Lehrerin verfolgte Wiener Pfarrer bis in den Beichtstuhl

Ein Wiener Pfarrer ist mit seinen Nerven am Ende. Seit Jahren wird er von einer Lehrerin verfolgt, die ihn "mein Jesus" nennt und eine Liebesbeziehung mit ihm eingehen möchte.

Bis in den Beichtstuhl hat ihn die 58-Jährige bereits verfolgt. Am 10. Dezember 2006 musste ein Gottesdienst abgebrochen werden, weil sie sich am Messkleid des Geistlichen verkrallte und nicht mehr loslassen wollte. Am Freitag wurde im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen die Frau eröffnet, dem die gebürtige Schweizerin allerdings fernblieb.

Dafür erschien der Pfarrer und legte dar, was er seit 1999 mitmacht, als er die Frau an seiner vormaligen Wirkungsstätte in der Nähe von Freiburg im Breisgau kennengelernt hatte. Die Lehrerin nahm dort mit ihren Kindern an kirchlichen Veranstaltungen teil. Schließlich bot sie dem aus Italien stammenden Priester eine Stadtführung und privaten Deutschunterricht an.

Als der Geistliche zu ihr ins Auto stieg, fuhr die Frau sofort auf die Autobahn und versuchte ihn Richtung Schweiz zu “entführen”. Mit einer kleinen List sei es ihm gelungen, den Wagen zu verlassen, berichtete der Gottesmann nun im Grauen Haus.

Seither lässt die Pädagogin nicht von ihm ab. Selbst die Übersiedlung nach Wien hat daran nichts geändert. Täglich fünf bis zehn Anrufe erreichen den Pfarrer, hunderte Mails und Liebesbriefe hat er mittlerweile aus der Schweiz erhalten. Alle paar Wochen erscheint die 58-Jährige in der Bundeshauptstadt und versteckt sich im Gebüsch vor dem Pfarramt, um den Mann abzupassen. Auf seinem Auto hinterlässt sie teils bizarre Schreiben (“Bitte komm zu mir, Herr! Erlöse mich, Herr!”), bei Mitarbeitern pflegt sie Geschenke – Blumen, Bonbonnieren, Rosenkränze und Parfüms – für ihren Angebeteten abzugeben.

Dieser erwirkte schließlich eine einstweilige Verfügung, mit der der Frau sowohl untersagt wurde, sich ihm körperlich anzunähern, als auch auf elektronischem oder postalischem Weg Kontakt aufzunehmen.

Geholfen hat das dem inzwischen verzweifelten Geistlichen (“Meine Lebensführung ist erheblich beeinträchtigt! Bei den Heiligen Messen muss ich Angst haben, dass etwas passiert”) gar nichts. Folglich erstattete er Anzeige. “Die Idee war, dass ein Strafverfahren Schockwirkung hat”, erläuterte sein Anwalt Erich Ehn.

Sonderlich beeindruckt dürfte das die Schweizerin nicht haben. Nach wie vor läute nachts sein Telefon, er wage schon gar nicht mehr abzuheben, offenbarte der Priester.

Da die Angeklagte der Verhandlung unentschuldigt fernblieb und die Justiz dringenden Handlungsbedarf als gegeben erachtet, erwägt die Staatsanwaltschaft die Ausstellung eines Haftbefehls. Tatbegehungsgefahr sei jedenfalls gegeben, hieß es seitens der Anklagebehörde.

 

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