"Manchmal ist es ein recht lustiges Kino"

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Am Wachzimmer Karlsplatz beobachten Beamte das Geschehen durch zehn Kameras - Streifengänge werden aber weiterhin gemacht - Zudem dienen die Kameras dazu, „das subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bürger zu verbessern.

Während sich draußen die Menschen in der Frühlingssonne tummeln, sitzt dort ein Polizist vor einer Monitorwand und beobachtet, was sich in der Passage tut. Bei mehr als 10.000 Menschen, die täglich unter den Objektiven durchspazieren, eine anstrengende Tätigkeit, der Überblick über die Geschehnisse ist hier jedoch garantiert.

“Tote Winkel gibt es kaum”
„Manchmal ist es ein recht lustiges Kino“, meinte etwa Thomas Schachner. Mit Hilfe der Kameras sieht er in beinahe jedes Eck der unterirdischen Gänge zwischen Resselpark und Oper. Im Wachzimmer sind die Bilder auf zehn Monitoren zu sehen, die der Beamte mit einer Art Joystick ansteuern kann. „Tote Winkel gibt es kaum“, so Schachner. Die Kameras sind um 360 Grad drehbar, auf- und abschwenkbar, und können per Zoom selbst weit entfernte Gesichter nah auf den Bildschirm holen.

Hier behalten die Polizisten, die sich stündlich abwechseln, ihre Klientel im Auge. Konkretes Beispiel: Eine amtsbekannte Psychotikerin, die fallweise „auszuckt“ und dann wahllos auf fremde Frauen losgeht. Als Schachner die Frau auf einem Bildschirm entdeckt, verfolgt er ihren Weg sicherheitshalber weiter. Und siehe da: Nach wenigen Minuten ist am Monitor zu beobachten, wie sich ein Disput zwischen ihr und einer Passantin anbahnt. Im konkreten Fall endet die Auseinandersetzung harmlos, die Tobsuchtsanfälle der amtsbekannten Frau haben in vielen Fällen jedoch schon zu Zwangseinweisungen geführt, so Schachner.

Kameras verbessern “das subjektive Sicherheitsgefühl”
Für die Polizei hat das Kamerasystem in den weitläufigen Gängen der Passage zwar viele Vorteile, die Beamten müssen aber dennoch auch physisch präsent bleiben, erklärte der zuständige Hauptmann Alexander Schinnerl: „Das entbindet uns aber nicht von einer etwaigen Streifentätigkeit.“ Zudem dienen die Kameras dazu, „das subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bürger zu verbessern, glaubt er. Gerade bei Drogendeals seien die Aufklärungsqualitäten des Systems oft mangelhaft. Denn auch die beste Kamera erkennt nicht, was in einem Zigarettenpackerl, das ein Verdächtiger einem anderen zusteckt, wirklich drinnen ist.

Ob die Bilder aus den zehn Kameras am Karlsplatz „evident gehalten“, sprich: aufgezeichnet werden, wenn dies durch die Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes erlaubt werden könnte, sei noch unklar, so Schinnerl. Den Beamten an Ort und Stelle wäre eine Aufnahme eine Hilfe, sofern sie vor Gericht als Beweis zugelassen würde, glaubt Schachner: „Für uns wäre das jedenfalls ideal.“

Redaktion: Claus Kramsl

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