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Manon"-Wiederaufnahme an der Staatsoper

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Es war das durchkalkulierte Fernsehereignis des vergangenen Jahres: Jules Massenets "Manon" in der Staatsoper mit Anna Netrebko in der Titelpartie. Seit Sonntagabend bietet die Staatsoper diese publikumsschmeichelnde Mischung erneut an.

Mit Netrebko in jener lauwarmen, aber repertoirefreundlichen Inszenierung Andrei Serbans, die schon bei der Premiere für Kritik gesorgt hatte. Drei weitere Termine werden allemal für ein volles Haus am Ring sorgen, zumal auch Massimo Giordano und Adrian Eröd nicht im Schatten der Hochglanzdiva standen. Der Jubel des Publikums bewies es.

Die gute Nachricht: Anna Netrebko ist noch immer nicht hauptberuflich schwanger, sondern eine exzellente Sängerin mit Hang zum Primadonnentum und einem fast intuitiv kontrollierten Sopran. Die schlechte: Das Staatsopernorchester befindet sich offenbar schon in der Sommerpause und glänzt einzig und allein durch deftigen Lärm. Ob das Kirchtags-Tratra die Schuld von Dirigent Claude Schnitzler gewesen ist, vermag man kaum zu sagen. Denn amoklaufendes Blech und Streicher mit einer tödlichen Kalorienzahl zeugten von Unbeherrschtheit im Land der musikalischen Mehlspeisen.

Die Überraschung des Abends: Der für den erkrankten Jonas Kaufmann eingesprungene Giordano in seinem Rollendebüt an der Staatsoper als Chevalier Des Grieux. Ein mehr als ebenbürtiger Bühnenpartner Netrebkos, der Herzschmerz mit feiner Technik – grandios im piano – und überzeugendem Mimentum kombinierte. Auch Eröd hat – wieder einmal – seine Rolle gefunden, auch wenn er bereits von Anfang an als Lescaut in dieser Produktion mitwirkt. Ein wohlklingendes Ekelpaket, souverän flankiert von den Neulingen Alexander Kaimbacher (Guillot de Morfontaine) und Clemens Unterreiner (Bretigny).

Das Ensemble machte diesen Abend dann auch aus. Denn in Serbans überladenem und mit ein paar halbherzigen Gewalt- und Sexfantasien gespicktem Bühnenspiel hat sich nichts geändert. Und noch immer ist die Bühne eigentlich eine für Netrebko, die sich vom Stern zum Sternchen degradieren lassen darf und in etliche alberne Posen a la Marilyn Monroe gezwungen wird. Ein Tabledance weniger hätte es auch getan. Vor allem, wenn man sich in eine Rolle bereits derart hineingelebt hat, dass der Gesang allein weit mehr als das halbe Spiel ist.

Dass Netrebko auch nicht für ein lückenlos volles Haus sorgen muss, bewiesen die frustrierten Gesichtszüge der Schwarzmarkthändler vor der Oper. Eine ganze Armada blieb draußen auf ihren überteuerten Karten sitzen. Da half auch die Warnung nicht, dass es sich um Netrebkos letzte Serie in der Staatsoper vor der Babypause handle.

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