Leibnitzer Ermittler hoben österreichweit operierenden Drogenring aus

Die Suchtmittelgruppe Leibnitz hat in mehrmonatiger Arbeit einen in mehreren Bundesländern operierenden Drogenring ausgehoben.
Sieben Verdächtige wurden verhaftet, darunter auch die beiden Wiener Haupttäter im Alter von 58 und 59 Jahren. Die jüngste der fünf Subdealer ist eine erst 16-jährige Grazerin. Insgesamt hat die Gruppierung mit Drogenersatzstoffen und Suchtmitteln mit einem Schwarzmarktwert von zumindest 590.000 Euro gehandelt, gaben die Ermittler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt.

Den Tätern auf die Schliche gekommen waren die Leibnitzer Beamten über die Abnehmer in ihrem Bezirk. Diese verrieten ihre Dealer in Graz, die 16-jährige Abhängige sowie eine 21-Jährige. Diese wiederum sagten bei den Befragungen aus, die Medikamente von den beiden Wiener Haupttätern bezogen zu haben. Auch in Oberösterreich hatten die Männer drei Subdealer: eine 25-jährige Frau und zwei 24-jährige Männer.

Um an die großen Mengen Drogenersatzstoffe zu kommen, fälschte der 58-Jährige Arztbriefe und Rezepte – täuschend echt mit originalen Briefköpfen am Computer. Zudem bastelte sich der Verdächtige detailgenaue Ausweise von verschiedenen Pflegeeinrichtungen. Anschließend tauchte er in jeweiliger selbst kreierter Unternehmenskleidung bei Ärzten auf und gab sich als Pfleger krebskranker Patienten aus, die die zum Teil morphinhältigen Medikamente benötigen würden. Mit den Rezepten ging er dann als Privatperson zu Apotheken und kaufte die Stoffe. Der Verdächtige führte Arztlisten, wo er verzeichnete, wie oft er bei welchen Medizinern war und bei welchen es keine Probleme mit den vorgelegten Fälschungen gab.

Für den Transport und Vertrieb der Ware war der 59-jährige Komplize zuständig. Er fuhr teilweise mehrmals pro Woche mit dem Auto von Wien nach Graz und nach Oberösterreich zu den Subdealern. In weniger als einem Jahr legte der 59-Jährige rund 50.000 Kilometer für Kurierfahrten zurück. “In dringenden Fällen wurden sogar per UPS Pakete verschickt,” erklärte der Leiter der Leibnitzer Suchtmittelgruppe, Anton Paierl.

Die Beamten konnten in sechsmonatiger Arbeit den Handel seit Anfang 2009 mit 20.400 Stück Mundidol oder Substitol, 31.800 Stück Somnubene, 200 Stück Praxiten sowie 4,02 Kilogramm Marihuana und 170 Gramm Haschisch nachweisen. Abnehmer fanden die Täter sogar in der Justizanstalt Karlau, die über Freigänger versorgt wurden. Die Täter konnten einen Reingewinn von etwa 211.000 Euro erwirtschaften. Damit bestritten sie ihren Lebensunterhalt und finanzierten ihre eigene Drogen- bzw. Spielsucht.

Für alle sieben Verdächtigen klickten bereits im September die Handschellen. Sie befinden sich nun in Untersuchungshaft. Rund 100 Abnehmer wurden ausgeforscht und angezeigt. Die Polizei vermutet jedoch, dass es Hunderte weitere Konsumenten gibt, die der Drogenring beliefert hat.

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