Älteste Österreicherin feiert 110. Geburtstag mit Kalbsbraten

Die älteste Österreicherin ist ein Christkind: Hermine Nistler, geboren am 24. Dezember 1900 in Wien-Favoriten, begeht am morgigen Freitag ihren 110. Geburtstag.
Gefeiert wurde die Jubilarin bereits am Donnerstag in einem Pensionistenheim im Bezirk Landstraße, wobei sich unter die Gratulanten auch Politprominenz – allen voran Bürgermeister Michael Häupl (S) – gesellte. Zu ihrem runden Jubiläum am Heiligen Abend wünscht sich die Wienerin ihre Leibspeise Kalbsbraten. “Den hab ich schon lang nicht mehr gehabt”, sagte Nistler.

Seit ein paar Tagen schleppt die Jubilarin, die den Zerfall der Monarchie und zwei Weltkriege miterlebte, eine leichte Grippe mit sich herum. Trotzdem ist sie geistig und körperlich noch immer fit. Im Pensionistenheim wohnt Nistler erst seit eineinhalb Jahren. Zuvor habe sie alleine in ihrer Wohnung in Wien gelebt, denn es wäre ihr immer wichtig gewesen, ihr Essen selbst zuzubereiten, erzählte ihr 61-jähriger Enkelsohn Otto. “Nach der Schule bin ich oft zu ihr gegangen und da gab es immer die leckeren Germknödel oder Powidltatschkerl”, schwärmte Otto. Neben dem Kochen liebt es die älteste Wienerin Karten zu spielen, ganz besonders eine Runde Tarock. Als ihre Lieblingsfernsehserie nennt sie die Telenovela “Sturm der Liebe”, die immer nachmittags läuft.

Nistler ist in ihrem Leben viele Male umgezogen. Kurz nach dem Tod ihrer Eltern, die an Tuberkulose erkrankt waren, kam sie als Achtjährige zur Großmutter. Mit 14 Jahren wurde sie gemeinsam mit ihrer älteren Schwester als Dienstmädchen nach Neudorf bei Staatz geschickt. “Eigentlich wollte sie Schneiderin oder Lehrerin werden, aber der Erste Weltkrieg kam dazwischen”, erzählte ihre 85-jährige Tochter Eleonore. In Neudorf lernte sie dann den Zimmermaler Josef kennen, den sie 1923 heiratete. Mit ihm hatte sie zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Der schlimmste Tag in ihrem Leben sei gewesen, als ihr Sohn Friedrich mit 23 Jahren im Zweiten Weltkrieg starb, sind sich ihre Enkel einig.

Nach Wien kehrte sie mit ihrer Familie 1928 zurück. Ihre beiden Enkelkinder Otto und Gerda erinnerten sich an den schönen Schrebergarten der Oma am Laaer Berg. Bis noch vor wenigen Jahren sei sie im Garten gestanden und hätte es geliebt, sich um ihre Blumen zu kümmern. Auch wäre sie nach dem Tod ihres Mannes 1963 viel mit ihrer Tochter verreist. “Vor allem Busreisen haben wir gemeinsam gemacht, von den bayrischen Königsschlössern bis nach Holland”, sagte Tochter Eleonore.

Die zweifache Oma und dreifache Uroma wird morgen, am Heiligen Abend, mit ihren Urenkeln im Pensionistenheim feiern. Eine Überraschungsparty wie zu ihrem 100. Geburtstag sei nicht geplant, sagte Enkeltochter Gerda. Ihr Geheimrezept für ihr hohes Alter: “Die Oma trinkt nicht viel, höchstens zu besonderen Anlässen wie heut ein Gläschen Sekt, und sie hat nie geraucht”, verriet sie.

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