sich im Besitz der Familie des Chefs der Mehrheitskoalition „Block der Zukunft“, Saad Hariri, des Sohnes des im Februar 2005 ermordeten Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri, für dessen Tod die syrischen Geheimdienste verantwortlich gemacht werden.

Der Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar strahlt ununterbrochen Bilder von den Massendemonstrationen in Beirut aus. Seit mehr als zwei Wochen fordern Hunderttausende auf Kundgebungen in der Hauptstadt die Demission Sinioras, dessen Kabinett seit dem kollektiven Rücktritt der schiitischen Minister und eines prosyrischen Christen verfassungsmäßig blockiert ist. Der Rumpfregierung wird auch von General Aoun Korruption vorgeworfen.

„Klinisch tote Regierung“, „Illegitime Regierung unter amerikanischer Bluttransfusion“ skandieren die oppositionellen Sender. Jene des Regierungslagers richten wiederum scharfe Angriffe gegen die „Putschisten im Solde des syrisch-iranischen Gespanns“ und sprechen von einer „Diktatur der Minderheit“, die es abzuwehren gelte.

Gleichzeitig haben die verfeindeten Medien begonnen, sich gegenseitig das Schüren konfessioneller Zwistigkeiten anzukreiden. Der Sunniten-Sender Future-TV zeigt in regelmäßigen Abständen ein Video, auf dem Hisbollah-Mitglieder die rot-weiß-rote Nationalflagge mit der grünen Zeder im weißen Mittelfeld durch die gelbe Parteifahne ersetzen. Al-Manar revanchiert sich mit Bildern von Hariri-Anhängern, die sich an schiitischen Demonstranten vergreifen.

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