Lugner's Stargäste

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Paris Hilton muss schon sich schon einiges leisten, um in der Schar der illustren Gäste von Richard Lugner Benimm-mäßig besonders aufzufallen.

Seitdem Lugner 1992 beschlossen hatte, seinen Besuch am Opernball mit einem Stargast aufzumotzen, balancierte der Baumeister mit seiner Spende beinahe alljährlich auf dem schmalen Grat zwischen Glamour und Skandal. Der sprichwörtliche Höhepunkt war sicherlich im Jahr 1996, als die US-Sängerin Grace Jones in einem entlegenen Winkel der Loge mit ihrem Begleiter der Fleischeslust frönte. „Das war akustisch klar wahrnehmbar“, erinnerte sich der Society-Löwe im Nachhinein.

Vergleichsweise harmlos gestaltete sich hingegen der Auftritt von Pamela Anderson 2003: Obwohl die Begleitung des US-Stars in Form des Skandal-Verlobten Kid Rock und des Tierschützers Dan Matthews, der bei gesellschaftlichen Großereignissen mit umstrittenen Aktionen seine Pelzablehnung unterstrichen hatte, im Vorfeld für Fracksausen gesorgt hatte, gab sich die eigenwillige Kombination am Opernball zahm. Einen Rüffel von Organisatorin Elisabeth Gürtler setzte es dennoch: In einem Telefonat mit Richard Lugner beschwerte sie sich darüber, dass der Baumeister mit seinen Gästen das Niveau der Veranstaltung in „Tiefen führe, die nicht mehr tolerierbar seien“. Der Besuch von Baywatch-Kollegin Carmen Electra 2006 verlief problemlos.

Der Premierengast 1992 war übrigens der „sehr problemlose“ Harry Belafonte. „Damals fast ohne mediale Aufmerksamkeit“, sagte Lugner. Auch der Vertrag mit dem US-Sänger sei eher „nebenbei“ zu Stande gekommen. Pressekonferenzen und Autogrammstunden gab es in diesen unschuldigen Tagen noch nicht. Die einzige Unpässlichkeit war, dass Belafonte eine Freundin in Wien hatte und deshalb schon früh am Abend über „Unwohlsein“ geklagt hat. „Draußen hat dann schon das Auto gewartet“, sagte Lugner.

Mit Joan Collins im Jahr 1993 wurde alles anders. „Sie war sehr professionell – und eiskalt“, erinnerte sich Lugner. Von der amerikanischen Schauspielerin wurde der Baumeister auch erstmals mit den Macken und Sonderwünschen internationaler Prominenz konfrontiert:
Da die Diva prinzipiell nur im Minirock auftrat, musste das Pult auf der Bühne der Lugner City für die erste Autogrammstunde auf den drei zum Publikum zeigenden Seiten züchtig verhängt werden. „Damit ihr niemand unter den Rock schauen konnte.“

Mineralwasser durfte nur verschlossen bereitgestellt werden. „Sie hatte Angst, dass ihr jemand Schlafmittel hinein schüttet“, erklärte der Baumeister. Die Schauspielerin erwies sich auch als überaus geschäftstüchtig: Autogramme gab sie nur in ein über sie erschienenes Buch – das vorsorglich an einem Extratisch verkauft wurde. „Das hatten wir seither nicht mehr“, so Lugner.

Sophia Loren im Jahr 1995 war Lugners dezidierter Lieblingsgast. „Sie war halt eine echte Dame“, schwärmte der Society-Löwe. Erhaben winkte sie von der Brüstung der Lugner City dem Volk zu, gnädig signierte sie Autogramme – und Probleme machte sie auch nicht. Bleibenden Eindruck hinterließ auch ihr „riesiges Dekolletee“ (Lugner). Besonders, als ihr in der Loge des Bundespräsidenten jemand auf das Kleid gestiegen ist und der Inhalt desselben in seiner ganzen Pracht fast herausgesprungen wäre. „Da war sie schon angefressen.“

In die internationalen Schlagzeilen – und in Konflikt mit dem Protokoll – gelangte Lugner 1997 mit Sarah „Förtschi“ Ferguson, der Herzogin von York. Diese bestand nämlich darauf, in Wien auch von offizieller Seite Willkommen geheißen zu werden. Eine Ehre, die ihr als geschiedenes – und daher nicht mehr – Mitglied des englischen Königshauses nicht zustand. Der englische Botschafter in Österreich wählte den diplomatischen Weg und verabschiedete sich kurzerhand in einen „seit langem geplanten“ Skiurlaub. Die Etikette erlaubte es Ferguson nicht einmal, mit dem damaligen Minister Werner Fasslabend über die Feststiege zu schreiten. Für das Ballfoto wurde die Gruppe aber schließlich trickreich so posiert, dass die Herzogin doch noch neben dem Ressortchef zu stehen kam – und so wenigstens halbwegs ehrenvoll davon kam.

Der Ärger mit liebestollen Künstlerinnen, eisigen Diven und ehemaligen Mitgliedern eines Königshauses wurde im Jahr 2000 von einem politischen Akt in den Schatten gestellt. Nach der Konstellation der FPÖ-ÖVP-Regierung liefen dem Baumeister die potenziellen „Ballspenden“ gleich in Scharen davon. Claudia Cardinale wollte plötzlich ebenso wenig an der Seite Lugners die Veranstaltung besuchen wie Catherine Deneuve. „Ich hatte zeitweise Angst, ganz ohne Gast dazustehen“, sagte Lugner.

Zu guter Letzt hatte der Baumeister aber dann gleich zwei Gäste. Jacqueline Bisset entschloss sich, nachdem sie mehrmals auf dem Weg zum Flughafen wieder umgedreht hatte, doch noch dazu, nach Wien zu fliegen. Und Nadja Abdel Farrag hatte von Anfang an wenig Zicken gemacht. Das Ereignis selbst ging dafür problemlos über die Bühne.

Der Gast 2001, Farrah Fawcett, dürfte sich dagegen wie ein Spaziergang ausgenommen haben. Auch wenn der Ex-Engel für Charlie mit schwierigem Manager sowie liebes- und drogentollem Sohn nach Wien gereist war, der partout nicht von „Mausis“ Seite weichen wollte. Andie MacDowell sorgte 2004 erwartungsgemäß für keinerlei Ausrutscher am gesellschaftlichen Parkett. 2005 musste Lugner mit dem ehemaligen Spice-Girl Geri Halliwell den wohl größten Fehlgriff hinnehmen: Nicht nur, dass sie in der Öffentlichkeit kaum bekannt war, zeigte sie auch keinerlei Engagement, irgendetwas zu erfüllen, was nicht vertraglich extra ausverhandelt worden war.

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