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Mann in Asylquartier (NÖ) getötet: Täter nicht zurechnungsfähig

Der Prozess wird heute fortgesetzt.
Der Prozess wird heute fortgesetzt. ©pixabay.com (Themenbild)
In Wiener Neustadt ist am Montag der Prozess um eine Bluttat in einer Asylunterkunft in Maria Enzersdorf (Bezirk Mödling) fortgesetzt worden.

Verhandelt wird über den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Unterbringung des 25-Jährigen in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Asylwerber soll im Mai einen 26-Jährigen aus Bangladesch getötet haben.Wiener Neustadt. Sowohl der 25-Jährige als auch das Opfer waren alleinstehend und befanden sich aufgrund einer psychischen Erkrankung in der Unterkunft St. Gabriel in Sonderbetreuung, berichtete eine damals in dem Quartier tätige Betreuerin am Montag als Zeugin. Der Nigerianer hatte sich seit Mitte Februar in der Herberge befunden, das Opfer bereits seit längerem. Der 25-Jährige habe verwirrt gewirkt, sich an vieles nicht erinnern können und Termine vergessen, berichtete die Betreuerin in der Geschworenenverhandlung. Zudem habe er sich oft außerhalb des Hauses aufgehalten.
Die Zeugin berichtete von einem Vorfall mit einer in der Unterkunft lebenden Familie, bei dem der 25-Jährige ein Mädchen geohrfeigt haben soll. “Ich habe ein Verwarnungsgespräch mit ihm geführt”, sagte die 46-Jährige zu den Konsequenzen. Außerdem hätten Bewohner berichtet, dass der Nigerianer “komisch schaut” und sich am Gang entblößt habe. Auf dem Spielplatz habe sich eine Mutter von dem Mann bedroht gefühlt. “Es waren zwei oder drei Meldungen, da haben wir bemerkt, da ist etwas im Busch, da müssen wir aufpassen”, sagte die Zeugin.

Verdächtige verletzte bereits Bewohner durch Faustschlag

“Es war zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellbar, dass er so gewalttätig ist”, meinte die 46-Jährige weiters. Sie räumte jedoch auch ein: “Uns war schon klar, dass er gefährlich ist oder sein könnte, dass es ein Potenzial dafür gibt.” Das sei Anlass gewesen, den 25-Jährigen genau zu beobachten und zu schauen, dass er seine Medikamente nimmt.

Anfang Mai war der Mann aus dem Asylquartier weggewiesen worden, nachdem er außerhalb der Unterkunft einen jugendlichen Bewohner durch einen Faustschlag verletzt hatte. Kurz danach kam es zur Bluttat.

Mit der Wegweisung sei die Betreuung beendet – die Polizei habe dem 25-Jährigen die Adresse eines Notquartiers gegeben, das habe er aber offenbar nicht aufgesucht, hieß es. Die Betreuerin nahm an, dass der 25-Jährige in Wien “andocken” werde. Er habe ihr damals immer wieder erzählt, dass er Freunde in Wien besuche.

In der Nacht auf den 3. Mai soll der Nigerianer laut Unterbringungsantrag im Erdgeschoß des Quartiers dem 26-jährigen Bewohner kräftige, teils stampfende Fußtritten gegen Kopf, Hals und oberen Brustbereich versetzt haben. Jugendliche entdeckten den leblosen Mann.

Mann kann sich an Geschehnisse nicht mehr erinnern

Am Nachmittag des 3. Mai hatte der Nigerianer einen Meißel in Richtung von Kindern geworfen. Beim Eintreffen der verständigten Einsatzkräfte war der Mann auf einer Parkbank mit dem Stahlmeißel zwischen seinen Beinen gesessen. Gegen eine Durchsuchung bzw. Festnahme durch die Polizei hatte er sich mit Kopfstößen, Schlägen, Tritten und Spucken gewehrt und einen Beamten verletzt. Auf dem rechten Schuh des 25-Jährigen sichergestellte Blutspuren stammen laut DNA-Test vom Opfer.

Der Nigerianer befindet sich in vorläufiger Anhaltung. Er konnte sich am ersten Verhandlungstag im November nicht an die Geschehnisse erinnern. Ein Ermittler sagte am Montag als Zeuge aus, dass die Leiche am Rücken gelegen sei. Blutspuren habe es am Tatort nur sehr wenige gegeben.

Kurz nach Einlieferung in die Justizanstalt Wiener Neustadt soll der 25-Jährige einen Mitinsassen schwer verletzt haben. Rund drei bis fünf Minuten, nachdem der Nigerianer die Zelle betreten hatte, kam es zur Attacke. “Er hat mich am Hals genommen, ich habe mich verteidigt, dann bin ich direkt zur Tür gelaufen und habe den Alarmknopf gedrückt”, sagte das Opfer laut Dolmetscherin. “Dann hat er mir eine Kaffeetasse aufs Auge geworfen”, berichtete der Insasse. Weiters hatte der 25-Jährige ihm auch einen Teller und einen Fernseher entgegengeschleudert. Der Mann erlitt schwere Blessuren, u.a. Schnitt- und Schürfwunden sowie Schwellungen. Er habe dabei auch einen Zahn verloren, sagte er als Zeuge aus.

Die Zelle war danach “verwüstet”, erzählte ein Beamter. Der 25-Jährige sei danach “komplett ruhig” gewesen und habe keinen Widerstand geleistet, berichtete das Justizwachepersonal. “Er hat durch uns durchgeschaut”, meinte ein Beamter. Nach den Zeugenbefragungen standen weitere Gutachten auf dem Programm. Eine Entscheidung über den Unterbringungsantrag wurde für den heutigen Montag erwartet.

Mann in Asylquartier getötet: Nicht zurechnungsfähig

Jener 25-Jährige, der im Mai einen Mann in einer Asylunterkunft in Maria Enzersdorf getötet haben soll, leidet laut Gutachten an paranoider Schizophrenie und ist nicht zurechnungsfähig. “Es besteht ein hoher Grad an Gefährlichkeit”, sagte Sachverständiger Manfred Walzl in der Geschworenenverhandlung in Wiener Neustadt. Er empfahl eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Dem Gutachter zufolge liegt bei dem 25-Jährigen eine seelische oder geistige Abartigkeit höheren Grades und eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung vor, es fehle eine Krankheits- und Deliktseinsicht. Aus Sicht der Psychiatrie bestehe “überhaupt kein Zweifel”, dass der Nigerianer unter dem Eindruck dieser Krankheit gehandelt habe. Der Betroffene habe einen “Sturm bzw. Ausbruch an Aggression” gehabt. Es sei davon auszugehen, dass der Mann mit großer Wahrscheinlichkeit weitere strafbare Handlungen mit schweren Folgen – bis hin zum Mord – begehen werde.

Es sei ein “ganz schwerer Systemfehler”, einen Mann mit dieser Erkrankung ohne soziales Umfeld wegzuweisen, betonte Walzl außerdem. Der Mann leide an einem Wahn und es sei anzunehmen, dass er Stimmen gehört habe. “Er erkennt einen Baum nicht als Baum, sondern das kann für ihn auch ein Lebewesen sein”, der 25-Jährige habe auf einen Baum eingestochen.

Laut dem gerichtsmedizinischen Gutachten von Wolfgang Denk erlitt das Opfer vielfache Kehlkopfbrüche, eine Quetschung und Einengung des Kehlkopfraumes und eine Blutstauung in Schädel und Hals. Denk sprach von einer “massiven stumpfen Gewalteinwirkung” und einem massiven Angriff gegen den Hals. Der Mann sei nach einer “Vielzahl von Fußtritten” erstickt.

Da das Opfer nur wenige Abwehrverletzungen aufwies, ging Denk von einem “sehr überraschenden Angriff” aus, durch den es zu Sturz gebracht worden sei. Auf den am Boden liegenden Mann wurde massiv eingetreten. Er habe bei der Obduktion “eine blutige gequetschte Masse, bei dem man anatomische Strukturen nur mehr sehr mühsam voneinander differenzieren konnte”, vorgefunden.

(APA/Red)

 

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