Luca Toni zeigt schon im Training auf

Luca Toni fällt im Training der Squadra Azzurra in der Südstadt nicht nur wegen seiner Größe (197 cm) auf - sondern auch durch Tore.

Gegenüber seinen durchwegs schnellen, beweglichen Mitspielern wirkt der Bayern-Torjäger langsam, unbeweglich und hinterlässt den Eindruck, als ob ihn das Ganze nicht sonderlich interessieren würde. Doch der Eindruck trügt, falls es zumindest einigermaßen ernst wird. Im Trainingsspiel am Donnerstagabend – wie immer mit dem gesamten Kader auf halbem Spielfeld – demonstrierte der 34-Jährige seine Qualitäten, schoss gleich drei Tore, das tollste gelang allerdings Massimo Ambrosini mit einem tollen Volley-Knaller.

Zurück zu Toni: Zwei erzielte er mit dem Fuß (eines davon volley) und das dritte mit dem Kopf. Kein Wunder, dass der Mann mit der Nummer neun bei seinen Kollegen und natürlich auch beim Commisario Tecnico, Roberto Donadoni, einen Stein im Brett hat und Fixstarter ist. Denn bei aller Wertschätzung für die tricksenden, technisch brillierenden De Rossi, Pirlo, Camoranesi, Cassano usw., Spiele werden eben durch Tore entschieden. “Toni macht den Unterschied”, hieß es daher auch immer wieder in der vergangenen Saison nach Bayern-Spielen.

Mit 23 Treffern war der Italiener ja gleich in seinem ersten Bundesliga-Jahr Schützenkönig geworden. “Luca ist auch für uns sehr wichtig,” betonte daher auch Marco Materazzi. In 34 Länderspielen hatte Toni 15 Mal getroffen, bei der EURO sollten etliche dazukommen. Dass Toni gerne ein Duell mit dem Land seines Arbeitgebers hätte, ist kein Einzelwunsch. Denn, wie sagte doch Materazzi: “Treffen wir auf Deutschland, dann sind wir im Finale.”

Weltmeister Materazzi ist nun hungrig nach dem EM-Titel

Am 9. Juli 2006 im Berliner Olympiastadion ist Marco Materazzi weltweit zu einer Art Negativfigur geworden. Ausgerechnet am Tag seines größten sportlichen Erfolges, als er mit der italienischen Nationalmannschaft durch einen im Penalty-Schießen errungenen Finalsieg gegen Frankreich Fußball-Weltmeister wurde.

Zwar war zunächst der grimmige Squadra-Verteidiger das Opfer, als er in der Verlängerung durch einen überraschenden und wuchtigen Kopfstoß von Zinedine Zidane kurzfristig k.o. ging und der Superstar dafür ausgeschlossen wurde. Doch die persönlichen, familienbezogenen Schimpfworte, die der Franzose zu seiner für einen Profi – noch dazu in einem derart bedeutenden Match – ungewöhnlichen und unentschuldbaren Aktion verleitet hatten, machten Materazzi nicht nur in Frankreich für lange Zeit zum Buhmann.

Nun ist der fast 35-jährige Abwehrrecke, der im WM-Finale mit einem Kopfball den Elfer von Zidane egalisiert und im Elferschießen zum 2:1 für die Italiener getroffen hatte, wieder im Aufgebot der nach dem EM-Titel (“Ich bin auch hungrig auf diese EM”) jagenden Squadra. Mit sehr guten Chancen wieder zum ersten Aufgebot zu gehören, vor allem, nachdem Fabio Cannavaro (“wie ein Zwilling von mir seit unserer gemeinsamen Inter-Zeit, seine Verletzung schmerzte auch mich”) in der Innenverteidigung ausgefallen ist. Bei der WM war Materazzi übrigens erst durch eine Blessur von Nesta in die Stammelf gekommen.

Der 40-fache Teamspieler kam mit dem zweiten Scudetto in Folge im Gepäck und als einziger Akteur von Meister Inter Mailand nach Baden ins EM-Quartier der Squadra. Etwas, dass Materazzi aber nicht zu stören scheint. “In Deutschland war ich auch der einzige von Inter, denn Fabio Grosso, der ein Jahr später zu Olympique Lyon weiterwanderte, kam damals erst im Sommer von Palermo zu uns,” meinte der Verteidiger, der sich “nicht allein fühlt, diese Mannschaft ist ja seit längerer Zeit schon zusammen”.

Gegen Rumänien und Frankreich wird Materazzi (“In dieser Gruppe kann jeder weiterkommen”) allerdings auf Klubkollegen treffen. Für die Rumänen “spielt mein guter Freund Christian Chivu, ein sehr guter Spieler” und für den Vize-Weltmeister Patrick Vieira. Dann gibt es ja auch im schwedischen Team Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic von den Mailändern. Von den Treffen mit den Franzosen (in der Qualifikation fehlte er in beiden Spielen) will der Verteidiger derzeit noch nichts wissen, “unsere volle Konzentration gilt dem Eröffnungsspiel am Montag in Bern gegen die Niederlande”. Das werde schwer genug. “Die Holländer sind sehr gut organisiert und wir müssen voll ins Laufen kommen, wollen wir sie schlagen”, so Materazzi, der gegen Ruud von Nistelrooy (“darüber bin ich heilfroh, denn er ist schwer zu decken”) noch nie gespielt hat.

Das hat er allerdings gegen Siena mit Alex Manninger, an dem er im letzten Heimspiel der vergangenen Saison mit einem Elfer gescheitert war und damit die Chance auf den vorzeitigen Titelgewinn vergab. “Da habe ich zu überhastet geschossen”, erzählte Materazzi am Freitag in der Casa Azzurri. Der vergebene Penalty hätte ihm viel Kritik eingetragen, auch war seine Form (auch physisch) in dieser Zeit nicht die Beste gewesen.

“Nun bin ich aber in guter Verfassung, genauso wie vor zwei Jahren. Wir arbeiten hier in Österreich sehr gut und ich bin bereit für die Aufgabe, falls mich Roberto Donadoni nominiert. Es verschafft mir Adrenalin, wenn ich ums Leiberl kämpfen muss”, so Materazzi, der wie auch seine Kollegen “in der Squadra einen sehr guten Teamgeist feststellt”.

Dass Medien und auch die Öffentlichkeit seit Jahren nicht immer gut über ihn schreiben bzw. reden, ist Materazzi gewöhnt. So werden auch immer wieder alte Filme über ihn gezeigt, in denen die eine oder andere harte Attacke von ihm zu sehen ist. “Wenn ich in einigen Jahren zu spielen aufhöre, werden sie sich einen anderen als Buhmann suchen”, glaubt er. Dass ihn immer wieder welche als “Hurensohn” beschimpfen, hatte Materazzi schon vor Jahren bitter beklagt. Umso mehr, als der 12-jährige Fabio seine Mutter durch eine Krebserkrankung verloren hatte.

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