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"Macbeth" eröffnete Wiener ImPulsTanz-Festival

Das shakespearesche Morden geschieht in einer beiläufigen Selbstverständlichkeit.
Das shakespearesche Morden geschieht in einer beiläufigen Selbstverständlichkeit. ©Dieter Wuschanski
Am Donnerstag wurde das ImPulsTanz-Festival in Wien mit der Aufführung "Macbeth" eröffnet. Die Rekonstruktion der 1988 uraufgeführten Choreografie überzeugte in ihrer Zeitlosigkeit.

Das Reich als Schlachthof, der König im Blutrausch, strenge Hexen im stilisierten Nazi-Outfit: Mit seiner "Macbeth"-Deutung sorgte Johann Kresnik bei der Heidelberger Uraufführung 1988 für Aufsehen. 30 Jahre später feierte das Werk am Landestheater Linz in einer Rekonstruktion des Tanzensembles unter Mei Hong Lin seine Wiederauferstehung. Am Donnerstag eröffnete man damit das ImPulsTanz-Festival.

Eröffnung mit Kresniks "Macbeth": schwarz, weiß, blutig

Hatte "Macbeth" Ende der 1980er aufgrund der Anspielungen auf den Tod des deutschen Ministers Uwe Barschel (in einer Badewanne) noch für ordentlich Wirbel gesorgt, sind die den weißen Bühnenraum dominierenden Wannen heute nur mehr eines von vielen Details, die Gottfried Helnweins Bühnenbild zu einem der Hauptakteure der im Volkstheater gastierenden Inszenierung machen. Sie bilden den farblichen Kontrast zu dem vielen Blut, das Macbeth auf seinem Weg zur Macht - und deren unbedingtem Erhalt - als Spur zurücklässt.

Es ist überall: In den Wannen, in Schläuchen an den Wänden, in einem großen See im Orchestergraben. Dort findet sich auch jener Flügel, auf dem Bela Fischer jr. und Stefanos Vasileiadis vierhändig die eindringliche Vertonung durch Kurt Schwertsik zelebrieren. Im Laufe des Abends wird sich die Riesenwanne nicht nur mit Blut, sondern auch mit Innereien füllen, die eine schwarze Priestergestalt in regelmäßigen Abständen aus Kübeln hineingießt. Das shakespearesche Morden geschieht hier in einer beiläufigen Selbstverständlichkeit, die Erschaudern lässt.

Es ist weniger ein Nacherzählen der Originalhandlung als ein Ineinandergreifen grausamer Szenen, die Kresnik in seinem "Macbeth" vollzogen hat. Erotisch aufgeladene Zweikämpfe - zwischen Duncan und Macbeth, Banquo und Macbeth, Lady Macbeth und ihrem Mann - wechseln sich in der düster-grellen Helnwein-Hölle mit bildstarken Gruppenchoreografien ab. Die drei Hexen verfügen über halbe Totenkopf-Gesichter, wie sie der Wiener Künstler im Jahr 2003 auch in Marilyn Mansons Video zu "mObscene" verarbeitet hat.

Kresnik mit Goldenem Verdienstzeichen Wiens ausgezeichnet

Pavel Povraznik ist ein langsam dem Wahnsinn verfallender Macbeth, Jonatan Salgado Romero verleiht seinem gestürzten König Duncan nicht weniger Irrsinn, dem schließlich auch die Lady (in ihrer Transformation beklemmend: Andressa Miyazato) verfällt. In der choreografischen Wiedereinstudierung unter der Leitung von Christina Comtesse sitzt jeder Schritt, jede Geste und jeder Messerstich. Und so gilt es, sich auf diesen blutigen Machtrausch als Gesamtkunstwerk einzulassen, das noch lange nachhallen wird. Der Schlussapplaus, zu dem sich nicht nur Kresnik, sondern auch Helnwein und Schwertsik gesellten, würdigte einen intensiven Abend, der nach der ImPulsTanz-Premiere nur noch ein einziges Mal am Samstag im Volkstheater zu sehen sein wird.

Nach dem letzten Vorhang zeichnete Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) den 79-jährigen Kresnik mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien aus. In ihrer kurzen Rede würdigte sie den "Künstlermigranten" für seine jahrzehntelange Arbeit, die er "immer mit politischer Haltung" vollzogen habe. "Er ist ein Berserker im ästhetischen wie im inhaltlichen Sinn", so die Stadträtin. "Seine albtraumhaften Bilder, die einen nicht loslassen, sind brisanter und aktueller denn je." Der Künstler selbst dankte dem Linzer Ensemble ("Kaum jemand hat meine Stücke so interpretiert wie ihr!") und dem ImPulsTanz-Festival. In Richtung des Intendanten Karl Regensburger, der am Bühnenrand stand, meinte er: "Dieses Festival in Wien darf nicht aufhören!"

(APA/Red)

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