Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Lieber Leben - Trailer und Kritik zum Film

Am Anfang von "Lieber Leben" regt sich ein großer Zeh. Was banal klingt, ermöglicht dem nach einem Unfall fast vollständig gelähmten Benjamin die Verlegung vom Spitalsbett ins Reha-Zentrum. Hier wird er gehen lernen, Freunde finden, sich neue Ziele stecken - wie einst Fabien Marsaud alias Grand Corps Malade, der seine Erfahrung nun als lebensbejahende Tragikomödie verfilmt hat.

Nach einem missglückten Sprung in ein Schwimmbecken steht der 20-jährige begeisterte Sportler Benjamin (Pablo Pauly) vor einer ungewissen Zukunft. Inkomplette Querschnittslähmung lautet die Diagnose, die manch anderem Patienten im Rehabilitationszentrum nur ein müdes Lächeln entlockt. Alles ist besser als “komplett”.

Lieber Leben – Die Handlung

Nicht in der Lage, eigenständig zu essen, zu duschen oder aufs Klo zu gehen, fühlt sich Ben ausgeliefert – der tollpatschigen Krankenschwester Christiane und dem überenthusiastischen Pfleger Jean-Marie ebenso wie dem ständig laufenden Home-Shopping-Kanal, der Käsereiben und Fitnessgeräte anpreist. Kaum wird Ben beim aufrechten Sitzen nicht mehr schwindlig, kann er sich im elektrischen Rollstuhl endlich seinen eigenen Weg durch die Räumlichkeiten bahnen. Hier trifft er auf gleichaltrige Patienten, die teils seit Unfällen, teils seit ihrer Kindheit in unterschiedlichstem Maße beeinträchtigt sind.

Zu den “alten Reha-Hasen” zählt Farid (heimlicher Star mit ansteckendem Dauergrinsen: Soufiane Guerrab), der mit Benjamin den Galgenhumor teilt; und auch bei Toussaint (Moussa Mansaly) und Steeve (Franck Falise) rennt meist der Schmäh. Die Neckereien beim Mittagessen – “Reich mir mal das Salz” -, das kollektive Joint-Rauchen und “Rollstuhlboxen”, Witze über unattraktive Stützstrümpfe und Anti-Wund-Socken machen den Alltag zwischen Langeweile und schmerzhafter Physiotherapie für alle erträglicher. Und dann bahnt sich auch noch was zwischen Ben und der Neuen, Samia (hätte mehr Text verdient: Nailia Harzoune), an.

Während Ben kontinuierlich kräftiger wird, bald selbst den Telefonhörer ans Ohr halten und die Gabel zum Mund führen kann, werden andere mit der Aussicht auf ein Leben im Rollstuhl konfrontiert. Der Wille weiterzumachen, stellt er fest, ist an Hoffnung gekoppelt. Und als er selbst erfährt, dass er trotz aller Fortschritte nie wieder wird Basketball spielen können, vergeht sogar ihm das Lachen.

Lieber Leben – Die Kritik

Von “espoir adapte”, an die Umstände angepasster Hoffnung, singt Marsaud im Abspann. Mittlerweile als Poetry-Slammer unter dem Pseudonym Grand Corps Malade (übersetzt “großer kranker Körper”) im französischen Sprachraum erfolgreich, überträgt er sie höchst authentisch auf die Leinwand, diese Zeit des Übergangs, des Zurechtfindens und Kämpfens mit der neuen Situation als mobil eingeschränkter Mensch und der damit verbundenen Stigmatisierung.

Sein Debütfilm, gemeinsam geschrieben mit Fadette Drouard und einfühlsam inszeniert mit Co-Regisseur Mehdi Idir, lebt stark von Marsauds persönlichen Erfahrungen: 1997 wurde ihm 20-jährig nach einem Schwimmunfall bescheinigt, möglicherweise nie wieder gehen zu können; heute ist er auf eine Krücke angewiesen. Benjamin ist ihm nachempfunden – und die Kamera dementsprechend nah am Protagonisten dran; ist subjektiv, wenn der Zuseher wie er die ersten Minuten nur an die Decke blickt, bleibt statisch im Raum, als er diesen nicht verlassen kann, und wird zunehmend beweglicher, als er an Mobilität gewinnt. Das lässt das Gefühl des “eingeschlossen seins” und des fehlenden Zeitgefühls gut nachempfinden.

Jungdarsteller Pablo Pauly hat sich, wie auch seine Co-Darsteller, den eingeschränkten Bewegungsradius eindrücklich erarbeitet; nicht zuletzt wurde in jenem Reha-Zentrum geprobt und gedreht, in dem Marsaud selbst eineinhalb Jahre verbracht hat. Ganz generell kann man sich dem Esprit und der Spielfreude des jungen, talentierten Ensembles nur schwer entziehen. Es trägt zu einem (wenn auch nicht rundum) gelungenen Regiedebüt bei, das leider im letzten Drittel an Intensität verliert und manch aufgebrachte Stränge nicht wieder aufgreift. War es Marsauds “angepasstes Ziel”, eine humor- und hoffnungsvolle Ode an die Ausdauer und den Kampfgeist seiner Protagonisten zu kreieren, so hat er das erreicht. Und das, ohne in Pathos abzugleiten.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Lieber Leben”

(APA)

  • VIENNA.AT
  • Kino-News und Kinotrailer
  • Lieber Leben - Trailer und Kritik zum Film
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen