Mattle: Weiterkämpfen vor möglichem Niederschlag bei Tirol-Wahl

Anton Mattle kämpft vor der Tirol-Wahl weiter.
Anton Mattle kämpft vor der Tirol-Wahl weiter. ©APA/EXPA/JOHANN GRODER (Symbolbild)
Tirols ÖVP-Obmann und Spitzenkandidat Anton Mattle kämpft weiter, trotz einem möglichen Niederschlag bei der Tirol-Wahl.

Anton Mattle kämpft einen Kampf, von dem viele sagen, dass er ihn nicht mehr "gewinnen" kann. Die Landespartei befindet sich mit dem Rücken zur Wand, Umfragen prophezeien einen tiefen Fall, nur die Härte des Aufschlags scheint noch offen. Mattle tourt unverdrossen. Nach außen prallt vieles ab, doch er weiß: Die Luft kann sehr dünn werden.

Mattle kämpft vor der Tirol-Wahl weiter

"Die FAFGA" - die Fachmesse für Gastronomie, Hotel und Design. Nach zwei Jahren coronabedingter Pause steigt sie wieder, in der Messe Innsbruck. Die Besucher strömen in die Halle, an diesem Montagvormittag, darunter viele bekannte Gesichter, eine Art "Who is Who" der Tiroler Wirtschaft und Politik. "Der Toni" ist noch nicht da. Mattle hat noch ein "Duell" bei "Tirol live" zu absolvieren, dem Online-Talk der "Tiroler Tageszeitung". Gegen SPÖ-Chef Georg Dornauer. Treffen sich hier die beiden künftigen Regierungspartner?

Anton Mattle wirkt angespannt

Nun kommen sie quasi zeitgleich verspätet bei der Messe an. Der "Toni" und der "Schorsch". Ersterer "parkt" seinen Wahlkampfbus am gegenüberliegenden Straßenrand. Der Bus, mit dem er seit dem 3. September durch ganz Tirol unterwegs ist. Um zu retten, was noch zu retten ist. Mattle wirkt etwas angespannt. Druck, das Hetzen von einem Termin zum nächsten. Dornauer packt hingegen ein breites Lächeln aus. Der Schalk sitzt ihm stets im Nacken, ein flotter Spruch jederzeit auf den Lippen. Er steht zwar auch unter Druck, aber in Vergleich zur Mattle-Situation hat er derzeit ein relativ sorgenfreies, politisches Leben. Er hat nicht so viel zu verlieren. Er ist SPÖ-Chef in Tirol. Er darf nur kein Minus vor dem Ergebnis haben und nicht auf dem Stand treten. Aber die Erwartungen wachsen nicht in den Himmel.

Schwarzer Spitzenkandidat ist guter Wahlkämpfer

"Griaß di", "Griaß di", "Griaß di" - so geht es unentwegt. Man kennt sich hier, aber man hat das Gefühl, Mattle würde auch in einer ihm unbekannteren Gesellschaft "Griaß di" sagen. Man ist in Tirol. Da läuft es meistens ziemlich unkompliziert und jovial in der persönlichen Begegnung. Auf den ersten Blick: Der schwarze Spitzenkandidat ist ein guter Wahlkämpfer. Er hat eine lockere Art, ins Gespräch kommt man mit ihm leicht und er mit den Menschen. Er ist auch geübt. Seit Jahrzehnten ist der Wirtschaftslandesrat in der Politik. Und fuhr fulminante Ergebnisse ein. Auf regionaler und lokaler Ebene. Im Oberland. Nun dreht er am großen Rad. Und läuft Gefahr, unter die Räder zu kommen.

Große Bandbreite bei Tirol-Wahl

Mattle bahnt sich den Weg durch die Messestände, vorbei an den Ausstellern. Vorbei an Weinregalen und Zapfsäulen. Und immer wieder ein Stehenbleiben. "Griaß di, wie gehts?". "Wia gehts Toni?", schallt es öfters zurück. "Wie geht sie aus, die Wahl?", meint ein Unternehmer. "Mal schaun, wird spannend. Die Bandbreite ist groß. Von 25 bis 39 Prozent", antwortet Mattle wie aus der Pistole geschossen. Bei der letzten Wahl 2018 hatte die Tiroler ÖVP bzw. Noch-Landeshauptmann Günther Platter 44,26 Prozent eingefahren. Lang, lang ist's her. Dann kam Corona und vieles mehr. Eine andere Zeit. Nun kämpft man gegen den Abstieg. Allenthalben ist zu lesen von "Zeitenwende", "Debakel", dem Ende einer jahrzehntelangen Dominanz. Wahrscheinlich ist Mattle einfach nur zu spät gekommen.

Mattle wird mit Aufmunterung konfrontiert

Hier ist all das Unbill, all das, was das schwarze Tiroler Leben so schwer macht, weit weg. Hier, auf der "FAFGA", würde Mattle wohl eine absolute Mehrheit einfahren. Hier ist man noch wer als Tiroler ÖVP-Grande. Mit offenem Unmut wird der Spitzenkandidat nicht konfrontiert, eher mit Aufmunterung und Durchhalteparolen. Sogar ein "christlicher Unterstützungsbrief" wird ihm überreicht. Ein (schwarzes) Wohlfühlbad.

Andere Parteigranden vor Ort

Auch andere Parteigranden schwirren herum. Wirtschaftsbundchef Franz Hörl, Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, der Touristiker und Landtagsabgeordnete Mario Gerber, der als ein kommender Mann gehandelt wird. Alle immer in relativer Nähe "vom Toni". Am Wahltag und danach wird es wahrscheinlich viel zu beraten geben. Auch über den Toni.

Eine Volksmusikgruppe spielt Typisches. Eine Art Holzhütte ist aufgebaut, die an eine frühere Musikantenstadl-Kulisse erinnert, die Reihen füllen sich mit den "Honoratioren". Mattle hält eine kurze Rede, als Wirtschaftslandesrat, wie immer fast durchgängig frei. Es ist eine Mut-Rede. Oder eine Durchhalte-Rede. Tirol, das Land mit der geringen Arbeitslosigkeit, dem Höchststand an unselbstständig Beschäftigten. Den anwesenden Unternehmern attestiert er "Visionen" und Anpack-Mentalität, die es derzeit umso mehr brauche. Es wirkt fast so, als wolle er sich auch selber Kraft zureden.

Stimmung Mattles durchaus positiv

Dann gehts wieder weiter, mit kleinem Tross aus Pressesprecherin und Social Media-Beauftragter. Zwischenaufenthalte und Gespräche mit Unternehmer dort, Posieren für Fotos da. Erkundigen nach dem Wohlergehen des Unternehmens, nach Bilanzzahlen. An einem Stand für Mountainbikes ist Mattle, früherer Bürgermeister von Galtür und Ex-Inhaber eines Elektro-Fachgeschäftes, in seinem Element, erzählt begeistert vom Sport im Freien, von der Wichtigkeit der guten Rad-Pflege, die er vor allem auch bei den Tirol-Urlaubern beobachte. Mattles Augen fangen Feuer. Einmal über etwas anderes reden, den Alltag, die Freizeit, das normale Leben.

Dann gehts hinaus aus der Messe. Die Stimmung ist "durchaus positiv", die Menschen würden ihm im Wahlkampf nicht ausweichen, meint Mattle. Macht so ein Wahlkampf Spaß? "Wenn es eine kurze, kompakte Einheit ist, macht es Spaß. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man es fünf oder sechs Monate lang aushält." Wird es den Anton Mattle am Montag nach der Wahl an der Spitze der Tiroler Politik und der ÖVP noch geben? "Genau so ist es", sagt er. Und eilt davon. In eine ungewisse Zukunft. Und in den Wahlkampfbus mit der Aufschrift "Geradeaus.

(APA/Red)

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