Libyen fährt Ölproduktion rasant wieder hoch

Derzeit werden 700.000 Fass gefördert. Bis Ende 2012 sollen es zwei Millionen sein.
Derzeit werden 700.000 Fass gefördert. Bis Ende 2012 sollen es zwei Millionen sein. ©dapd
Nach den politischen Umwälzungen und dem Tod des Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi im Oktober kämpft sich die Übergangsregierung in Libyen zurück in die Normalität. Der Wiederaufbau wird kostspielig, doch das Land ist reich an Rohstoffen und fährt die Ölproduktion seit Anfang September zügig wieder hoch. Derzeit werden wieder 700.000 Fass (zu je 159 Liter) pro Tag gefördert.

“Im Gegensatz zu Ägypten hat unser Land, in dem sechs Millionen Menschen leben, keine wirtschaftlichen Probleme”, sagte der politische Aktivist und ehemalige Vertreter des Übergangsrates in Großbritannien, Guma Al-Gamati am Mittwoch vor Journalisten in Wien und verwies auf Geldreserven im Volumen von mehr als 200 Mrd. Dollar. Davon sind allerdings rund 160 Mrd. Dollar im Ausland eingefroren.

Freigabe eingefrorener Gelder gefordert

Al-Gamati drängte auf eine möglichst rasche Freigabe der Gelder, die derzeit der Kontrolle der Vereinten Nationen unterstehen. “Es ist für uns lebenswichtig, Zugang zu dem Geld zu haben – wenn die internationale Staatengemeinschaft will, dass die Veränderungen in Libyen erfolgreich durchgezogen werden, dann muss sie den Libyern schnell Zugang zu dem Geld gewähren – nicht erst in den kommenden Monaten, sondern in den kommenden Wochen”, so sein Appell. Die Regierung brauche das Geld für Spitäler, Schulen, die Energieinfrastruktur und die Wasserversorgung.

Libyen will bis 2015 drei Millionen Barrel fördern

Die Ölproduktion sei bisher um 200.000 Fass pro Monat gesteigert worden und soll den Regierungsplänen zufolge bereits im kommenden Jahr zwei Millionen Fass pro Tag erreichen, berichtete der Geschäftsmann Husni Bey, der laut Wirtschaftskammer Österreich über 120 ausländische Firmen in Libyen vertritt. Bis 2015 soll die Ölfördermenge – je nach Quotenvorgaben der OPEC (Organisation erdölfördernder Länder) – auf drei Millionen steigen. So viel hatte Libyen zuletzt in den 60er Jahren gefördert. 2010 lag der höchste Wert laut Bey bei 1,7 Mrd. Fass. Von der derzeitigen Fördermenge wird fast die Hälfte (300.000 Fass) in Libyen verbraucht, 400.000 Fass werden exportiert.

Österreich gibt 150. Mio Euro frei

Von den libyschen Geldern sind 1,2 Mrd. Euro in Österreich gesperrt. “150 Mio. Euro wurden am 8. September freigegeben und weiteren Geldflüssen steht derzeit nichts im Weg”, betonte der Wirtschaftsdelegierte für Libyen der Außenhandelsorganisation in der Wirtschaftskammer Österreich, David Bachmann.

Leben kehrt zur Normalität zurück

“Drei Monate nach der Befreiung von Tripolis kehrt das Leben zügig zur Normalität zurück – es gibt keine Angriffe, keine Gewalt und kein Töten mehr”, so Al-Gamati. Die Entwicklung verlaufe ganz anders als etwa im Irak, wo man in der Hauptstadt Bagdad nach acht Jahren noch überall auf Checkpoints treffe. “Unsere Situation ist komplett anders – wir haben keine regionalen Konflikte und keinen lodernden Bürgerkrieg.” Unruhe stifteten höchstens noch kleine, vollständig fragmentierte Gruppen, die der Geschäftsmann Bey als “bloß ein paar schlafende Gadaffi-Zellen” bezeichnete.

Wahlen im Juni 2012

“Die provisorische Regierung steht und der politische Übergangsprozess läuft”, so Al-Gamati. Für einen Zeitraum von acht Monaten sei Abdul Raheem al-Keeb als einer von drei Kandidaten zum Interimspremier gewählt worden. Die Regierung soll bis Juni 2012 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung mit 100 Mitgliedern vorbereiten. Dieses Gremium wiederum soll eine Verfassung ausarbeiten, auf deren Grundlage dann innerhalb eines Jahres ein Parlament und ein Präsident gewählt werden. Die feierliche Erklärung zur vollständigen Befreiung des Landes erfolgte am 23. Oktober in Benghazi.

(APA)

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