Leipziger Studenten sorgen für Eklat

Studenten der Leipziger Universität haben am Freitag im sächsischen Landtag eine Unterbrechung der aktuellen Debatte über die Hochschulpolitik erzwungen.

Die zwölf jungen Männer und Frauen waren auf der Besuchertribüne des Landtages und wurden von Landtagspräsident Erich Iltgen (CDU) zur Ordnung gerufen, nachdem sie zwei Mal während der Rede von Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) applaudiert hatten. Als das nichts half, unterbrach Iltgen die Sitzung, woraufhin die Abgeordneten den Plenarsaal verließen.

Mit ihrer Aktion wollten die Studenten auf die Bildungsmisere an den sächsischen Hochschulen aufmerksam machen. Gegen Mittag wurden sie von der Polizei von der Besuchertribüne geholt. Sie mussten ihre Personalien angeben und verließen anschließend den Landtag. Nach Angaben eines Parlamentssprechers wird geprüft, ob Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet werden kann. Die Studenten waren Gäste der PDS-Landtagsabgeordneten Heike Werner, die hochschulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist.

Die 25 Jahre alte Ethnologiestudentin Maria Hetzer aus Leipzig rechtfertigte die Aktion im Landtag damit, dass „wir in einer Demokratie leben und nicht einfach heruntergebuttert werden können”. Mit Hinweis auf Rößler betonte sie, „dass wir ihn in Leipzig nicht sehen”. Also müsse man zu ihm kommen.

Zeitgleich zu der Aktion im Landtag protestierten vor dem Parlament rund 5.000 Studenten aus Dresden und Leipzig gegen drohende Studiengebühren und gegen die Auswirkungen von Stellenkürzungen an den Universitäten. Sprecher machten darauf aufmerksam, dass nicht nur an den Hochschulen selbst gespart werde, sondern auch bei den Studentenwerken. Patrick Thom, stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat des Studentenwerkes Dresden, sagte, in diesem Jahr gebe es insgesamt nur noch acht Millionen Euro. Das sei ein Drittel weniger als noch vor zwei Jahren.

Der Vorsitzende der PDS-Landtagsfraktion, Peter Porsch, wies darauf hin, dass alleine zwischen 1994 und 1999 rund 1.000 Stellen an den sächsischen Universitäten gestrichen worden seien. Bis Ende des Jahres 2004 seien es weitere 415 Stellen und bis 2008 kämen noch einmal 300 Stellen hinzu. Die Studenten seien die Betroffenen, und die Gesellschaft müsse diese Entwicklung ausbaden. „Deshalb stehen die Studenten heute vor der Tür”, sagte Porsch.

Der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Cornelius Weiss, sagte, dass sich die Stellenkürzungen schon jetzt negativ auf die Universitäten auswirkten. So sei es an der Universität Leipzig gängige Praxis, dass die Plätze für wichtige Seminare ausgelost würden. Wer nicht berücksichtigt werde, müsse unter Umständen ein ganzes Jahr lang warten. Dies bestätigte auch der Sprecher der Universität Leipzig, Volker Schulte, für die Geisteswissenschaften. Die Universität habe rund 30.000 Studenten, könne aber aus personellen und räumlichen Gründen im Durchschnitt nur 25.000 verkraften.

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