Marilyns letzte Fotos in Wien

Sechs Wochen vor ihrem Tod schuf der Starfotograf Bert Stern untypische Bilder der Hollywood-Diva Marilyn Monroe. Jetzt zu sehen im Wiener Hofmobiliendepot.

Eigentlich wollte der berühmte Fotograf Bert Stern (73) zwei Dinge von der schon zu Lebzeiten zur Sex-Ikone gewordenen Marilyn Monroe. Erstens das ultimative Porträt, und zweitens Aktbilder knipsen. Im Juni 1962 erfüllte sich sein Traum. Im Auftrag der Modezeitschrift „Vogue“ traf er die Monroe drei Tage lang zum Shooting im Bel Air Hotel, Los Angeles. Dabei entstanden ungewöhnliche Aufnahmen, die in ihrer spielerischen Natürlichkeit einen authentischen Eindruck von der Persönlichkeit der Diva geben. Im Kaiserlichen Hofmobiliendepot in Wien sind ab morgen, Donnerstag, „Ihre letzten Fotos. Fotografiert von Bert Stern“ zu sehen.

„Kürzlich meinte eine Grafikerin, dass die Bilder unbearbeitet wären und eine geradezu enttäuschend natürliche Monroe zeigten. Ihre Haut wäre großporig, die Gesichtshaare und Operationsnarbe nicht weg retuschiert worden, und der legendäre Busen sei ja wesentlich unüppiger als die Fama sagt“, erzählte Kuratorin Ina Brockmann auf der heutigen Pressekonferenz. Und eben darin läge auch die Qualität Bert Sterns, der die wirkliche Monroe in ihrer natürlichen Eleganz einzufangen wusste. Trotz gekonnten Make-Ups und prächtiger Kleider, die „Vogue“ zur Verfügung gestellt hatte, gibt es keine Fotos wie diese, in der die Monroe völlig frei bestimmte, was sie zeigen wollte.

Dass diese Mischung aus Erotik und Natürlichkeit so gut zum Ausdruck kommt, liegt an der gelungenen Kommunikation, die zwischen Fotograf und Modell geherrscht haben muss. Stern hatte für diesen Anlass eine Suite und einen Bungalow im Bel Air gemietet, mit großen Schlafzimmern. Zwar wurden sie zu Studios umfunktioniert, und teilweise waren jeden Menge Assistenten dabei. „Und trotzdem wollte ich es persönlich haben: ein Ort, an dem eine Romanze zwischen uns möglich sein könnte“, schreibt Stern im Ausstellungs-Katalog. Zu der kam es zwar angeblich nicht, aber dennoch zeugen die Bilder von einer sehr intimen Situation, in der die Monroe sowohl ihren Sex-Appeal einsetzte, als auch ernst und in sich gekehrt zu sehen ist.

Es entstanden professionelle Modeaufnahmen mit Roben und Geschmeide, aber auch sehr besondere Bilder wie jenes im schwarzen Kleid, in der die Monroe nachdenklich zur Seite blickt und ihr Kinn mit der Hand abstützt. Die Aktfotos wechseln in ihrem Eindruck zwischen Koketterie (Marilyn mit Seidenschal) und Natürlichkeit (Marilyn mit Bettlaken). Niemals wirken sie entblößend oder gar pornografisch. Auch die „Vogue“ war begeistert vom Resultat. Wenige Tage vor Erscheinen des Heftes erfuhr die Welt von der Todesnachricht Marilyn Monroes. Trotz Fassungslosigkeit entschieden sich Stern und die Redaktion für das unveränderte Erscheinen der Story, die damit zu einem Denkmal wurde.

In der Ausstellung sind an die siebzig Fotos vom „Last Sitting“ zu sehen. Bert Stern veröffentlichte die Bilder erst 1982 anlässlich des 20. Todestages der Monroe. 1993 hatte die Ausstellung „Marilyn Monroe – The Last Sitting“ in Hamburg Weltpremiere. Stern lebt in New York und ist noch immer als Mode- und Porträtfotograf aktiv.

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