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Lehrermangel: Pädagogen sind wieder gefragt!

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Nach Jahren des Abbaus von Lehrer-Dienststellen werden - vor allem in Wien - wieder Lehrer gesucht. In der Bundeshauptstadt hat man derzeit sogar Probleme, in manchen Fächern kurzfristig ausgefallene Pädagogen ohne Rückgriff auf Überstunden nachzubesetzen.

Für das kommende Schuljahr wurde die Möglichkeit geschaffen, auf kurz vor dem Abschluss stehende Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) zurückzugreifen. Für die besseren Jobchancen gibt es mehrere Gründe: Zusätzliche Dienstposten etwa durch die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen, Pensionierungen und – für Wien – eine verstärkte Abwanderung von Lehrern in die Länder.

In Wien gibt es vor allem an Hauptschulen Probleme, wenn kurzfristig Lehrer für Fächer wie Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Musik und Werken etwa durch Krankheit ausfallen, so der Leiter des Personalmanagements im Stadtschulrat, Reinhard Gruden, gegenüber der APA. Zwar gibt es eine Warteliste, mitten im Schuljahr hätten die Personen darauf zur Überbrückung aber oft schon andere Jobs angenommen. Wenn niemand gefunden werde, greift man auf Überstunden anderer Kollegen zurück. Für den Herbst sieht Gruden aber keine Probleme, sämtliche Posten zu besetzen. Dann würden auch neue PH-Absolventen nachkommen.

Der Stadtschulrat hat mit der PH Wien sogar einen Sondervertrag geschlossen, wonach jene angehenden Pädagogen, die nach dem alten Studienplan bereits fertig sind und nun nur mehr ein Semester zur wissenschaftlichen Qualifikation für die Erlangung des Bachelor anhängen müssen, bereits im September angestellt werden, so Rektorin Dagmar Hackl zur APA. Dass nun vermehrt Lehrer gesucht werden, führt sie auf ein Zusammenfallen mehrerer Effekte zurück – einerseits würden durch die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25 mehr Lehrer benötigt, andererseits durch zusätzliche Dienstposten für die Förderung im Integrationsbereich. Dazu käme noch der Umstand, dass derzeit viele Pädagogen in Pension gehen.

Weiterer Grund für die Lehrer-Suche in Wien: Viele würden aus der Bundeshauptstadt nach Niederösterreich oder ins Burgenland abwandern, meinte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler. Entsprechende Ansuchen Wiener Lehrer bestätigt auch der niederösterreichische Landesschulrats-Präsident Hermann Helm. In seinem Bundesland können Abgänge während des Schuljahrs auch problemlos mit Lehrern von der Warteliste nachbesetzt werden. Gleiches gilt für Oberösterreich.

Die Beschäftigungssituation insgesamt sieht Helm aber trotzdem positiv: Durch die Klassenschülerzahl-Senkung seien nicht nur zahlreiche Dienstposten in Niederösterreich gerettet worden, im laufenden Schuljahr wurden darüber hinaus 250 Lehrer neu aufgenommen. Noch nicht ganz abschätzen kann er die Pensions-Entwicklung: Grund ist der “48er-Jahrgang” – diese noch an den Lehrerbildungsanstalten (LBA) ausgebildeten Pädagogen standen bereits mit 19 bzw. 20 Jahren im Klassenzimmer und würden nun nach 40 Dienstjahren unter die Hackler-Regelung fallen – derzeit bekomme er deshalb zahlreiche Pensionsansuchen auf den Tisch.

Dass in Wien mehr Lehrer gesucht werden als in den Bundesländern, hat auch einen demografischen Grund: Im Pflichtschulbereich ist es das einzige Bundesland, in dem die Schülerzahlen nicht sinken.

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