Magnago wird 90 Jahre alt

Altlandeshauptmann Magnago feiert am 5. Februar seinen 90. Geburtstag. Der Ehrenobmann der Südtiroler Volkspartei ist seit 1947 politisch tätig.

Magnago, der am 5. Februar 1914 im noch kaiserlich-königlichen Meran geboren wurde, wurde im Zweiten Weltkrieg schwerst verletzt und verlor ein Bein. Seine politische Karriere startete er 1947 auf der ersten SVP-Landesversammlung, als er in den Parteiausschuss gewählt wurde. Noch im selben Jahr war der promovierte Jurist mit von der Partie, als einige hundert Südtiroler mit einem Protestmarsch auf die Bozner Präfektur, den Sitz des römischen Regierungsvertreters, gegen die Nichterfüllung des Pariser Abkommens protestierten.

Im April 1948 trat Magnago als Kandidat zu den Parlamentswahlen an und fiel zum ersten und zum letzten Mal bei Wahlen durch. Zwei Monate später erhielt er bei den Gemeinderatswahlen in Bozen als SVP-Kandidat die meisten Vorzugsstimmen und wurde prompt Vizebürgermeister.

Es folgten der Einzug in den Südtiroler Landtag im November 1948 und die Wahl zum ersten Südtiroler Landtagspräsidenten. Im Mai 1957 wurde Magnago als 43-Jähriger zum Obmann der SVP gewählt und löste Toni Ebner ab, der nicht mehr zur Wahl stand. Magnago stand der Südtiroler Volkspartei bis zur Amtsübergabe an seinen Mitstreiter und Nachfolger Roland Riz am 27. April 1992, also fast 35 Jahre lang, als Obmann vor. Die große Stunde war für Magnago am 17. November 1957 gekommen: Vor rund 35.000 Südtirolern rief Silvius Magnago auf Schloss Sigmundskron das „Los von Trient” aus. Er legte sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale, um einen Marsch der aufgebrachten Kundgebungsteilnehmer nach Bozen zu verhindern.

Das Klima im Südtirol am Ende der 50-iger Jahre war gereizt. Im Mai 1960 konnte Obmann Magnago auf einer außerordentlichen SVP-Versammlung nur mit Mühe eine Mehrheit für die Selbstbestimmung verhindern.

Trotz oder gerade wegen seiner unerschütterlichen Autonomie-Linie wurde Magnago Ende 1960 Landeshauptmann von Südtirol. Er bekleidete dieses Amt 28 Jahre lang und erreichte bei seinen letzten Landtagswahlen im Jahr 1983 mit 74.690 Vorzugsstimmen sein bestes Wahlergebnis in Südtirol. Zwei Protestkandidaturen 1994 und 2001 gegen das Südtirol benachteiligende Wahlrecht brachten dem Altlandeshauptmann italienweit gar 232.000 bzw. 182.000 Stimmen.

Neben Sigmundskron 1957 war der Abschluss des Südtirol-Paktes ein zweiter wichtiger Markstein im Leben des Politikers. Einen persönlichen Triumph konnte Magnago am 22. November 1969 einfahren, als er als Sieger aus der über das Paket entscheidenden Landesversammlung hervor ging.

Nach langwierigen Autonomieverhandlungen zwischen Bozen, Wien und Rom war es dem Pragmatiker Magnago gelungen, mit einer dünnen Mehrheit von 52,8 Prozent seiner Partei das Einverständnis für das so genannte Paket, die neue Südtirolautonomie mit ihren 137 Schutzbestimmungen, abzuringen. Peter Brugger, der Anführer der Paketgegner, beendete durch einen historischen Handschlag mit Magnago den Paketstreit. Seither galt Magnago als der „Vater des Paketes”.

Magnagos Nachfolger als Landeshauptmann, der seit 1989 amtierende Luis Durnwalder, bezeichnete den Altlandeshauptmann anlässlich dessen 80sten Geburtstages 1994 als „Vater des Paketes, des modernen Südtirol und des sich zu regen beginnenden Regionalismus”. Dank Magnagos Persönlichkeit sei Südtirol in Europa bekannter, als es dies auf Grund seiner Größe verdiene.

Die Frau an Magnagos Seite hielt sich Zeit ihres Lebens bescheiden im Hintergrund. Sofia Cornelissen aus Essen, die er als Reserveleutnant 1937/38 in Rom kennengelernt und im Oktober 1943 zwischen zwei Fronteinsätzen in Landeck geheiratet hatte, rettete dem an der russischen Front schwer Verletzten, nach dessen eigener Aussage, das Leben. Magnagos Gattin Sofia verstarb Ende 2003 nach langjähriger Krankheit.

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