Mann in niederösterreichischem Asylheim getötet: Prozessbeginn

In einem zweitägigen Prozess soll über die Einweisung entschieden werden.
In einem zweitägigen Prozess soll über die Einweisung entschieden werden. ©pixabay.com (Sujet)
Ab Dienstag steht jener 25-Jährige vor Gericht, der einen anderen Asylwerber getötet und später einen Mithäftling schwer verletzt haben soll. Das Gericht wird über eine Einweisung entscheiden.
Gericht entscheidet über Einweisung

Ein 25-Jähriger, der im Mai einen um ein Jahr älteren Asylwerber getötet und später einen Mithäftling schwer verletzt haben soll, steht ab Dienstag in Wiener Neustadt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Der Nigerianer ist laut Gutachten nicht zurechnungsfähig. Die Verhandlung ist für zwei Tage anberaumt.

Angeklagter leidet unter paranoider Schizophrenie

Der Asylwerber soll in der Nacht auf den 3. Mai einen Mann aus Bangladesch in einer Flüchtlingsunterkunft angegriffen, zu Sturz gebracht und ihm Fußtritte gegen Kopf, Hals und oberen Brustbereich versetzt haben. Das Opfer wurde leblos aufgefunden. Einige Stunden später soll der 25-Jährige auf einem Freizeitgelände Kinder bedroht und versucht haben, einen Steinmeißel gegen ein Mädchen zu schleudern. Ein Zeuge verständigte die Polizei. Gegen die Festnahme soll sich der Nigerianer heftig gewehrt haben. Kurz nach Einlieferung in die Justizanstalt Wiener Neustadt soll er einen Mitinsassen schwer verletzt haben. Der 25-Jährige leidet laut Gutachten an paranoider Schizophrenie. Die Geschworenenverhandlung soll am 20. November fortgesetzt werden.

Zwölfjähriger verständigte die Polizei

Der Bursch war am Nachmittag des 3. Mai mit Freunden am Spielplatz gewesen, als der Mann auf sie zukam und einen Meißel in Richtung seiner 13-jährigen Freundin warf. Das Mädchen musste ihren Angaben zufolge wegspringen, um nicht getroffen zu werden. Der Zwölfjährige rief mit seinem Handy die Polizei an, sagte er als Zeuge aus.

Zahlreiche Streifenwagen wurden angefordert. Bei der Durchsuchung verhielt sich der Mann aggressiv und schlug “wild herum”, erzählte eine Polizistin. Gegen eine Festnahme habe er sich “mit Händen und Füßen” gewehrt. Ein ebenfalls als Zeuge geladener Beamter berichtete, er habe eine 25 Zentimeter lange Kratzwunde am Rücken davongetragen. Auf der Fahrt zur Polizeiinspektion Vösendorf war der Nigerianer laut einem Uniformierten fixiert und versuchte immer wieder, sich loszureißen.

Auslöser für das von der Polizei ausgesprochene Betretungsverbot für das Quartier war eine Attacke auf einen 17-Jährigen. Der 25-Jährigen hatte den Mitbewohner am 1. Mai durch einen Faustschlag verletzt, als der Jugendliche mit einem gleichaltrigen Freund zum Bahnhof unterwegs war. Die Attacke sei plötzlich gekommen, “er hat nix gesagt”, meinte der Freund des Verletzten, der die Polizei gerufen hatte.

Verdächte sei “extrem gefährlich und hoch aggressiv”

Kurz nach Einlieferung in die Justizanstalt Wiener Neustadt soll der Mann einen Mitinsassen schwer verletzt haben, indem er ihn gewürgt und u.a. einen Fernseher und eine Kaffeetasse entgegengeschleudert haben soll. Der Häftling soll beim nächsten Prozesstermin befragt werden.

Der 25-Jährige befindet sich in vorläufiger Anhaltung. Er sei “extrem gefährlich und hoch aggressiv”, verwies Staatsanwalt Erich Habitzl im Eröffnungsvortrag auf das psychiatrische Gutachten. Zu befürchten seien weitere Straftaten, die bis zum Tod eines weiteren Menschen führen könnten.

Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz hielt fest, dass es in dieser Verhandlung eine “gewisse Eintracht” zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gebe. Das psychiatrische Gutachten sei eindeutig, sein Mandant leide unter einer Geisteskrankheit und brauche medizinische Hilfe.

Die Befragung des Nigerianers gestaltete sich schwierig. Auf die Frage der vorsitzenden Richterin Birgit Borns, ob er die im Unterbringungsantrag angeführten Taten begangen habe, meinte der Mann: “Ich kann mich nicht erinnern.” Manchmal höre er Stimmen in seinem Kopf, “die verfluchen mich”, so der 25-Jährige laut Übersetzung der Dolmetscherin. Bis vor einigen Monaten habe er Marihuana geraucht, gab der wegen Drogendelikten vorbestrafte Betroffene an.

Am rechten Schuh des 25-Jährigen fand sich Blut des Opfers, sagte die Sachverständige Christa Nussbaumer. Weiters wurde eine Mischspur mit DNA des Opfers am Sweater sichergestellt.

Die Bluttat hatte auch heftige politische Diskussionen zur Folge. Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) veranlasste, Asylwerber aus der Unterkunft in andere Quartiere zu verlegen. Die ersten Bewohner mussten im Juni umziehen.

(APA/Red)

 

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