Leiche in Bezirk Baden entdeckt: Verdächtiger soll bei Wiener Polizei arbeiten

Die Fahndung nach einem Polizeibeamten wurde an verschiedenen Tagen durchgeführt.
Die Fahndung nach einem Polizeibeamten wurde an verschiedenen Tagen durchgeführt. ©APA/LUKAS HUTER (Symbolbild)
Am Mittwoch ist in Deutsch-Brodersdorf in der Marktgemeinde Seibersdorf (Bezirk Baden) die Leiche einer Frau entdeckt worden. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Polizeibeamten.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich hat die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen.

Bezirk Baden: Opfer soll Partnerin von Polizeibeamten sein

Beim Opfer soll es sich um die Lebensgefährtin des Mannes handeln. Die 42-Jährige dürfte erdrosselt oder erwürgt worden sein. Nähere Aufschlüsse darüber werde eine gerichtsmedizinische Untersuchung bringen, sagte Schwaigerlehner.

Medienberichten zufolge soll es sich beim Verdächtigen um einen Beamten des Landeskriminalamtes Wien handeln. Seitens der Polizei wurde das vorerst nicht bestätigt. Der leere Wagen des Mannes soll ebenfalls gefunden worden sein.

Fahndung nach Polizeibeamten ging weiter

Die Fahndung nach dem Polizeibeamten (44), der im Verdacht steht, seine Partnerin getötet zu haben, ist am Donnerstag weitergegangen. Die Frau war der Polizei zu Folge am Mittwoch in einem Einfamilienhaus von Angehörigen entdeckt worden. Sie dürfte erdrosselt oder erwürgt worden sein.

Donnerstagmittag lief eine groß angelegte Suche nach dem Verdächtigen im Raum Moosbrunn (Bezirk Bruck a.d. Leitha) an. Dort war noch am Mittwochabend in einem Windschutzgürtel das Auto des 44-Jährigen entdeckt worden. Laut Polizeisprecher Johann Baumschlager waren 75 Beamte örtlicher Dienststellen, der Einsatzeinheit sowie der schnellen Interventionsgruppe aufgeboten. An der Suche beteiligt waren zudem drei Diensthunde und zwei Drohnen.

Die Hinweise auf ein Gewaltverbrechen hätten sich bestätigt, sagte Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner Donnerstagfrüh auf Anfrage. Es werde wegen des Verdachts des Mordes ermittelt. Schwaigerlehner verwies auch darauf, dass eine Obduktion angeordnet worden sei.

Cobra beteiligte sich an Fahndung nach Polizeibeamten

Es gebe in dem Fall keine Hinweise auf eine Gefährdung anderer Personen, sagte der Sprecher weiter. Nicht auszuschließen sei, dass der 44-Jährige seine Dienstwaffe bei sich habe.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich ermittelt. An der Fahndung nach dem in Wien tätigen Polizeibeamten waren auch das Einsatzkommando Cobra und die Bereitschaftseinheit beteiligt.

Betroffenheit bei SPÖ-Frauenvorsitzender

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner zeigte sich über den 22. Femizid in Österreich in diesem Jahr betroffen. Fast jeden Monat würden zwei Frauen von ihren Partnern bzw. Ex-Partnern ermordet. "Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Es braucht dringend nachhaltige Maßnahmen, die diese Gewaltspirale beenden", betonte Holzleitner in einer Aussendung. Sie erneuerte die Forderung nach 228 Millionen Euro für den Gewaltschutz und die Umsetzung der Istanbul-Konvention, 3.000 zusätzliche Vollzeitstellen in den Gewalt- und Opferschutzeinrichtungen sowie die Wiedereinführung von regelmäßigen Fallkonferenzen.

"Außerdem fordern wir SPÖ-Frauen die tägliche Veröffentlichung der Gewaltzahlen in den österreichischen Medien, wir müssen die Gewaltverbrechen gegen Frauen sichtbar machen", so Holzleitner weiter. Konkret sollten Betretungs- und Annäherungsverbote ähnlich der Impfstatistik bzw. Neuinfektionen kundgemacht werden.

"Wir müssen beim Schutz von Frauen endlich mehr machen"

"Wir müssen beim Schutz von Frauen endlich mehr machen - schneller und umfassender! Wer das universelle Problem der Männergewalt nicht erkennt, nicht klar benennen kann, der wird auch nicht die richtigen Maßnahmen setzen", sagte NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung. Der Gewaltschutzsektor sei bis heute chronisch unterfinanziert, die Umsetzung konkreter Gewaltschutzmaßnahmen zu langsam und intransparent.

In einer Aufzählung der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (die sich mit einer Zählung der APA deckt) sind exklusive des jüngsten Falls 21 Frauen in diesem Jahr mutmaßlich durch den (Ex-)Partner oder männliche Personen mit Naheverhältnissen zu den Opfern getötet worden. Darin inkludiert sind ein Mord/Selbstmord, bei dem ein Abschiedsbrief einen gemeinsamen Entschluss nahelegt, ein weiterer Mord und Suizid eines betagten Ehepaars, ein Todesfall, bei dem der Verdächtige enthaftet wurde, weil ein Verbrechen vorerst nicht eindeutig nachgewiesen wurde, sowie der Tod eines 13-Jährigen Mädchens in Wien nach Verabreichung von Drogen und Vergewaltigung.

Gewaltverbrechen an Frauen: Österreich vorne

Österreich liegt bei Gewaltverbrechen an Frauen im europäischen Spitzenfeld. In der EU waren 2019 mehr als ein Drittel der Mordopfer Frauen. In Österreich lag der Anteil bei mehr als 50 Prozent und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt, wie aus Daten der Statistikbehörde Eurostat hervorgeht.

Nur Zypern (67 Prozent), Lettland (63) und Malta (60) verzeichneten demnach einen noch höheren Wert, in Schweden und Estland lag er indes bei 23 Prozent. Die österreichische Bundesregierung hatte im Mai nach einer Serie an Frauenmorden ein Maßnahmenpaket gegen die Gewalt in der Privatsphäre geschnürt. So soll künftig der Datenaustausch zwischen den einzelnen Einrichtungen verbessert, die Fallkonferenzen verstärkt und die Tatmotive besser durchleuchtet werden. Zudem soll jede Polizeiinspektion in ganz Österreich über speziell ausgebildete Präventionsbeamte verfügen.

(APA/Red)

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