LIVE-Blog zur Ukraine am Samstag: Städte im Süden von russischen Truppen beschossen

Geschehnisse in der Ukraine im LIVE-Blog am Samstag. Das Bild von Anfang März zeigt ein Außengebiet von Odessa.
Geschehnisse in der Ukraine im LIVE-Blog am Samstag. Das Bild von Anfang März zeigt ein Außengebiet von Odessa. ©AP (Symbolbild)
Mehrere Großstädte im Süden der Ukraine sind in der Nacht auf Samstag unter Raketenbeschuss von russischen Truppen gestanden, so ukrainische Angaben. Unser LIVE-Blog liefert Einblicke in die Geschehnisse im Land.

In der Stadt Dnipro seien zwei oder drei schwere Explosionen zu hören gewesen, berichtete das Portal "Ukrajinska Prawda" unter Berufung auf die Gebietsverwaltung. Attackiert wurde u.a. auch die Stadt Poltawa im Zentrum des Landes. Russland gab wenig später den Beschuss von zwei Militärflugplätzen nahe Dnipro und Poltawa bekannt.

Angriff auf Krementschuk in Ukraine

Laut dem Regionalgouverneur der Region Poltawa wurden in der gleichnamigen zentralukrainischen Stadt Infrastruktureinrichtungen getroffen. Auch die Stadt Krementschuk sei angegriffen worden, schreibt Dmitri Lunin. Es habe zunächst keine Angaben über mögliche Opfer gegeben.

Beschuss auf Umgebung von Stadt in Ukraine

Die Umgebung der Stadt Krywyj Rih wurde laut "Ukrajinska Prawda"mit Raketenwerfern beschossen. Dabei sei eine Tankstelle in Brand geraten, teilte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, mit. Seinen Angaben nach setzten die russischen Kräfte Mehrfachraketenwerfer vom Typ Grad (Hagel) ein.

Ukrainische Hafenstadt Odessa unter Beschuss

Wie alle Berichte aus den Kampfzonen waren die Angaben nicht unabhängig überprüfbar. Wilkul sagte, der Kreis Krywyj Rih und das Verwaltungsgebiet Dnipropetrowsk insgesamt seien stabil in der Hand der ukrainischen Armee. Am Freitagabend war auch die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer mit Raketen beschossen worden.

LIVE-Blog zur Ukraine am Samstag

Russland: Militärobjekte zerstört

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden bei den neuen Raketenangriffen mehrere Dutzend Militärobjekte zerstört. Demnach wurde nahe der Handels- und Industriestadt Krementschuk, rund 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew, Samstagfrüh ein Benzin- und Diesellager vernichtet.

Zudem seien zwei Militärflugplätze nahe der Stadt Poltawa und in der Nähe von Dnipro außer Gefecht gesetzt worden. Insgesamt seien innerhalb eines Tages 67 militärische Objekte zerstört worden, darunter auch Munitionslager, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. Zudem seien zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 sowie 24 Drohnen abgeschossen worden. Wie alle Berichte aus den Kampfzonen waren die Angaben nicht unabhängig überprüfbar.

Selenskyj erwartet Angriffe im Osten der Ukraine

Der ukrainische Präsident Selenskyj rechnet unterdessen mit heftigen russischen Angriffen im Osten des Landes. "Russische Soldaten werden in den Donbass geholt. Genauso in Richtung Charkiw", sagte der Staatschef in einer Videoansprache in der Nacht auf Samstag. "Im Osten unseres Landes bleibt die Lage sehr schwierig."

Der ukrainische Generalstab teilte mit, dass russische Truppen aus der Sperrzone um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl und aus den angrenzenden Gebieten in Belarus zurückgezogen würden. Sie sollten augenscheinlich in das russische Gebiet Belgorod verlegt werden, von wo der Vorstoß nach Charkiw erfolgt.

Belgorod: Tanklager in Russland ging in Flammen auf

Das britische Militär ging aber davon aus, dass die Explosionen in einem Tanklager und einem Munitionsdepot in Belgorod die Versorgung der russischen Truppen vor Charkiw bremsen. Das teilte das Verteidigungsministerium in einem Tweet mit. Wegen des Angriffs leitete die russische Justiz am Samstag ein Strafverfahren gegen das ukrainische Militär ein. Der Vorwurf laute auf "Terroranschlag". In Belgorod war am Freitagmorgen ein Tanklager in Flammen aufgegangen. Örtliche Behörden schrieben dies dem Angriff zweier ukrainischer Kampfhubschrauber zu. Quellen in Kiew äußerten sich ausweichend. Tage vorher hatte es in Belgorod Explosionen in einem Munitionslager gegeben.

Mariupol: Rotes Kreuz gibt Evakuierung nicht auf

Das Rote Kreuz gab die Hoffnung auf eine Evakuierung der von der russischen Armee in Schutt und Asche gelegten Hafenstadt Mariupol nicht auf. Man werde am Samstag einen neuen Versuch starten, um Zivilisten aus der Stadt zu bringen. Am Freitag musste ein Konvoi von 54 ukrainischen Bussen und Autos des Roten Kreuzes aus Sicherheitsgründen allerdings umkehren, auch zuvor schon waren Evakuierungsversuche gescheitert. Wiederholt waren geplante Feuerpausen nicht eingehalten worden. Die Menschen, die es doch irgendwie aus Mariupol nach Saporischschja geschafft haben, berichteten von Schikanen. Russische Soldaten hätten sie wiederholt aufgehalten und nach ukrainischen Kämpfern gesucht.

Ukrainische Luftwaffe: Himmel nicht in russischer Hand

Die ukrainische Luftwaffe sieht unterdessen nach Angaben ihres Kommandeurs trotz schwerer russischer Angriffe den Himmel über der Ukraine weiter in ihrer Hand. "Der Feind hat den ukrainischen Himmel nicht kontrolliert und kontrolliert ihn nicht", sagte Generalleutnant Mykola Oleschtschuk. Der Generalstab in Kiew veröffentlichte die Äußerungen am Freitagabend auf Facebook.

Russland habe nach dem Angriff am 24. Februar versucht, die ukrainische Luftwaffe auszuschalten. Dies sei nicht gelungen. Mittlerweile greife die russische Luftwaffe weniger mit Flugzeugen an, sondern bombardiere aus der Distanz mit Raketen. Oleschtschuk forderte von Verbündeten der Ukraine modernere Waffen, darunter Jagdflugzeuge und Flugabwehr-Raketensysteme mittlerer und großer Reichweite. Die Waffen könnten auch ausländischer Bauart sein.

Die Aussagen des Generalleutnants zur verbliebenen Stärke der ukrainischen Luftwaffe waren nicht unabhängig überprüfbar. Seine Truppe hat Verluste erlitten. Oleschtschuk äußerte sich aber an dem Tag, an dem zwei mutmaßlich ukrainische Hubschrauber ein Tanklager in der russischen Stadt Belgorod in Brand geschossen hatten.

Forderung nach Flugverbotszone über Ukraine

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zu Beginn des Kriegs mehrfach gefordert, die NATO solle eine Flugverbotszone über der Ukraine einrichten. Die NATO lehnte dies ab, um Kämpfe zwischen Flugzeugen Russlands und des westlichen Bündnisses zu vermeiden.

Ukrainische Angaben: Austausch mit Russland

Ukrainischen Angaben zufolge kam es indes zu einem weiteren Gefangenenaustausch mit Russland. Die russische Seite habe 86 ukrainische Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft freigelassen, teilt ein Regierungsvertreter mit. Wie viele Russen im Gegenzug auf freien Fuß gesetzt wurden, war zunächst nicht bekannt. Der Austausch sei das Ergebnis der andauernden Friedensverhandlungen gewesen.

USA wollen Ukraine Waffen zukommen lassen

Das US-Verteidigungsministerium will der Ukraine unterdessen weitere Waffen im Wert von 300 Millionen Dollar (270 Millionen Euro) zukommen lassen. Unter anderem soll das neue Paket verschiedene Drohnen, Raketensysteme, gepanzerte Fahrzeuge, Munition, Nachtsichtgeräte, sichere Kommunikationssysteme, Maschinengewehre, medizinische Güter und die Bereitstellung von kommerziellen Satellitenbildern umfassen, wie das Pentagon am Freitagabend (Ortszeit) mitteilte.

Nach Ausbruch von russischem Angriffskrieg: US-Zusage an Ukraine

Die US-Regierung hat der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs bereits Militärhilfen und Waffenlieferungen im Wert von 1,65 Milliarden US-Dollar zugesagt. Seit Anfang vergangenen Jahres summieren sich die US-Hilfen auf 2,3 Milliarden Dollar.

Die vom Pentagon angekündigten neuen Waffenlieferungen dürften allerdings etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Bei dem Vorgang handelt es sich nicht um die Übergabe von Waffen und Systemen, die bereits im US-Besitz sind, sondern um Aufträge an die Hersteller. Der Schritt stelle "den Beginn eines Prozesses dar, um den ukrainischen Streitkräften neue Fähigkeiten zukommen zu lassen", hieß es.

Hilfe für Ukraine

Parallel werde weiter mit den Verbündeten gearbeitet, um der Ukraine weitere Waffenlieferungen zukommen zu lassen. "Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die ukrainischen Streitkräfte angesichts des russischen Angriffs zu unterstützen", teilte das Pentagon mit. Der US-Kongress hatte erst im März einen Haushalt beschlossen, in dem bis Ende September 13,6 Milliarden Dollar humanitäre, wirtschaftliche und militärische Hilfe für die Ukraine vorgesehen sind.

Offenbar wollen die USA zusammen mit Verbündeten auch Panzer aus sowjetischer Produktion an die Ukraine liefern. Diese sollten die Verteidigung in der Donbass-Region stärken, schreibt die "New York Times" unter Berufung auf einen US-Beamten. Die Panzer sollten bald dorthin gebracht werden. Das US-Verteidigungsministerium lehnte einen Kommentar ab, das US-Präsidialamt gab zunächst keine Stellungnahme ab.

(APA/Red)

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