Lipizzaner der Hofreitschule in Wien haben zu wenig Bewegung

Der RH ortet einen Bewegungsmangel bei den Lipizzanern.
Der RH ortet einen Bewegungsmangel bei den Lipizzanern. ©APA/ROBERT JAEGER
Laut einem Bericht des Rechnungshofs herrscht bei den Lipizzaner-Hengsten der Spanischen Hofreitschule in Wien Bewegungsmangel. Eine Verbesserung der Haltungsbedingungen wird gefordert.

Laut Prüfern geht aus Aufzeichnungen nicht hervor, ob die in der Innenstadt untergebrachten Tiere täglich bewegt wurden. Die Prüfer bemängelten zudem, dass in Vorführungen Pferde eingesetzt wurden, deren körperliche Konstitution dies nicht zuließ. Laut Hofreitschule wurde die Situation ab 2019 verbessert.

Lipizzaner wegen wirtschaftlichen Drucks zu oft eingesetzt

Der Bericht brachte zutage, dass aufgrund des wirtschaftlichen Drucks Hengste so oft eingesetzt wurden, das sich dies zulasten der Gesundheit der Pferde auswirkte. Die wirtschaftliche Lage erforderte immer mehr Vorführungen, die Zahl der Pferde blieb aber nahezu unverändert. 382 Tiere betrug der Bestand 2019. Die Pferdehaltung in der Stallburg der Wiener Hofburg entsprach aufgrund der baulichen Gegebenheiten und der fehlenden Flächen zur freien Bewegung nur eingeschränkt den heutigen Anforderungen des Tierschutzes, kritisierte der Rechnungshof. Das führte laut Rechnungshof neben anderen Faktoren dazu, dass die Hengste krankheitsbedingt früher nicht mehr eingesetzt werden konnten. Außerdem war die Belüftungsanlage seit Jahren außer Betrieb, die Belüftung erfolgte nur über die Fenster und Tore. Im Sommer 2021 haben die Lipizzaner Koppeln im Burggarten bekommen.

Spanische Hofreitschule kämpft auch mit finanziellen Problemen

Neben den schlechten Haltungsbedingungen der Tiere hat die Spanische Hofreitschule auch finanzielle Probleme, und das bereits seit dem Jahr 2001. Der Rechnungshof hält im Bericht kritisch fest, dass die Hofreitschul-Gesellschaft im Jahr 2014 sogar in ihrem wirtschaftlichen Bestand gefährdet war. Seit 2009 erhält die Gesellschaft vom Landwirtschafsministerium jährlich eine Zuchtförderung, die wirtschaftlich gesehen einen unverzichtbaren Teil der Einnahmen darstellt.

Der RH bemängelte nun, dass die Zusage eines jährlichen finanziellen Zuschusses von bis zu einer Million Euro keine mittelfristige Planungssicherheit gewährleistet. Dem Ministerium wird deshalb empfohlen, die jährlichen finanziellen Zuschüsse in Form einer Förderung durch eine mehrjährige Basisabgeltung zu ersetzten, analog zu Regelungen für andere Kultureinrichtungen wie Museen oder Bundestheater. Außerdem empfehlen die Prüfer dem Landwirtschaftsministerium mit der Hofreitschule eine verbindliche mehrjährige Leistungsvereinbarung zur effizienten Leistungserbringung und Finanzierung abzuschließen.

Die Spanische Hofreitschule - Lipizzanergestüt Piber ist eine Gesellschaft öffentlichen Rechts und steht zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich. Der vom RH überprüfte Zeitraum umfasste die Jahre 2014 bis 2019. Außerdem berücksichtigten die Prüferinnen und Prüfer aktuelle Entwicklungen im Jahr 2020, so etwa die Auswirkungen der Corona-Pandemie, wie es im Bericht heißt. Angesichts der Pandemie wurde dem Unternehmen empfohlen, das Konzept einer umfangreichen Neubetrachtung und Überarbeitung zu unterziehen. Die Abhängigkeit vom internationalen Städtetourismus wäre zu reduzieren und die Öffnung für das einheimische Publikum zu forcieren.

42 Empfehlungen abgegeben

Insgesamt 42 Empfehlungen gab der Rechnungshof an das Landwirtschaftsministerium sowie die Hofreitschule ab. So soll beispielsweise der Trainingsplan an geltende pferdesportmedizinische Standards angepasst werden.

"Viele Aktivitäten" zum Wohl der Lipizzaner angestoßen

Die Hofreitschule betonte in einem schriftlichen Statement am Freitagabend, dass sich der Bericht auf die Jahre 2014 bis 2019 bezieht und mit der Übernahme der Geschäftsführung durch Sonja Klima im März 2019 "viele Aktivitäten" zum Wohl der Lipizzaner initiiert wurden. "Die Schulhengste in der Stallburg absolvieren ein Trainingsprogramm von 7.00 Uhr bis 12.30 Uhr mit den Bereitern und werden in der großen Winterreithalle oder in der Sommerreitbahn bis ca. 13.00 Uhr bewegt", was für Pferde vergleichsweise sehr viel sei.

Wenn von den 72 Schulhengsten einige nicht in der Winterreithalle trainieren, kommen sie in die Schrittmaschine - laut Hofreitschule die größte der Welt - im Innenhof zu einem 30-minütigen Work-out. Die Pferde würden auch gleichzeitig in zwei Reithallen täglich außer Montag bewegt. Ebenfalls täglich außer Montag und bei sehr kaltem und nassem Wetter und an Vorführungstagen gehen zwei bis drei Gruppen Bereiter und Pferde in der Früh in den Burggarten zum Ausritt. Alle acht Wochen wechseln die Schulhengste in einer Rotation ins Trainingszentrum Heldenberg. "Dort haben die Pferde große Koppel, Paddocks, natürlich Ausritte in der Natur und entspannen sich", wurde betont. Zudem sei u.a. eine fixe Tierärztin aufgenommen worden.

(APA/Red)

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