Lieder und Geschichten der Roma von Wien

Harri Stojka &copy APA
Harri Stojka &copy APA
Neues Buch „Legenden der Lowara“ - Mongo Stojka (Mutter von Top-Gitarrist Harri Stojka) betreibt kulturelle Spurensicherung - Lowara-Stamm wurde von Nazis beinahe ausgerottet.

Rund acht Millionen Roma und Sinti leben in Europa – ein großer Teil von ihnen künftig als EU-Bürger. Von den Nationalsozialisten wurden sie als minderwertige Volksgruppe verfolgt und viele von ihnen ermordet. 200 Personen umfasste die Großfamilie der Stojkas, in Österreich lebende Angehörige des Lowara-Stammes. Bis auf fünf halbwüchsige Kinder und ihre Mutter überlebte kein Familienmitglied. In dem autobiografischen Band „Papierene Kinder“ (2000) beschrieb Johann „Mongo“ Stojka (geb.1929) die Geschichte und das Leid seiner Familie. Nun hat er unter dem Titel „Legenden der Lowara“ Lieder und Geschichten der Roma von Wien herausgegeben.

Die Stojkas sind aus dem heimischen Kulturleben kaum wegzudenken. Mongos Schwester Ceija ist eine bekannte Autorin („Leben im Verborgenen – Erinnerungen einer Roma-Zigeunerin“ u.a.), Malerin und Sängerin, der im Vorjahr verstorbene Karl hat als Maler versucht, die Gräuel des Nationalsozialismus zu verarbeiten, und Sohn Harri Stojka ist einer der Spitzen-Gitarristen der österreichischen Szene. Die fast vollständig zerstörte Kultur seines Stammes, mit ihren überlieferten Traditionen, Geschichten und Liedern, hat Mongo Stojka auf vielen Notizbüchern festgehalten.

Support von Ernst Molden

Unterstützt von dem Wiener Schriftsteller und Liedermacher Ernst Molden hat er aus den Aufzeichnungen eine Auswahl getroffen. Die Texte belegen die lange Geschichte der Roma, handeln von ihrer Lebensart und ihren Problemen. Um auch die Sprache zu bewahren sind die Lieder und Sprüche (etwa „schau den menschen in die augen / dann siehst du ihnen ins herz“) auf Deutsch und Romanès nachzulesen.

„Heute versuchen die Wissenschaftler der Gazhe (Nicht-Roma, Anm.) unsere Sprache auf der ganzen Welt zu erforschen, aber sie tun sich bereits schwer, denn das echte Romanès haben die Roma in vielen Ländern schon vergessen, weil es ihnen so lange verboten wurde. Wir Lowara, die wir diese Sprache noch perfekt sprechen und verstehen, sind sehr stolz darauf.“

Mongo Stojka: „Legenden der Lowara“, Deuticke Verlag, Euro 19,90

Redaktion: Bernhard Degen

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