Leichtere Adoption für gleichgeschlechtliche Paare

Mehr Rechte, vor allem bei der Adoption, sollen homosexuelle Paare erhalten.
Mehr Rechte, vor allem bei der Adoption, sollen homosexuelle Paare erhalten. ©Bilderbox
Die Stadt Wien will sich dafür einsetzen, dass sich gleichgeschlechtliche Paare künftig ihren Kinderwunsch per Adoption erfüllen können.
300. Verpartnerung in Wien
Erste 'Homo-Ehen' geschlossen

Zu diesem Zweck wird Rot-Grün im November einen Resolutionsantrag im Landtag beschließen, in dem der Bund aufgefordert wird, entsprechende gesetzliche Änderungen vorzunehmen. Kernpunkte des Appells: Verpartnerte Lesben in der “Homo-Ehe light” soll der “Zugang zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung” – also die künstliche Befruchtung – erlaubt werden. Generell soll eingetragenen Partnern die Adoption von Kindern ermöglicht werden.

Kritik an ‘Ehe light’ bei gleichgeschlechtlichen Paaren

 “Das Gesetz (zur Eingetragenen Partnerschaft, Anm.) ignoriert den Kinderwunsch von Schwulen und Lesben völlig”, kritisierte die zuständige WienerStadträtin Sandra Frauenberger (S) am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Sie bedaure zutiefst, “dass wir den Aspekt der Regenbogenfamilien nicht integrieren konnten”. Unter Regenbogenfamilien fallen sowohl homosexuelle Alleinerzieher als auch Formen des Zusammenlebens mit zwei Mamas oder Papas. Die Gleichstellung in Sachen Kinder kannWien auf landesrechtlicher Ebene nicht umsetzen, da sie in der Kompetenz des Bundes liegt.

Derzeit ist es in der Bundeshauptstadt für gleichgeschlechtlich Liebende lediglich möglich, Pflegekinder aufzunehmen. Genaue Zahlen, wie viele Kids bei Homo-Paaren leben, gebe es allerdings nicht, so Frauenberger. Für Deutschland gibt es allerdings Schätzungen, wonach rund 30.000 Schützlinge in schwulen oder lesbischen Familienverhältnissen aufwachsen.

Studie: Keine Probleme bei Kindsentwicklung

Der Kölner Psychologe Dominic Frohn zerstreute heute etwaige Bedenken, dass der Nachwuchs durch derlei Konstellationen in seiner Entwicklung beeinflusst werde. Studien würden belegen, dass die Kinder trotzdem eine klare Geschlechteridentität hätten und nicht häufiger schwul, lesbisch oder bisexuell würden als Altersgenossen in klassischen Vater-Mutter-Kind-Familien. “Sie probieren allerdings mehr aus und sind später sogar gefestigter”, erklärte Frohn. Hinsichtlich der Geschlechterrolle trete zudem ein “breiteres Verhaltensrepertoire” zutage: “Da dürfen Mädchen auch mal aggressiv sein und Buben weinen”, so der Psychologe, der die Lebenssituation von Kölner Regenbogenfamilien wissenschaftlich unter die Lupe genommen hat.

‘Ehe light’ soll echte werden; Adoption erlauben

Frauenberger sprach sich heute einmal mehr für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus. Eine entsprechende Aufforderung an den Bund wird ebenfalls im Resolutionsantrag enthalten sein. Außerdem will die Stadt neben den Regeln zur Adoption das Namensrecht geändert wissen. Derzeit haben gleichgeschlechtliche Paare nämlich offiziell keinen “Familiennamen”, sondern einen “Nachnamen”. Neben dem Verbot der Adoption ist es verpartnerten Menschen – falls sie sich für einen Doppelnamen entscheiden – nämlich nicht gestattet, diesen mit Bindestrich anzuführen.

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