Lebensmittel werden teurer, aber nicht knapp

Österreich droht laut Ministerin Käöstinger kein Versorgungsproblem mit Lebensmitteln.
Österreich droht laut Ministerin Käöstinger kein Versorgungsproblem mit Lebensmitteln. ©APA/FLORIAN WIESER
Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger rechnet zwar mit Preisanstiegen bei Lebensmitteln, die Versorgung sei in Österreich aber derzeit nicht bedroht.

Der Krieg in der Ukraine würde neben "unfassbarem menschlichem Leid" auch gravierende Verwerfungen auf europäischer und globaler Ebene ergeben. Unsicherheit bringe der mögliche Ausfall des großen Weizenexporteurs Ukraine.

Köstinger: Preisanstieg aber kein Engpass bei Lebensmitteln

Im Ministerium habe man einen Einsatzstab zur Lebensmittelversorgung eingerichtet. Während die Versorgung in Österreich nicht bedroht sei, könne es Probleme in Nordafrika und dem Nahen Osten geben. Um die Versorgungssicherheit weiter zu steigern, hoffe sie unter anderem auf eine Entscheidung auf EU-Ebene zum Anbau von Eiweißfuttermitteln auf Brachflächen. Gemeinsam mit dem Finanzministerium werde an einem Entlastungspaket für die heimische Landwirtschaft gearbeitet.

Von Österreich würden für Lebensmittellieferungen etwa nach Nordafrika insgesamt 30 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Davon würden 16 Mio. Euro aus dem Landwirtschaftsministerium stammen. Für die Koordination seien das Außenministerium und die Austrian Development Agency zuständig.

Auch die FAO warnt vor drastischen Preissteigerungen bei Lebensmittel

Die weltweiten Lebens- und Futtermittelpreise könnten den Vereinten Nationen zufolge infolge des Ukraine-Krieges drastisch steigen. Es drohe ein Anstieg von acht bis 20 Prozent, sagte die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) am Freitag voraus. Das wiederum könne zu einem sprunghaften Anstieg der Zahl unterernährter Menschen führen. Noch sei nicht klar, ob die Ukraine während eines lang anhaltenden Konflikts noch Getreide ernten könne.

Russland weltweit größter Exporteur von Weizen

Aber auch hinter den russischen Lebensmittelexporten stehe nach den westlichen Sanktionen ein Fragezeichen. "Die wahrscheinlichen Unterbrechungen der landwirtschaftlichen Aktivitäten dieser beiden großen Exporteure von Grundnahrungsmitteln könnten die Ernährungsunsicherheit weltweit ernsthaft eskalieren lassen", sagte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu. Der FAO zufolge ist Russland der weltweit größte Exporteur von Weizen, während die Ukraine an fünfter Stelle rangiere. Zusammen seien die beiden Länder für 19 Prozent der weltweiten Gerstenversorgung verantwortlich. Bei Weizen liege der Anteil bei 14 und bei Mais bei vier Prozent. Insgesamt entfielen mehr als ein Drittel der weltweiten Getreideexporte auf diese beiden Länder.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief am Freitag dazu auf, in diesem Frühjahr trotz der russischen Invasion soviel Getreide wie möglich auszusäen. "In diesem Frühjahr müssen wir, wie in jedem Frühjahr, eine vollwertige Aussaatkampagne durchführen. So viel wie möglich", sagte Selenskyj in einer Fernsehansprache. "Weil es um das Leben geht. Um unser Leben. Um unsere Zukunft." In der Ukraine beginnen die Feldarbeiten im Frühjahr traditionell Ende Februar oder im März. Die Landwirte erklärten, so bald wie möglich in sicheren Gebieten mit der Aussaat zu beginnen. Nach Angaben des stellvertretende Landwirtschaftsministers Taras Vysotskiy ist die kriegsbedingte Kraftstoffknappheit das Hauptproblem für die Landwirte. Sie hätten genug Saatgut, um mit der Aussaat fortzufahren.

Ukraine-Krieg: Versorgung afrikanischer Staaten bedroht

Der Ukraine-Krieg droht einer Studie zufolge die Versorgung afrikanischer Staaten mit Getreide für die Lebensmittelproduktion deutlich zu verschlechtern. "Handelswege sind gekappt, Infrastruktur zerstört und alle verbleibenden Produktionskräfte dürften auf eine Kriegswirtschaft ausgerichtet werden", sagte Handelsforscher Hendrik Mahlkow vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW). "Da das Land einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt ist, insbesondere für den afrikanischen Kontinent, wird dies die dortige Versorgungssituation spürbar verschlechtern." Allein in Tunesien drohe langfristig eine Verteuerung um etwa ein Viertel bei einigen Getreidesorten. Auch in Deutschland wären die Folgen spürbar, wenn auch weit weniger dramatisch.

Laut FAO sind 50 Länder, darunter viele der am wenigsten entwickelten Nationen, für 30 Prozent oder mehr ihrer Weizenlieferungen von Russland und der Ukraine abhängig, was sie besonders anfällig macht. "Die weltweite Zahl der Unterernährten könnte 2022/23 um acht bis 13 Millionen Menschen steigen", erklärte die UN-Organisation. Die stärksten Anstiege könnten dabei im asiatisch-pazifischen Raum erfolgen, gefolgt von Subsahara-Afrika, dem Nahen Osten und Nordafrika.

(APA/Red)

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