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Libretto von Nobelpreisträgerin abgelehnt

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Das Opern-Projekt "Der Fall Hans W." nach einem Libretto von Elfriede Jelinek wird nicht produziert. Staatsoperndirektor Holender findet Libretto "schlecht", betont aber die Bedeutung von Jelinek.

Die Wiener Staatsoper wird das gemeinsam mit Paris geplante Opern-Projekt „Der Fall Hans W.“ von Olga Neuwirth nach einem Libretto von Elfriede Jelinek nicht produzieren. „Herr Mortier und ich haben das Libretto abgelehnt, weil wir finden, dass damit nicht einmal eine Komponistin von der Genialität von Frau Neuwirth etwas bringen kann, was wir zeigen wollen“, sagt Staatsopern-Direktor Ioan Holender in einem Interview mit der Info-Illustrierten „News“.

Holender übt Kritik am Libretto

Holender weiter: „Der Brief von Mortier kam zwei Tage, bevor Elfriede Jelinek der Nobelpreis zuerkannt wurde, und ich habe mich dem Brief ausdrücklich angeschlossen. Dass wir das Libretto, das wir schließlich bezahlen sollen, schlecht finden, ist unser Recht und schmälert in keiner Weise die Wichtigkeit von Frau Jelinek, deren Nobelpreis ich auch für einen wichtigen symbolischen Akt betrachte und ausdrücklich begrüße. Ich hätte immer noch gern das ursprüngliche Projekt von Neuwirth und Jelinek, eine Oper über den NS-Psychiater Gross. Wir warten noch auf die Reaktion von Frau Neuwirth.“

Noch vor wenigen Tagen hatte Gerard Mortier, Ex-Intendant der Salzburger Festspiele und nunmehr Intendant der Pariser Oper, in einem APA-Interview unterstrichen, dass die Pläne, die Oper in Paris zu realisieren, nicht gestorben seien. „Wir brauchen allerdings noch Zeit. Der Kontakt zwischen den beiden Künstlerinnen und mir ist aufrecht, demnächst wir es ein Treffen geben, bei dem Details besprochen werden sollen“, so Mortier am 8. Oktober.

Für die weiteren Vorstellungen der „Don Carlos“-Inszenierung an der Staatsoper kündigte Holender in „News“ an, gegen Randalierer entsprechend der Hausordnung des Hauses vorzugehen: „Ich lasse nicht zu, dass eine sehr kleine Minderheit durch unartikuliertes Herumbrüllen den Rest des Publikums terrorisiert. Es steht jedem frei, seine Meinung nach den Akten oder am Ende der Vorstellung zu äußern. Aber es steht niemandem zu, während der Vorstellung zu randalieren.“

Schmieraktionen und Drohbriefe

Holender berichtet auch von weiteren Störungen im Zusammenhang mit der Konwitschny-Inszenierung: „Der Wirbel hat schon am Vormittag durch Schmieraktionen begonnen, Vitrinen wurden verschmiert und mit Aufrufen zu ,anständigem’ Theater überklebt. Die Drohbriefe gegen mich gingen wieder los. Das bin ich seit der Nitsch-Inszenierung gewohnt, das berührt mich wenig. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es sich vermehrt hat. Das ist die braune Konstante in unserem Land.“

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