Kuru auf dem Abstellgleis?

Vor einem Jahr überraschte das U20-Team bei der WM in Kanada. Mit dabei war Tormanntalent Bartolomej Kuru.

Ein Jahr später, steht der Doppelstaatsbürger (seit 2003 besitzt er einen österreichischen Pass) ohne Verein da. Sportal.at sprach mit dem Torhüter und gibt einen Überblick über seine Aufs und Abs seiner noch jungen Karriere.

Zukunft noch ungewiss
Kuru hält sich beim tschechischen Zweitligisten FK Baník Sokolov, die vom Ex-Austrianer Martin Hasek trainiert werden, fit und wartet täglich auf den erlösenden Anruf seines Managers. Der 21-Jährige hofft auf ein baldiges Engagement: “Ich weiß selber nichts konkretes, aber mein Manger vertröstet mich und will mir nichts genaueres verraten, um einen Transfer nicht zu gefährden. Zur Not kann ich mir auch vorstellen, vorerst bei Sokolov zu spielen.” Die Zukunft des Ex-Nachwuchs-Teamspielers liegt wohl eher im Ausland: “Nach Österreich werde ich wohl eher nicht wechseln.” Kuru fühlt sich jedenfalls nach 78 Zweitligaeinsätze reif für höhere Aufgaben: “Ich war Stammtorhüter bei den Austria Amateuren und möchte in eine stärkere Liga wechseln.”

Violetter Abgang
Sein Abgang von der Austria ging im Guten über die Bühne, dennoch bleibt für den Junggoalie ein fahler Beigeschmack: “Ich war fünf Jahre beim Verein, doch Austria hat mir nie eine ernsthafte Chance gegeben und deswegen wollte ich eine neue Perspektive.” Die Austria legte dem Talent keine Steine in den Weg, wie Austria-Tormanntrainer Franz Gruber betont: “Seine Entwicklung war ein kleines Wellental. Er erhob den Anspruch auf die Nummer Zwei in der Kampfmannschaft, doch dafür haben seine Leistungen nicht entsprochen. Wir sind deswegen seinem Wunsch nachgekommen und haben die Option auf ihn nicht gezogen.”

In Nymburk geboren – Nachwuchskarriere in Wien
Kuru, dessen Vater Tscheche und dessen Mutter Polin ist, wuchs in Nymburg auf und spielte in den Nachwuchsmannschaften von Sparta und Slavia Prag, eher er sich 2001 für den Wechsel nach Österreich entschloss. Kuru besuchte zunächst die Frank Stronach-Akademie in Hollabrunn und durfte schon als 16-Jähriger als dritter Tormann unter dem Europameister von 1980, Eike Immel, bei Tormann-Trainingseinheiten der Kampfmannschaft Erfahrung sammeln. 2004 debütierte er auch im Tor der Austria Amateuren, in der Kampfmannschaft der Violetten absolvierte er jedoch nur ein einziges Pflichtspiel (20.Mai 2007 gegen Altach). Kuru spielte in allen Nachwuchs-Nationalmannschaften des ÖFB (30 Länderspiele/ 1 Tor!) und überzeugte durch sein Talent, fiel aber auch negativ auf.

Wirbel um Kuru
Im Herbst 2007 flog das Trio infernale Okotie, Madl und Kuru aus dem U21-Teamkader, nachdem diese den Zapfenstreich überzogen hatten. Seinen Platz im U21-Team verlor er an seinen ehemaligen Akadmie-Mitspieler Robert Olejnik (Falkirk FC). Wenige Monate davor bei der U20-WM lief auch nicht alles nach Wunsch. Kuru war in der WM-Qualifikation noch Stammgoalie, absolvierte neun von zehn Gruppenspielen. Bei der WM überraschte der damalige U20-Trainer Paul Gludovatz mit einer Torhüter-Rotation: Zaglmair (Vier Spiele), Lukse (Zwei Spiele) und Kuru (nur ein Spiel) wechselten sich ab. Kuru im Rückblick: “Ich verstehe bis heute nicht, warum ich nicht die Nummer Eins war. Ich war sehr enttäuscht, doch der Trainer hatte sicher seine Gründe.”

Vergeutetes Talent?
Dennoch bereut Kuru seinen Wechsel nach Österreich nicht: “Österreich war der richtige Schritt für mich. Doch ich habe mir im Endeffekt mehr erwartet.” Der Jungspieler pflegt nach wie vor den Kontakt zu ehemaligen Mitspielern und signalisiert gegenüber sportal.at, dass er auch in Zukunft für Österreich spielen wolle. Doch bis dahin ist es noch ein weiter, steiniger Weg. Bleibt zu hoffen, dass Kuru nicht dasselbe Schicksal ereilt, wie so viele andere junge, “ewige Talente”.

Sportal/Philipp Glanner
Mehr Infos zum diesem Thema auch unter www.sportal.at

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