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Mathematik-Matura nachgeschmissen? Zentralmatura soll 2019 leichter werden

Am 8. Mai 2019 findet die Mathematik Zentralmatura statt.
Am 8. Mai 2019 findet die Mathematik Zentralmatura statt. ©APA/Hans Klaus Techt
Am 8. Mai findet die nächste Mathematik-Zentralmatura statt. Nach den vielen negativen Ergebnissen 2018 stehen nun einige Änderungen an.

Bei der Mathematik-Zentralmatura soll es bereits ab dem nächsten Haupttermin am 8. Mai kürzere und verständlichere Angabentexte, Erleichterungen bei der Punktvergabe sowie an den AHS mehr Zeit für die Grundlagenaufgaben und im Notenschlüssel einen zusätzlichen Weg zum Vierer geben. Diese Änderungen hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.

Auslöser für die Maßnahmen waren die Matura-Ergebnisse des letzten Haupttermins im Mai 2018: Damals scheiterten an den AHS rund 22 Prozent an den schriftlichen Klausuren, an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) waren es 19 Prozent. Faßmann schickte daraufhin den ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz auf eine “Zuhörtour” in die Bundesländer, um Verbesserungsvorschläge zu sammeln.

Mathematik-Zentralmatura: Änderungen bei der Punktevergabe

Ergebnis: Formal soll es etwa die Möglichkeit geben, bestimmte Aufgaben nicht nur mit null oder einem Punkt zu bewerten, sondern auch mit einem halben. Das gilt auch bei Multiple-Choice-Aufgaben, die bisher für den Erhalt des Punkts vollständig korrekt gelöst werden mussten. Künftig soll es bei nur teilweise richtiger Lösung auch einen halben Punkt geben können.

An den AHS bestand die Mathe-Matura bisher aus zwei getrennten Blöcken: Zunächst musste der zweistündige Grundlagenteil (24 Punkte) gelöst und abgegeben werden, anschließend der zweieinhalbstündige zweite Teil mit anspruchsvolleren Aufgaben (ebenfalls 24 Punkte). Für einen Vierer waren 16 Punkte im Grundlagenteil nötig, wobei im zweiten Teil dafür noch vereinzelt “Bonuspunkte” zur Erreichung der 16 Punkte gesammelt werden konnten. Künftig werden beide Aufgabenteile miteinander ausgeteilt und können die vollen viereinhalb Stunden bearbeitet werden. Für einen Vierer reichen entweder die bisherigen 16 Punkte (plus Bonuspunkte aus dem zweiten Teil) im Grundlagenteil oder – neu – insgesamt 24 Punkte aus beiden Teilen.

Zentralmatura
Zentralmatura ©APA

Haupttermin am 8. Mai: Erklärungen zählen nicht zur Arbeitszeit

Ganz generell sollen sowohl die Erläuterungen als auch die Angaben kürzer und verständlicher werden. Dazu kommt, dass am Beginn der Matura ein Fachlehrer anwesend sein soll: “Am besten der Klassenlehrer”, so Faßmann. Scholz stellt sich dafür vor, dass der Lehrer am Beginn der Klausur mit den Schülern die Aufgaben auf ihre Vollständigkeit und Leserlichkeit durchgehen soll und etwa – ohne konkrete Lösungstipps- Hinweise wie “Das haben wir in der sechsten Klasse gemacht” geben kann. Erst nach dieser Einleitung solle die Arbeitszeit starten.

Mit den diesjährigen Änderungen sollen die “Reflexionen” über die Mathe-Matura aber nicht abgeschlossen sein, versprachen sowohl Faßmann als auch Scholz. Beide wunderten sich über die unterschiedlichen Noten in den einzelnen Fächern. “Warum gibt es immer nur einige Fünfer in Deutsch oder Englisch, aber so viele in der Mathematik?”, so Scholz. In einem nächsten Schritt soll es zu einer Überarbeitung des Prüfungsstoffs kommen und die Fortbildung besser auf die Bedürfnisse der Lehrer zugeschnitten werden.

Zentralmatura: Nicht die erste Änderung bei Mathe

Die nunmehrigen Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura sind nicht die ersten in der Geschichte der sogenannten “Standardisierten Reife- und Diplomprüfung”. Bereits nach den ersten Testläufen wurde an einigen Rädchen gedreht.Kurz vor der ersten österreichweiten Zentralmatura an den AHS hatten aufgrund angeblich mangelhafter Vorbereitung Elternvertreter mit Klagen und Schülervertreter mit einem Streik gedroht. Im Dezember 2013 kam es dann zu einem Kompromiss. In der Mathematik wurde sogar die Grundkonstruktion etwas geändert.

Ursprüngliche Mathematik-Matura: Strikt in zwei Teile geliedert

Die Mathe-Matura an der AHS sollte ursprünglich strikt in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil sollten nur die Grundkompetenzen abgefragt werden, im zweiten Teil vertiefendes Wissen in komplexeren Aufgaben. Für ein “Genügend” sollte man – unabhängig vom zweiten Teil – zwei Drittel der Punkte (16 von 24) im ersten Teil brauchen. Nach Verhandlungen kam man den Schülervertretern entgegen: In den zweiten Teil (ebenfalls 24 Punkte) wurden ebenfalls vereinzelt Grundkompetenz-Beispiele eingebaut, bei denen “Bonus- bzw. Kompensationspunkte” gesammelt werden können. Diese werden seither für den ersten Teil angerechnet und können so vor einem “Nicht Genügend” bewahren.

Änderungen: Neuer Weg zum Vierer

Künftig gibt es noch einen weiteren Weg zum Vierer: Positiv sind Schüler auch dann, wenn sie zwar selbst inklusive der Bonuspunkte die 16 Punkte im Grundteil verfehlen, aber insgesamt (also inklusive Teil 2) 24 Punkte erreichen.

2013 ebenfalls festgehalten wurde eine Art “Im Zweifel für den Schüler”-Regelung: Seither wird in den Bewertungsvorgaben darauf hingewiesen, dass Aufgaben auch dann als korrekt gelöst zu werten sind, “wenn bei korrektem Ansatz das Ergebnis aufgrund eines Rechenfehlers nicht richtig ist”. Auch bei einer fehlenden Maßeinheit ist der Punkt grundsätzlich trotzdem zu geben.

Künftig geht man noch weiter: Es ist auch die Vergabe von halben Punkten möglich – etwa bei Multiple-Choice-Aufgaben, die nicht vollständig korrekt gelöst wurden (etwa weil nur drei von vier Aussagen richtig zugeordnet wurden). Bisher war hier der Punkt nur dann zu vergeben, wenn alle Kreuze richtig gesetzt wurden.

Änderungen bei Zentralmatura: Bundesschulsprecher zufrieden

Zufrieden mit den Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura zeigt sich Bundesschulsprecher Timo Steyer. “Besonders die bessere Textverständlichkeit, die Veränderung der Punktevergabe und die Flexibilisierung des Zeitmanagements bewirken eine echte Verbesserung für die Schülerinnen und Schüler”, so Steyer in einer Aussendung. Dazu habe man wesentlich beigetragen.”Durch diese Veränderungen haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, bei der Matura ihr Können unter Beweis zu stellen”, meinte der aus der VP-nahen Schülerunion stammende Bundesschulsprecher. “Denn jetzt werden sie nicht mehr blockiert von unverständlichen Aufgabenstellungen und Co.”

(APA/Red)

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