Landwirtspaar wegen schweren Betrugs in Wien vor Gericht

Das Landwirtspaar wurde freigesprochen.
Das Landwirtspaar wurde freigesprochen. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Ein Landwirtspaar aus Niederösterreich musste sich wegen schweren Betrugs am Wiener Landesgericht für Strafsachen verantworten. Sie hatten sich 16.000 Euro von einem Bekannten ausgeborgt, um der Bank, die ihnen einen Traktor vorfinanziert hatte, eine Kreditrate zurückzahlen zu können.

Der Ankauf eines neuen Traktors hat ein niederösterreichisches Landwirtspaar in Wien vor den Kadi gebracht. Weil sich die beiden 16.000 Euro von einem Bekannten ausborgten, um der Bank, die ihnen die Zugmaschine vorfinanziert hatte, eine Kreditrate zurückzahlen zu können, mussten sie sich am Dienstag wegen schweren Betrugs am Landesgericht für Strafsachen verantworten. Die Angeklagten führen einen Mastbetrieb für Lämmer und benötigten im Frühjahr 2015 einen stärkeren Traktor. Als es mit einer Kreditrate eng wurde, erinnerte man sich eines Bekannten, der dem Landwirt in der Vergangenheit schon mehrfach finanziell ausgeholfen hatte. Die Lebensgefährtin des Bauern fuhr nach Wien, traf sich mit dem Bekannten bei einem Notar und besorgte so das Benötigte. “Sie ist mit dem Bargeld daherkommen, hat das fällige Geld abg’liefert und ist dann gleich mit dem Kübel (dem Traktor, Anm.) daherkommen”, schilderte der Landwirt im Grauen Haus.

Angeklagte verstehen Anschuldigungen nicht

Weder er noch seine Partnerin konnten nachvollziehen, weshalb sie vor dem Strafgericht gelandet waren. Das Darlehen sei ja besichert gewesen, zum einen mit dem Traktor selbst, der ein Mehrfaches der 16.000 Euro gekostet hätte, zum anderen mit 700 Lämmern. 5.000 Euro wären dem Bekannten zurückgezahlt worden, der Rest hätte nach dem islamischen Opferfest folgen sollen – die Angeklagten beliefern ihren Angaben zufolge seit Jahren zwei Groß-Abnehmer, die für den höchsten Feiertag im Islam stets eine Vielzahl an Lämmern benötigen.

Richter konnte keine Schädigungsabsicht feststellen

“Drei Tage vor dem Opferfest hamma a Lungenentzündung im Stall g’habt”, berichtete die Angeklagte Richter Hartwig Handsur. Hunderte Tiere wären verendet. Der damit verbundene finanzielle Ausfall sei nicht vorhersehbar gewesen. “Es san uns 9.500 Kilo Schaf’ hin worden. Das beweis ma!”, rief der Landwirt.

Das war nicht nötig. Richter Handsur konnte keine Schädigungsabsicht feststellen und fällte daher zwei Freisprüche. Er ging davon aus, dass – entgegen der Darstellung in der Anzeige, die der Bekannte eingebracht hatte – auf dem Hof jedenfalls genug Lämmer da gewesen wären, um die Schulden zu tilgen. Der Hof wäre aber als Folge der ausgebrochenen Krankheit unter Quarantäne gestanden, die Rückzahlung hätte damit auf sich warten lassen.

Darlehensgeber hatte Landwirtspaar angezeigt

In der Verhandlung wurde vor allem aber deutlich, dass der Landwirt und sein Bekannter mittlerweile nicht mehr gut aufeinander zu sprechen sind, was ein möglicher Hintergrund der Anzeige gewesen sein könnte. “Er hat immer glaubt, i bin a Dodl und er der Diplomingenieur”, erzählte der Angeklagte. Er sei zuletzt von dem Mann sogar als “fette Sau” beschimpft worden – “vor Zeugen”, wie der Landwirt betonte. Der Darlehensgeber wiederum, der behauptet, bis heute keinen Cent von den 16.000 Euro zurückbekommen zu haben, erklärte im Zeugenstand, die Angeklagten hätten ihm den Zutritt zu einem Lager bösartigerweise unmöglich gemacht: “Sie haben mir Fäkalien vor die Tür geschüttet.”

Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Die 16.000 Euro sind bereits Gegenstand eines Zivilprozesses, den der Bekannte des Landwirtspaars gegen die beiden betreibt.

APA/Red.

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