Low Definition Control - Trailer und Kritik zum Film

"Low Definition Control" ist ein Film über Bilder und den Umgang mit Bildern, über bildgebende Systeme und die Macht der Bilder. Es ist ein dystopischer Film, der Anleihen beim Genre-Kino nimmt und Elemente von Science-Fiction- oder Horrorfilmen enthält. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Und es ist ein Film, der den Zuseher zum Nachdenken zwingt und einen länger nicht mehr loslässt. Und dennoch entzieht sich das essayistisch-dokumentarische Werk von Michael Palm, das sich mit Kontrolle und Sicherheitswahn auseinandersetzt und am Freitag (28.9.) im Kino anläuft, einer eindeutigen Definition. Es ist auf jeden Fall ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Ursprünglich hatte Palm einen Kurzfilm über bildgebende Verfahren in der Medizin geplant, wie er im Gespräch mit der APA erzählte. “Die Idee war, ausgehend davon, wie und zu welchem Zweck in der Medizin Bilder gemacht werden, eine Art Bildphilosophie zu entwickeln. Ich bin dann aber schnell draufgekommen, dass man das nicht isoliert diskutieren kann, ohne die anderen Formen von Bildermacht zu untersuchen – also dass man nicht nur den medizinisch-technischen Kontext beleuchtet, sondern auch den Videoüberwachungskontext. Es gibt es ein sehr ähnliches Mindset bei medizinischer Bildgebung und bei Sozialkontrolle.”

Schleichender Kontrollverlust: Michael Palms “Low Definition Control”

Diese Ähnlichkeiten fasst Palm unter dem Begriff “Zukunftsmanagement” zusammen, der stark mit dem Begriff der Angst gekoppelt ist. Jeder Punkt auf dem Bild eines Computertomografen oder dem Ultraschallbild könnte ein “Schläfer” sein, ein Feind in einem selbst – möglicherweise harmlos, aber vielleicht auch nicht. Eine ähnliche Metaphorik findet sich im Überwachungskontext: Eine seltsame Bewegung, ein längeres Warten, alles kann verdächtig sein. Die Unschuldsvermutung ist im Zeitalter des Krieges gegen den Terror einer potenziellen Schuldvermutung gewichen, die Ziele lauten Prävention und rechtzeitiges Erkennen des Risikos.

Über Jahre hinweg hat Palm dazu Interviews geführt, mit Wissenschaftern und Juristen, Ärzten und Theologen. Deren Statements hat er im Tonschnitt thematisch zusammengeführt, auf sieben Kapitel aufgeteilt, immer wieder zueinander in Bezug gesetzt. “Die reden ja üblicherweise nicht miteinander, höchstens in irgendwelchen Ethikkommissionen einmal im Jahr”, so der Regisseur, der sich auf der Tonebene so “ein ideales Symposium” gebastelt hat. Auf der Bildebene kommen die Wissenschafter dagegen nicht vor, dort dominieren grobkörnige Bilder in Schwarz-Weiß, die an Überwachungsbilder erinnern, aber auf 35mm selbst gedreht wurden.

Die Verlinkung von Bild- und Tonebene, die sich beide nicht zwingend aufeinander beziehen, sondern vielmehr eine anspruchsvolle Dialektik erzeugen, muss der Zuseher selbst vollziehen. Im Umgang mit dem umfangreichen Materialkonvolut fordert Palm dann auch eine gewisse Mündigkeit des Bürgers ein. Denn Überwachung funktioniert heute nicht mehr zentralisiert wie bei George Orwell und seinen totalitären Szenarien, ist er überzeugt. “Diese Metapher haut heute nicht mehr hin. Amazon und Facebook wissen heute mehr über mich als das Innenministerium – nur hat man halt das Gefühl, dass man das bis zu einem gewissen Grad steuern kann.”

(APA)

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