Lehrer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

Die Schulen beginnen am Montag wieder mit Präsenzunterricht.
Die Schulen beginnen am Montag wieder mit Präsenzunterricht. ©APA/ANJA OBERKOFLER
Lehrervertreter kritisierten die Informationspolitik des Bildungsministeriums und fühlen sich im Stich gelassen. SPÖ-Lehrer warnen sogar vor einem "Superspreader-Event" an den Schulen.

Lehrervertreter haben am Donnerstag die Informationspolitik des Bildungsministeriums zur geplanten Rückkehr in den Präsenzunterricht kritisiert. Obwohl diese schon nach den Semesterferien und damit in Wien und Niederösterreich bereits am Montag ansteht, hätten die Schulen bisher keine Anweisungen zur praktischen Umsetzung bekommen. Die Verordnung sei in finaler Abstimmung, alle relevanten Infos seien samt Erlass gerade an die Schulen versendet worden, betont das Ministerium.

Schulstart in Wien und Niederösterreich in Gefahr

Er könne nicht nachvollziehen, dass man so lange warten müsse auf Verordnung, Erlass und Kommunikationsmittel, so der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) am Donnerstag gegenüber der APA. "Das ist äußerst unangenehm, weil damit die ohnehin kurze Vorlaufzeit noch kürzer wird." Die neuen Vorgaben für Schulen - Vollbetrieb an den Volksschulen, Schichtbetrieb in den übrigen Schulen und verpflichtende Testung bei Teilnahme am Präsenzunterricht - wurden erst am Montag bekanntgegeben. Er verstehe deshalb, dass gerade in Wien und Niederösterreich die Verunsicherung groß sei.

Die Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) sieht durch das Vorgehen des Bildungsministeriums sogar einen sicheren Schulstart in Wien und Niederösterreich in Gefahr. Die am Donnerstag ausgeschickten Informationen des Ministeriums würden keine einzige der relevanten Fragen beantworten, kritisiert FSG-Vertreter Thomas Bulant im APA-Gespräch. So sei weiter unklar, wieso Erziehungsberechtigte zu den ersten Testungen am Montag eingeladen werden, obwohl zur Pandemiebekämpfung Sozialkontakte ungetesteter Personen zu vermeiden seien. Offen sei auch, wie Schulen reagieren sollen, wenn Eltern ihre Kinder nicht testen lassen und dennoch in die Schule schicken oder wie Mittelschulen und AHS-Unterstufen trotz Platz- und Personalmangel zusätzlich zum Schichtbetrieb Betreuung für Kinder an deren Hausübungstagen anbieten sollen. "Das ist ein Chaos und ein Kasperltheater der Sonderklasse auf dem Rücken der Kinder und auf dem Rücken der Lehrerinnen."

Test-Chaos in Volksschulen

Besonders erbost reagiert FSG-Vertreter Thomas Bulant auf Pläne, wonach der Montag an den Volksschulen ein Übergangstag werden soll, an dem Mund-Nasen-Schutz getragen wird, und die Testungen erst an den darauffolgenden Tagen stattfinden sollen. Dort wurden die Schüler ja vor den Semesterferien daheim getestet, es gebe für diese daher auch keine Einwilligungserklärungen. Die Folge: Die Kinder würden den ganzen Montag nebeneinander in den Klassen sitzen, wo sie den Mund-Nasen-Schutz abnehmen dürfen und wo sich dann eine mögliche Infektion übertragen könne, warnt Bulant. Oder aber die Übertragung finde statt, wenn die Eltern bei der ersten Testung am Montag in die Schule kommen. "Das heißt, wir machen eine Art Superspreader-Event an den Schulen. Wir lehnen diese Verantwortung ab."

(APA/red)

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