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Land|Gespräche greifen brisantes Thema auf

Martin Waser, Katharina Conradin und Roland Gnaiger sprachen vor rund 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Martin Waser, Katharina Conradin und Roland Gnaiger sprachen vor rund 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. ©ME
Denkanstöße und Lösungsansätze zur Kulturlandschaft bei den Land|Gesprächen|Hittisau.
Landgespräche in Hittisau

Hittisau. Namhafte Expertinnen und Experten beleuchteten bei der Tagung in Hittisau die Thematik „Kulturlandschaft – und wir in ihr“ aus verschiedensten Perspektiven. Den Organisatoren Johann Steurer, Hermann Hagspiel und Markus Faißt geht es bei den 6. Land|Gesprächen auch darum, vom Reden ins Tun zu kommen.

Alarmierende Entwicklungen

„Jede Person sieht die Landschaft anders, je nach Herkunft, Beruf und Interesse“, betonte Architekt Roland Gnaiger in seinem Referat. So alarmierend manche Entwicklungen seien, wie Verarmung der Artenvielfalt oder der Verbrauch fruchtbarster Böden durch Zersiedelung, so ermutigend seien viele neue Initiativen. Es gehe, wie auch andere Vortragende betonten, nicht um Blockieren von Veränderung, sondern um bewusstes, zielgerichtetes Handeln und Gestalten. Je länger man zuwarte, desto schwieriger würde korrigierendes Eingreifen, berichtete der ehemalige Zürcher Stadtrat Martin Waser aus seiner langjährigen Erfahrung als Kommunalpolitiker. Für Katharina Conradin, langjährige Präsidentin der Alpenschutzkonvention, ist eine als schön empfundene Landschaft die Voraussetzung dafür, sich für sie auch einzusetzen. Mit ihrer Zerstörung gingen auch Identifikationsräume verloren.

Thematische Dichte

Aufgelockert wurde der thematisch dichte Nachmittag durch ein „Hörfenster“ der Schwarzenberger Musikethnologin Evelyn Fink-Mennel. Sie verwies auf die Wichtigkeit informeller Orte der Geselligkeit und des Musizierens, wie sie einst die „Vorsäßkultur“ des Bregenzerwaldes bot, und schloss mit einem auf der Violine begleiteten Jodler. Beatrice Schüpbach von der Forschungsanstalt Agroscope in der Schweiz präsentierte Umfrageergebnisse, denen zufolge die Landschaftsqualität landwirtschaftlicher Regionen inzwischen niedriger bewertet werden als jene von Siedlungsgebieten. Josef Türtscher berichtete vom nicht einfachen Weg des Großen Walsertals aus der „Identitätskrise“ der 1980er Jahre zum UNESCO Biosphärenpark, der bereits vor 30 Jahren Arten- und Klimaschutz ernst nahm. Regio-Obmann Guido Flatz stellte abschließend den Stand in der Entwicklung des Landschaftsentwicklungskonzepts Bregenzerwald dar.

Denkanstöße

Jungarchitekt Valentin Zech philosophierte mit eindrucksvollem Bildmaterial über zukünftige Architektur in Skigebieten ohne Schnee. Die Ergebnisse ihrer Vorwissenschaftlichen Arbeit „Wie sieht die Kulturlandschaft der Zukunft aus?“ stellten Manuel Peter und Julius Fink, Absolventen der HAK Bezau, vor. Die Tagung wurde von der Landschaftsarchitektin Maria-Anna Schneider-Moosbrugger fachkundig und souverän moderiert. Mehr Einzelheiten zu den Vorträgen und der Podiumsdiskussion mit Herlinde Moosbrugger (ehem. GF Bregenzerwald Tourismus, Carola Bauer (Naturpark Nagelfluhkette), Bürgermeister Tobias Bischofberger sowie Raumplanerin und Bäuerin Christina Timmerer finden sich im Ergebnisheft der Tagung, welches bei der Gemeinde Hittisau gegen einen Kostenbeitrag bestellt werden kann: tourismus@hittisau.at oder Tel. 05513 6209-250. ME

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