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Martas Koffer - Trailer und Kritik zum Film

Allein die Statistik spricht Bände: Zwischen 2001 und 2011 wurden in Österreich 63.470 Betretungsverbote nach häuslicher Gewalt gegen Frauen ausgesprochen. Die Gewaltschutzstellen des Landes haben in diesem Zeitraum 120.000 Personen unterstützt.

Im vergangenen Jahr wurden immerhin 17 Tötungsdelikte verzeichnet. Dass die Zahlen in anderen Ländern nicht besser sind, geht aus Günter Schwaigers Dokumentarfilm “Martas Koffer” ebenso hervor wie die Brutalität und das Gewaltausmaß, von dem in diesem Zusammenhang die Rede ist. Die Erfahrungen von Marta sind ab morgen, Mittwoch, im Kino zu nachzuerleben.

Die Protagonistin Ascension Marta Anguita ist Spanierin und überlebte einen Mordversuch ihres Ex-Mannes. “Ich wurde überfahren, niedergestochen und mir wurde die Kehle durchgeschnitten, von einer Person, mit der ich 23 Jahre zusammen war”, schildert die Frau gleich zu Beginn der Doku. Dass der Apotheker im Gefängnis gelandet ist, garantierte Marta keine Ruhe: “Die Leute glauben, hat man so eine Aggression überlebt, ist alles überstanden. Sie wissen nicht, dass das erst der Anfang ist.” Selbst die Familie wandte sich damals von ihr ab, ihre Mutter machte ihr Vorwürfe: “Was hast du bloß für einen Skandal ausgelöst?”

“Martas Koffer”: Ein lautes Plädoyer gegen Gewalt an Frauen

Als ihr Ex-Mann Haftfreigang bekommt, wird der Mutter zweier Töchter geraten wegzugehen. Als er schließlich auf Bewährung freikommt, muss sie sich verstecken, wird ihr die Freiheit genommen. “Das ist kein Leben”, bilanziert Marta. “Warum kann er zuhause sein und ich nicht? Warum kann er gemütlich auf der Straße spazieren und ich muss mich ständig umsehen?” Die Protagonistin ist in Spanien zu einer Symbolfigur geworden, wie aus der Doku hervorgeht, weil sie inzwischen offen über die häusliche Gewalt spricht. Ein Gewaltschutzgesetz gibt es in Spanien erst seit 2005, in Österreich immerhin seit 1997.

Bis in die 1970er-Jahre wurde Misshandlung in der Familie als Privatangelegenheit betrachtet, erklärt Schwaiger in einem Insert, mit denen er im Film Hintergrundinformationen und statistische Daten zur Thematik liefert. Gesetzestexte und daran anschließende Gesetzesänderungen dauern lange, Aufklärung und Hilfe bieten jedoch mehrere Institutionen an. Von Amnesty International bis zu Frauenhäusern, von Gewaltschutzstellen bis zu Männerberatungen. “Wenn du die Hand hebst, ist es Gewalt”, formuliert etwa Harald Burgauner von der Männerberatung in Salzburg: “Punkt.”

Die männlichen Täter legen sich laut Burgauner schnell Rechtfertigungsschienen zurecht, stilisieren sich selbst zum Opfer. “Es gibt viele Begründungen, Ausreden, um die Verantwortung abzugeben: der Alkohol, die Frau, die Belastung am Arbeitsplatz, die eigene Kindheit”, erläutert der “MännerWelten”-Leiter. Viele kommen demnach zu ihm, weil sie nach der Tat vor sich selbst erschrecken, andere Täter – wie im Fall Marta – sind völlig beratungs- und einsichtsresistent. “Da hilft nur scharfe Sanktionierung jedes weiteren Verstoßes, angefangen bei Stalking, und maximaler Opferschutz”, so Burgauner.

Schwaiger (“Hafners Paradies”, “Arena”, “Ibiza Occident”) führt viele Interviews und unterlegt diese meist mit unaufgeregten Bildern der Umgebung, von Schloss Mirabell, der Salzach. Aber er zeigt auch Martas Einstichnarben am ganzen Körper, die Angst und die Tränen, den Ärger in den Gewaltschutzzentren und Frauenhäusern, wo aus Platzmangel Dutzende Betroffene abgewiesen werden müssen. Zur mangelnden Ausstattung kommt mangelnde Information (“gehört in die Lehrpläne”), gehören Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Die Doku rund um den Frauentag am 8. März soll entsprechend aufrütteln und sensibilisieren.

(APA)

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